Letztes Update am Mo, 07.12.2015 10:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Skispringen

Kuttin zieht Konsequenzen: Training statt Weltcup für Kofler

Beim Premierensieg von Kenneth Gangnes (NOR) konnten die rot-weiß-roten Skispringer kaum punkten. Für Andreas Kofler war Lillehammer eine Nullrunde, er muss pausieren.

Kommt nicht in die Gänge oder besser gesagt ins Fliegen: Andreas Kofler. Der Tiroler Skispringer soll sein Wirrwarr im Training lösen.

© gepaKommt nicht in die Gänge oder besser gesagt ins Fliegen: Andreas Kofler. Der Tiroler Skispringer soll sein Wirrwarr im Training lösen.



Von Susann Frank

Lillehammer – Dritte Weltcupstation, zweites Trainingslager für einen Tiroler: Die mäßigen Leistungen des österreichischen Skisprungteams zwingen Cheftrainer Heinz Kuttin zum Handeln. Nachdem Gregor Schlierenzauer auf die Reise ins finnische Kuusamo verzichtet hatte, wird Andreas Kofler übermorgen nicht nach Russland fliegen. Der Stubaier bleibt zum Training im norwegischen Lillehammer, nachdem er sich dort gestern erneut nicht für den zweiten Durchgang qualifizieren konnte.

Als einziger Österreicher. Alle anderen sammelten bei dem Bewerb, der (windbedingt) von der Groß- auf die Normalschanze verlegt wurde, Punkte. Jedoch nur wenige. Beim Heimsieg von Kenneth Gangnes vor dem Slowenen Peter Prevc und dessen Team-Kollegen Johann Forfang landete lediglich Michael Hayböck als Achter unter den Top Ten. Stefan Kraft wurde 14., Gregor Schlierenzauer 20, Manuel Fettner 22. und Manuel Poppinger 27. „Mit dem Abschneiden können wir im Gesamten nicht zufrieden sein“, resümierte Cheftrainer Heinz Kuttin.

Ganz gegensätzlich agierten die Norweger: Sie springen mit einem jungen Team um Siege, der 26-jährige Gangnes sicherte sich gestern seinen ersten Weltcupsieg. Einen kleinen Seitenhieb konnte sich Kuttin hinsichtlich der vom Tiroler Alex Stöckl betreuten Mannschaft allerdings nicht verkneifen: „Sie sind teilweise über der Grenze beim Material, das ist sicher mitentscheidend.“

Gestern wurde Andreas Stjernen wegen eines nicht regelkonformen Anzuges disqualifiziert, tags zuvor waren es vier Norweger, die FIS-Material-Kontrolleur Sepp Gratzer aus dem Bewerb nahm.

Als Ausrede für ihre schwachen Leistungen versteht Kuttin den möglichen Anzugvorteil nicht: „Man merkt den Athleten an, dass ihnen die Sicherheit abgeht, um in den Wettkämpfen ihr Leistungsvermögen voll auszuspielen. Wenn du dich beim Start schwertust, dann willst du es erzwingen“, betonte der Kärntner. Bei Fettner und Poppinger würde es in die richtige Richtung gehen („Es war wichtig, dass sie mit Punkten anschreiben“), bei Kofler hingegen nicht.

Während der 31-Jährige im Herbst noch auf Augenhöhe mit Schlierenzauer und Kraft gewesen sein soll, „kommt er jetzt nicht in die Gänge und hat einen Wirrwarr im System“. Dieses soll der Vierschanzentourneesieger von 2010 beim gemeinsamen Training mit der zweiten Mannschaft auflösen. Die hat derzeit ihr Lager in Norwegen aufgeschlagen. In zwei Woche­n in Engelberg (SUI) stößt Kofler dann wieder zum Weltcupteam. Um danach bei der Tournee starten zu können, muss der Olympia-Silbermedaillengewinner von 2006 in der Schweiz punkten. „Ich erwarte mir Leistungen“, betonte Kuttin.

Kofler hat Glück: Kein junger Athlet kann in Russland Eindruck schinden. Durch die komplizierten Visa-Bestimmungen bei der Einreise kann Kuttin niemanden als Ersatz mitnehmen.

Kolumne: Mut zum Absprung

Von Alexander Pointner

Elf Disqualifikationen wegen regelwidriger Sprunganzüge an einem einzigen Weltcup-Wochenende – die Kontrolleure des Internationalen Skiverbands FIS nehmen ihre neue Aufgabe sehr ernst. Überdurchschnittlich betroffen waren dabei die Norweger, die schon beim Weltcup­auftakt in Klingenthal im Teamspringen aus der Wertung genommen wurden. Doch das Team von Alex Stöckl lässt sich dadurch nicht aus der Ruhe bringen. Im Gegenteil: mit zwei Tagessiegen und drei Stockerlplätzen haben mich die Nordländer sehr beeindruckt. N

ach dem Abgang der Routiniers Bardal und Jacobsen drängen viele junge Athleten nach und das mit einer Kaltschnäuzigkeit, die mich an die besten Zeiten der Super-Adler erinnert. Die zahlreichen Disqualifikationen scheinen niemanden zu stören, auch vom norwegischen Verband kommt offenbar kein Einwand. Das Ausloten der (Material-)Grenzen gehört vielmehr zum Konzept, um bis zur Vierschanzentournee das optimale Set-up zu finden.

Ob das bei den ÖSV-Adlern auch möglich ist, wage ich zu bezweifeln. Eine Disqualifikation führte zu meiner Zeit zu heftigen internen Diskussionen – ausgelöst von der Verbandsspitze. Athleten, Trainer und Serviceleute gerieten unter enormen Druck. Im Vergleich zu Springern wie Freund, Prevc und Gangnes wirken die Österreicher unsicher. Es ist höchste Zeit, die richtigen Akzente zu setzen, denn die Tournee rückt unaufhaltsam näher.

Alexander Pointner (44), erfolgreichster Skisprung-Trainer aller Zeiten, kommentiert für die TT das Schanzen-Geschehen.