Letztes Update am Do, 10.12.2015 16:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Biathlon

Biathlon in Hochfilzen: Von Kühen und kühnen Hoffnungen

Die Jagd aufs Stockerl beginnt: Die Tiroler Dominik Landertinger (27) und Lisa Theresa Hauser (21) kämpfen ab morgen beim Biathlon-Heim-Weltcup in Hochfilzen um den ersten ÖSV-Podestplatz seit fünf Jahren

Gestern hatte eine Kuh ÖSV-Star Dominik Landertinger noch ganz für sich alleine. Beim Biathlon-Heim-Weltcup in Hochfilzen werden am Wochenende bis zu 30.000 Fans erwartet. „Es gibt nichts Schöneres, als vor eigenem Publikum zu laufen“, sagte der Tiroler.

© smpr.atGestern hatte eine Kuh ÖSV-Star Dominik Landertinger noch ganz für sich alleine. Beim Biathlon-Heim-Weltcup in Hochfilzen werden am Wochenende bis zu 30.000 Fans erwartet. „Es gibt nichts Schöneres, als vor eigenem Publikum zu laufen“, sagte der Tiroler.



Von Benjamin Kiechl

Hochfilzen – Wenn Dominik Landertinger von seiner Saisonvorbereitung erzählt, klingt das mehr nach Hausbau. „Ich habe das Fundament komplett neu aufgestellt“, sagt der Biathlon-Weltmeister von 2009 und erfolgreichste ÖSV-Loipenjäger der vergangenen Jahre. Landertinger will jedoch kein schmuckes Eigenheim – eine Bleibe hat er schon. Landertinger will zurück in die Erfolgsspur, die dem Hochfilzner bei den Olympischen Spielen 2014 Silber im Sprint beschert hat. Und die er im vergangenen Winter verlassen hat. „Das habe ich analysiert und abgehakt“, betonte der Tiroler, um Fragen abzuschmettern.

Im Training beschritt der 27-Jährige neue Wege, rüttelte also am Fundament und sieht sich bestätigt. „Die Laktatwerte sind besser, ich bin auf dem Niveau von meinen besten Zeiten.“ Dazu war es notwendig, den Ausdauerbereich zu forcieren. Laufen, Radfahren, Skirollern. „Alles daheim im Pillerseetal“, sagt Lander­tinger wie ein Werbeprofi. Auch wenn die derzeitige Schneelage nicht zur Postkarten­idylle reicht. Auf Kunstschnee und begleitet von ein paar Kühen verpasste sich Landertinger in St. Ulrich am Pillersee den Feinschliff für den morgen beginnenden Heim-Weltcup: „Es gibt nichts Schöneres, als vor eigenem Publikum zu laufen.“

Im Vorjahr belegte „Land­i“ im Sprint (morgen, 14.30 Uhr ORF eins) den vierten Platz. Der ÖSV wartet schon fünf Jahre auf einen Stockerlplatz „dahoam“, Spartenchef Markus Gandler zeigt sich ungeduldig: „Das Podest ist jederzeit drinnen, wenn alles passt.“ Landertinger, der beim Weltcup-Auftakt in Östersund neben Simon Eder (7.) als Achter für ein Topergebnis gesorgt hat, dämpft die Erwartungen. „Ich will step by step besser werden. Ich habe im Formaufbau nicht auf die ersten zwei Weltcups gesetzt, sondern will bei der WM im März topfit sein.“ Ein Top-Ten-Resultat solle jedoch drin sein. Wenn alles passt, auch das Podium, so die kühne Hoffnung. „Aber das wird noch um ein Eckerl schwieriger als letztes Jahr.“

Fourcade und Boe die großen Favoriten

Der vierfache Gesamtweltcup-Sieger Martin Fourcade sowie die Brüder Tarjei und Johannes Thingnes Boe seien stark. An Motivation, es mit den Besten aufzunehmen, mangle es nicht: „Ich bin brutal fanatisch und quäle mich jeden Tag stundenlang, oft bis zu sechs Stunden. Das ist für mich die Erfüllung.“

Auch eine Tirolerin quält sich gerne, hinter Hoffnungsträgerin Lisa Theresa Hauser steht jedoch ein Fragezeichen. Die 21-Jährige aus Reith bei Kitzbühel musste gestern wegen einer starken Verkühlung das Training auslassen.

Wenn es nach Spartenleiter Markus Gandler geht, solle Hauser, die beim Auftakt als Achte und Elfte ihre bisherige Karrierebestmarke übertroffen hat, für den ÖSV regelmäßig Spitzenplätze herauslaufen. „Mit ihr bin ich natürlich zufrieden“, sagte Gandler. Hauser gibt sich im Vorfeld des Heim-Weltcups unbeschwert. „Das vergangene Wochenende war einfach genial. Das Selbstvertrauen stimmt und ich bin immer doppelt motiviert, wenn Familie und Freunde am Loipenrand stehen und mich anfeuern.“

Die größten Chancen aufs Podest hat Österreich am Sonntag in der Staffel. Die ÖSV-Herren hoffen im ersten Teambewerb der Saison auf ein längst fälliges Erfolgserlebnis. Dreimal in Folge hatten die Österreicher ihr Fundament als Vierte förmlich „auf Sand“ gebaut.