Letztes Update am Mo, 30.10.2017 08:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Feller kontert Kritik von Ligety an Sölden-Absage: “Beschämend“

Der US-Skistar konnte die frühe Absage des Herren-Riesentorlaufs nicht nachvollziehen und vergriff sich auch gegenüber ÖSV-Boss Schröcksnadel im Ton.

© APATed Ligety war nach der Renn-Absage nicht gut auf den ÖSV zu sprechen.



Sölden - Österreichs Ski-Asse haben mit großem Bedauern auf die Absage des Herren-Riesentorlaufs in Sölden reagiert, Ted Ligety hat diese hingegen heftig kritisiert. Im ÖSV-Lager war man sich jedenfalls einig. "Das Wetter hätte ein Rennen einfach nicht zugelassen. Vor allem für die Zuschauer wäre es nicht sicher gewesen", meinte ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher.

Weil sich die Absage wegen des angekündigten Sturms in Orkanstärke abgezeichnet hatte, dominierten Sonntagfrüh im Söldener ÖSV-Hotel Regina die Pack-Tätigkeiten. Puelacher verließ den Ort des Weltcup-Auftakts freilich mit einem riesigen Seufzer.

"Es ist doppelt schade. Wir waren nämlich wirklich gut vorbereitet und haben mit Roland Leitinger und Manuel Feller zwei Leute, die ganz vorne mitfahren können. Und die Jungen hätten eine echte Chance gehabt, weil die Piste gut ist und so die Möglichkeit bestanden hätte, sich für den zweiten Lauf zu qualifizieren. Diese Chance bekommen sie nun nicht", sagte der Tiroler.

Kommentar von Ligety verwundert Puelacher

Auch Puelacher war deshalb umso verwunderter über die ätzenden Kommentare von Ted Ligety. Der vierfache Sölden-Sieger aus den USA hatte die Absage per Twitter rasch infrage gestellt und dabei vor allem gegen den ÖSV gestichelt.

"Es ist etwas seltsam, wenn ein Rennen schon um 6.45 Uhr früh abgesagt wird, an dem Österreichs größter Star nicht teilnehmen kann", schrieb Ligety und vergriff sich auch gegenüber Peter Schröcksnadel im Ton. "Kann schon sein, dass das Wetter da oben schrecklich ist. Aber wenn der Präsident des ÖSV schon Tage vorher erzählt, dass das Rennen abgesagt wird, dann stinkt das", empörte sich der Doppel-Olympiasieger und fünffache Weltmeister.

Schröcksnadel hatte im Gegenteil versucht, bis zum Schluss Optimismus auszustrahlen. Der Verbandschef hatte noch am Freitagabend gemeint, wenn, dann könne das starke Team in Sölden trotz der katastrophalen Wetteraussichten ein Rennen möglich machen.

Auch Puelacher konnte deshalb nur noch den Kopf schütteln. "Ich verstehe so etwas nicht. Bis jetzt war Ted ein großer, fairer Sportsmann. Vielleicht haben ihn seine Trainer schlecht informiert darüber, wie es am Berg ausschaut", wunderte sich der ÖSV-Coach.

Für den Tiroler war die Absage "unstrittig". "Oben fliegen die Sachen durch die Gegend, die Lampen wackeln heftig. Im Endeffekt war es unmöglich, ein sicheres Rennen abzuwickeln, vor allem für die Zuschauer", berichtete der Herrenchef nach Telefonaten mit Rennleiter Rainer Gstrein. "Warum dann ein Sportler trotzdem so zündelt, verstehe ich nicht. Ich finde das unfair. Es ist ja nicht das erste Rennen, das abgesagt wird."

Feller via Instagram: "Beschämend"

Manuel Feller rügte Ligety auf Instagram für seine Aussagen und postete ein Video vom Zielgelände in Sölden. "Ich habe den größten Respekt vor dir, du warst immer eines meiner größten Idole. Aber hat dir deine Mutter nicht gelernt, keine Lügen zu erzählen? Wir alle wären heute gerne gefahren, für die Absage ist aber niemand verantwortlich. Es ist beschämend, den ÖSV dafür verantwortlich zu machen."

Für genügend Zündstoff ist nach dem Auftakt also auch ganz ohne Rennen schon gesorgt ... (TT.com, APA)