Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 17.10.2019


Judo

Nach dem Entzug der WM ist der Kampf ums Geld entbrannt

Warum für den Judoverband der Entzug der WM 2021 noch teuer werden könnte.

Martin Poiger (M.) wurde kürzlich zum neuen Präsidenten des Österreichischen Judoverbandes gewählt. Er und sein Team müssen nun die WM 2021 rückabwickeln.

© öjvMartin Poiger (M.) wurde kürzlich zum neuen Präsidenten des Österreichischen Judoverbandes gewählt. Er und sein Team müssen nun die WM 2021 rückabwickeln.



Von Benjamin Kiechl

Innsbruck, Wien – Der Österreichische Judoverband (ÖJV) durchlebt turbulente Zeiten. Nach dem Rücktritt von acht Vorstandsmitgliedern im September ließ der nächste Paukenschlag nicht lange auf sich warten. Quasi zeitgleich mit der Wahl des neuen Präsidenten Martin Poiger bei der außerordentlichen ÖJV-Generalversammlung am vergangenen Wochenende hat der Judo-Weltverband (IJF) Österreich die WM 2021 entzogen. In einem Anwaltsschreiben begründete der Weltverband die WM-Rücknahme mit der nicht fristgerechten Bezahlung der zweiten Rate.

Weil der heimische Verband aber bereits Zahlungen in Höhe von zwei Millionen Euro (WM-Budget sind 12 Mio. Euro) geleistet hat, ist nun ein Kampf ums Geld entbrannt. Nur wenn ein Ersatzveranstalter zu gleichen oder besseren Konditionen gefunden wird, fließt das Geld vom Weltverband retour. Schlimmstenfalls droht ein Rechtsstreit mit Ex-Präsident Kutschera oder sogar die Pleite des Verbandes. „Die Absage der WM hat uns alle sehr überrascht und wir bedauern diesen Schritt. Ziel ist jetzt, die Situation um die WM mit allen beteiligten Institutionen zu klären“, wird Neo-Präsident Poiger in einer Aussendung zitiert. Es müsse geklärt werden, warum Vorgänger Hans Paul Kutschera nicht für die ordnungsgemäße Berichterstattung an das Sportministerium gesorgt habe und warum er nicht schon vor Ablauf der Frist um Aufschub angesucht habe.

Der neue Judo-Vorstand sei bereits in guten Gesprächen mit dem Sportministerium und setze auf volle Transparenz, wie Tirols Judo-Präsident Martin Scherwitzl lobend hervorstreicht. „Die Stimmung ist sehr positiv und ich bin überzeugt, dass es gut ausgehen wird“, erklärt Scherwitzl. Obwohl Tirol im neuen Judo-Vorstand nicht mehr vertreten ist, betont Scherwitzl den „guten Draht“ zur Führungsebene. Auf Neo-Präsidenten Poiger aus dem Burgenland hält er große Stücke: „Er war selbst viele Jahre Judo-Kämpfer und weiß genau, wovon er redet!“ Zudem setze der Neue auf konstruktive Zusammenarbeit und sei auf Harmonie bedacht – Eigenschaften, die dem heimischen Judoverband in seiner misslichen Lage guttun.

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