Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 22.11.2016


Biathlon

Rücktritt mit 21 Jahren: Struktur beendete Kurzthalers Karriere

Rücktritt als Junioren-Weltmeisterin: Die Milserin Susanna Kurzthaler zog der Sportkarriere nicht ganz freiwillig eine Ausbildung vor.

© gepaDer letzte Höhepunkt in der kurzen Biathlon-Laufbahn von Susanna Kurzthaler: Die frischgebackene Junioren-Weltmeisterin landete heuer bei der Biathlon-WM der allgemeinen Klasse in Oslo auf Rang 75.



Von Florian Madl

Mils – Selbst auf der Website der Internationalen Biathlon-Union wird Susanna Kurzthaler noch als aktive Athletin geführt. Aber das ist nicht ungewöhnlich, das Rücktrittsschreiben der Junioren-Weltmeisterin am 7. September 2016 drang nicht einmal zur Nationalen Anti-Doping-Agentur durch. „Die besuchte mich noch drei Wochen nach meiner Entscheidung zuhause.“ Die 21-Jährige ließ sich dennoch kontrollieren, damit der Abschied vom Spitzensport nicht fälschlicherweise mit einem medizinischen Fehltritt in Zusammenhang gebracht werde.

Die vergangenen Sommermonate hatten es in sich. Und wenn Susanna Kurzthaler über die Zeit der Entscheidungsfindung spricht, dann fällt ihr das sichtlich schwer. Gerne hätte die Athletin nämlich ihre hoffnungsvolle Karriere fortgesetzt, aber dazu sah sie sich außerstande: „Ich hätte es probiert, aber die Struktur ließ es nicht zu.“ Wehmut schwingt mit, die Milserin feierte erst vor neun Monaten einen Junioren-Weltmeistertitel. Die Chronologie des Abschieds:

Zunächst hatte man ihren Seefelder Stützpunkt um Erfolgstrainer Florian Steirer aufgelöst. „Unverständlich, diese Trainingsgruppe war sehr erfolgreich“, wirft Vater Josef ein. Etwa mit dem Milser Felix Leitner, ebenfalls Junioren-Weltmeister und im ÖSV-Weltcupteam für Östersund (SWE).

Die nötig gewordene Übersiedlung nach Hochfilzen scheiterte, man hätte die Unterkunf­t dort selbst berappen müssen. Und auch die Zusammenarbeit mit Trainer Steirer ließ sich durch den Ortswechsel kaum bewerkstelligen. Der Norweger Vegard Bitnes hatte vor der WM-Saison die Agenden übernommen, Kurzthalers Biathlon-Kollegin Lisa Hauser wehrte sich dagegen und trainiert seither mit einer eigenen Gruppe weiter („Biathlon-Schmiede“). Weil es kürzlich auch mit der Aufnahme in die Zollwache nicht klappte, wäre Kurzthaler bei der sozialen Absicherung auf sich allein gestellt gewesen. Erfahren habe sie das erst im Juli und auf Nachfrage. „Es hieß, Ergebnisse seien bei der Vergabe des Postens ein entscheidender Faktor. Aber wenn es wirklich darum gegangen wäre, hätte man mich nehmen müssen.“

Weitere zwei Monate seien ohne versprochene Lösung geblieben, Schlichtungsgespräche mit dem Verband waren nicht von Erfolg gekrönt. Dann die Entscheidung: Susanna Kurzthaler hängte die Langlauf-Ski und das Gewehr im September kurzerhand an den Nagel. „Wir haben alles versucht, damit Susanna weitermacht – leider ohne Ergebnis“, stellte Markus Gandler, Sportdirektor im Österreichischen Skiverband, enttäuscht fest. Kurzthalers Vater Josef sieht das anders: „Man machte uns immer wieder Hoffnung auf eine Lösung, die letztlich nie zustande kam.“ Das habe man dem ÖSV auch in einem Brief mitgeteilt, in dem der von reichlich Polemik begleitete Schlussstrich erklärt worden sei. Auch er hatte die Karriere seiner Tochter lange mitfinanziert.

Ob Susanna Kurzthalers Abschied ein endgültiger sei? „Ja“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ein Neuanfang komme nicht in Frage. Freuen wird das nur die Talente vom Nordic Team Absam: Denen wird sich die Weltmeisterin künftig mit ganzer Aufmerksamkeit widmen.