Letztes Update am Mi, 23.10.2019 18:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski alpin

Weltcup-Auftakt in Sölden ohne Liensberger

Die Vorarlbergerin hat den Ausrüstervertrag mit Rossignol noch immer nicht unterschrieben und kann daher nicht an den Start gehen. Ihr Ersatz in Sölden ist Nadine Fest.

Katharina Liensberger steht vor einer ungewissen Zukunft.

© imago sportfotodienstKatharina Liensberger steht vor einer ungewissen Zukunft.



Innsbruck – Der alpine Weltcup-Auftakt in Sölden findet doch ohne Katharina Liensberger satt. Die für den Riesentorlauf am Samstag nominierte Vorarlbergerin hat den notwendigen Ausrüstervertrag mit Rossignol noch immer nicht unterschrieben und kann daher nicht an den Start gehen. Liensberger hat noch bis 15. November Zeit für die Vertragsunterzeichnung. Ihr Ersatz in Sölden ist Nadine Fest.

Liensberger hat im Sommer einen Skimarkenwechsel vom langjährigen Partner Rossignol zu Kästle vorgenommen, allerdings hat die 22-Jährige keinen gültigen Skischuh-Vertrag. Zuletzt durfte Liensberger zwar auf pool-konformem Rossignol-Material mit dem ÖSV-Team mittrainieren, die Rennerlaubnis für Sölden bekam sie letztlich aber doch nicht. Dazu hätte die Göfnerin bis Mittwoch 12 Uhr einen Zweijahres-Vertrag mit Rossignol unterzeichnen müssen.

„Sie hat bis heute 12 Uhr nicht die notwendigen Ausrüstungsverträge beim Austria Ski Pool vorgelegt. Daher kann ihr der ÖSV beim Weltcup-Riesentorlauf, am Samstag, 26. Oktober 2019 in Sölden keinen Startplatz gewähren“, erklärte ÖSV-Sportdirektor Toni Giger in einer Verbands-Aussendung. „Sobald der Ausrüstungsvertrag dem Austria Ski Pool vorliegt, wird der ÖSV sie für die kommenden Weltcup-Rennen nominieren“, ergänzte Giger.

Liensberger nicht erreichbar

Für Sölden ist es sich aber nicht mehr ausgegangen. Warum Liensberger die Frist verstreichen hatte lassen, war unklar, weil die Rennläuferin für den ÖSV am Mittwoch nicht erreichbar gewesen sei, erklärten Giger und Pool-Geschäftsführer Reinhold Zitz der APA - Austria Presse Agentur in der Innsbrucker ÖSV-Zentrale.

Liensberger würde gerne künftig mit Kästle starten und hat die Ski aus ihrem Heimat-Bundesland auch schon ausführlich getestet. Bei Kästle hat man aber keine Skischuhe im Repertoire. Weil auch alle anderen Varianten gescheitert sind, bleibt der Technik-Spezialistin deshalb derzeit nur eine Rückkehr zum langjährigen Partner Rossignol. Dort nimmt man die Österreicherin aber nur bei einem Zweijahres-Vertrag zurück. Dem Vernehmen nach will Liensberger aber eine kürzere Vertragsdauer und hat auch noch weitere Bedingungen.

„Das Thema dreht sich bei uns seit fünf Monaten im Kreis“, sagte Zitz, der noch am Mittwoch den Poolvertrag mit Kästle mit Wirksamkeit 30. 4. 2021 kündigte, um klare Verhältnisse zu schaffen. „Damit haben wir nun eine komplett neue Ausgangsposition“, sagte der langjährige Pool-Geschäftsführer. „Offenbar hofft Liensberger, dass der ÖSV wenige Tage vor Sölden in die Knie geht“, mutmaßte Zitz.

In dieser Causa nachzugeben, würde aber einen folgenschweren Präzedenzfall für den Austria Ski Pool, über den rund 380 Athleten und ebenso vielen Trainern, Betreuern, Serviceleuten und Ärzten rennsportrelevantes Material zur Verfügung gestellt wird, schaffen. Der Pool sei zudem ein Finanzierungsinstrument für den vom ÖSV geführten Hochleistungssport, so Zitz. „Dann würde uns das gesamte System um die Ohren fliegen. So etwas wie diesen Fall habe ich in 30 Jahren noch nicht erlebt.“

ÖSV hofft auf Einigung

Der ÖSV hatte vergangene Samstag noch eine „lange und gute“ (Giger) Unterredung mit Liensberger gehabt. „Wir haben mit ihr ausgemacht, dass Sölden nur Sinn macht, wenn sie bis Mittwoch unterschreibt“, klärte Giger auf. „Sonst macht es keinen Sinn, es braucht ja auch eine seriöse Vorbereitung.“ Liensberger habe aber ihre Ankunft in Sölden immer wieder hinausgeschoben.

„Ich habe gehofft, dass das alles bis heute geklärt ist. Aber sie war nicht erreichbar für mich“, erklärte Giger. Aus seiner Sicht stehe die Tür aber weiter offen. „Sobald sie unterschreibt, ist alles okay. Aber Sölden ist erledigt.“ Giger hofft intensiv, dass die Sache bald geklärt ist. „Sie ist ja eine Topläuferin, wir haben deshalb überdurchschnittlich investiert in Kathi. Wir halten viel von ihr sie hat eine große Zukunft.“

Er sei von den aktuellen Ereignissen weniger überrascht, eher frustriert, so Giger. „Wir haben uns doch sehr dafür eingesetzt, dass das auf Schiene kommt. Und wir sind weiter um sie bemüht, die Tür steht offen. Aber sie braucht einen Ausrüstungsvertrag, damit sie Rennen fahren kann. Derzeit liegt der Ausrüstungsvertrag nicht vor, deshalb kann sie nicht fahren.“ (APA)

ÖSV-Sportdirektor Giger in Liensberger-Causa: “Tür steht offen“

Katharina Liensberger hat den von Rossignol angebotenen Vertrag bis heute nicht unterschrieben. Was heißt das für Sölden?

Giger: "Das heißt, dass sie in Sölden nicht fährt. Das ist erledigt. Sie hätte Sonntag anreisen sollen, das hat sie um einen Tag verschoben. Dann wäre gestern Anreisetag gewesen, da ist auch der Servicemann angereist. Am Abend sagte sie, sie reist wieder nicht an. Man muss sich auf ein Rennen ernsthaft vorbereiten. Es macht ja keinen Sinn, wenn man nicht trainiert und dann fährt man das Rennen."

Wie war die letzte Kontaktaufnahme mit Liensberger?

Giger: "Wir haben am Samstag hier im ÖSV mit Reinhold Zitz (Austria Ski Pool-Geschäftsführer/Anm.) ein Gespräch mit Kathi geführt, es war ein gutes Gespräch. Ich habe gehofft, dass bis heute alles geklärt ist, ich habe eigentlich damit gerechnet, dass das passiert. Heute war sie nicht erreichbar für mich."

Überrascht es Sie, dass die Unterschrift nicht erfolgte?

Giger: "Frustriert bin ich eigentlich. Weil ich denke, dass ich mich wirklich sehr dafür eingesetzt habe, dass das auf Schiene kommt."

Liensberger hat nun noch bis 15. November Zeit, den Vertrag zu unterzeichnen, um Rennen fahren zu können. Sind Sie der Hoffnung, dass das noch passiert?

Giger: "Muss ich sein. Sie ist für mich eine Topläuferin und wenn die nicht fährt ... Wir haben auch ordentlich investiert in die Kathi. Sie hatte zum Beispiel schon letztes Jahr einen eigenen Servicemann. Wir haben wirklich von den Förderungen her überdurchschnittlich viel in sie investiert, weil wir sehr viel von ihr halten und glauben, dass sie eine große Zukunft hat. Wenn sie unterschreibt, ist alles okay, dann fährt sie natürlich. Wir sind bemüht, nach wie vor, die Tür steht offen. Sie muss das halt auf den Weg bringen, das liegt an ihr. Ich hoffe immer noch, dass das wird."

Gibt es irgendwelche Forderungen von Liensberger an den ÖSV?

Giger: "Nein. Für die Zeit während sie jetzt mit Rossignol trainiert hat, haben wir Sepp Weißenbacher aktiviert. Das ist der Servicemann, den sie auch in der Olympiasaison hatte. Der kennt sie gut, der hat gute Rossignol-Kontakte. Es war auch jede Fahrt der Edi Unterberger mit dabei. Wir waren interessiert, dass wir in der kurzen Zeit, die uns zur Verfügung steht, alles mobilisieren, dass wir sie unterstützen können. Man hat sich wirklich ins Zeug gehaut, auch die Firma Rossignol."

Das Gespräch führten Birgit Egarter und Hans Gödel/APA aus Innsbruck