Letztes Update am Mi, 13.11.2019 14:11

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Formel 1

25 Jahre danach: Schumachers kontroverser erster WM-Titel

Der Deutsche nahm beim Finale in Adelaide auch Rivalen Damon Hill mit ins Aus. Die Saison 1994 war von tödlichen Unfällen, aber auch von „Schummel-Schumi“-Skandalen überschattet.

Michael Schumacher eroberte 1994 seinen ersten WM-Titel.

© imago sportfotodienstMichael Schumacher eroberte 1994 seinen ersten WM-Titel.



Berlin – Es ist der 13. November 1994. Michael Schumacher kommt beim Saisonfinale in Adelaide von der Ideallinie ab, sein Benetton-Ford touchiert eine Mauer. In einem beinharten Zweikampf macht der Deutsche aber auch für seinen WM-Rivalen Damon Hill, der zum Überholen ansetzt, die Türe zu. Es ist der Moment, der Schumacher seinen ersten WM-Titel beschert - und ein Stück weit auch seinen Mythos definiert.

Die beiden Boliden berühren sich. Jener von Schumacher hebt mit der rechten Seite ab, kracht in den Reifenstapel. Der damals 25-Jährige muss aufgeben, ist wenige Minuten später aber doch der erste deutsche Formel-1-Weltmeister. Hill kann zwar vorerst weiterfahren, seine Radaufhängung ist aber gebrochen. Kopfschüttelnd steigt der Brite an der Box aus seinem Williams. Am Ende hat er die WM um einen Punkt verloren.

„War ein großer Kampf“

„Es war ein sehr großer Kampf zwischen Damon und mir“, sagte Schumacher vor 25 Jahren. „Diese WM gewonnen zu haben, war ein Traum.“ Sechs weitere WM-Titel sollten folgen. Schumacher ist damit immer noch der erfolgreichste Pilot der Geschichte. Ob er das auch in gut einem Jahr noch ist? Sechsfach-Weltmeister Lewis Hamilton könnte kommende Saison gleichziehen. Auch bei den Rennsiegen fehlen dem Briten (83) nur noch acht auf den Schumacher-Rekord (91).

Unabhängig davon, ob seine Marken künftig übertroffen werden: Schumacher wird im Motorsport immer eine Richtgröße bleiben - einer, der die Grenzen verschoben hat. Die tragische Saison, in der er seinen ersten WM-Titel holte, war dabei auch beispielhaft für seine gesamte Karriere.

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„Möchte den Titel Senna widmen“

Bereits zum Saisonstart fuhr der gelernte KFZ-Mechaniker aus Kerpen der Konkurrenz davon, siegte in Brasilien und in Japan. Er gewann am 1. Mai auch das dritte Saisonrennen, den Grand Prix von San Marino. Der Sieg tritt aber völlig in den Hintergrund. An dem schwarzen Wochenende sterben in Imola der Salzburger Roland Ratzenberger und im Rennen auch die brasilianische Legende Ayrton Senna.

Gefeierter Weltmeister: Michael Schumacher.
Gefeierter Weltmeister: Michael Schumacher.

„Ich möchte diesen Titel Ayrton Senna widmen. Er war der beste Fahrer im besten Auto und hätte die WM verdient.“ Das waren Schumachers Worte am 13. November 1994, als er sich in Adelaide die Krone aufsetzte. 19 Jahre später erlebt er selbst einen schweren Schicksalsschlag. Seit einem folgenschweren Ski-Unfall im Dezember 2013 ist Schumacher nicht mehr öffentlich aufgetreten, befindet sich nach einem Schädel-Hirn-Trauma in Rehabilitation.

Schumacher fuhr in Imola hinter Senna, als dessen Williams in der Tamburello-Kurve von der Strecke abkam und in die Mauer krachte. Der dreifache Weltmeister, das größte Talent des Sports, überlebt nicht. Keine zwei Wochen später liegt der Tiroler Karl Wendlinger nach einem schweren Trainingsunfall in Monaco im Koma. Schumacher gewinnt auch das Rennen im Fürstentum, engagiert sich aber zusehends auch für mehr Sicherheit im Motorsport.

In zwei Rennen disqualifiziert

1994 war allerdings auch die Saison, die den Beinamen „Schummel-Schumi“ hervorbrachte - unter anderem wegen eines nicht reglementskonformen Unterbodens. In zwei Rennen wurde der Deutsche disqualifiziert, für zwei weitere wurde er wegen des Ignorierens schwarzer Flaggen gänzlich gesperrt. Dennoch kam er mit einem Punkt Vorsprung auf Hill zum Finale nach Adelaide - und brachte ihn durch den Doppelausfall ins Ziel.

„Er hat einen Maßstab an Dominanz gesetzt, auch wenn es manchmal kontrovers zuging“, sagte Hill einmal über Schumacher. 1995 musste sich der Engländer Schumacher ein weiteres Mal geschlagen geben, 1996 wurde er selbst Weltmeister. „Michael war so etwas wie der Schleifstein zum Schärfen eines Messers“, sagte Hill in einer Doku des deutschen TV-Senders RTL, die am Mittwochabend (20.15 Uhr) ausgestrahlt wird. „Er hat mein Spiel verbessert, weil ich es musste. Sonst hätte er mich zerstört.“ (APA/dpa)