Letztes Update am Mo, 30.10.2017 15:25

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Verbal-Attacke von Ligety löste einen Sturm der Entrüstung aus

Großer Unmut herrschte gestern im Ski-Lager nach den Aussagen von Ted Ligety. Der US-Star sah in der Absage des Sölden-Riesentorlaufs eine Bevorzugung von Marcel Hirscher. Die Reaktionen darauf waren heftig.

© APASturm am Rettenbachferner: Der Herren-Riesentorlauf wurde am 29. Oktober abgesagt.



Von Max Ischia und Roman Stelzl

Sölden — Noch Stunden vor dem Sonnenaufgang, lange bevor die Verschwörungstheorie von US-Skistar Ted Ligety in Sölden die Runde machen sollte, kroch Isidor Grüner um fünf Uhr morgens auf allen Vieren am Starthaus vorbei. Böen von bis zu 120 km/h fegten dem Pistenchef um die Ohren, an ein aufrechtes Vorwärtskommen war ebenso wenig zu denken wie an ein Rennen. „Das Risiko war viel zu groß. Das konnten wir nicht verantworten", erklärte Grüner, der bereis um vier Uhr morgens mit der Lawinen-Kommission angerückt war. Wenig später sollte auch FIS-Rennchef Markus Waldner auftauchen. Die Prognosen waren schlecht, eine Verschiebung daher keine Option.

Und daher hieß es um 6.45 Uhr wie erwartet: Race cancelled. Der Herren-Riesentorlauf in Sölden wird ersatzlos gestrichen — die Helfer konnten nicht einmal die Abräum­arbeiten beenden und verließen mittags unverrichteter Dinge das Areal.

Ligety: "Dann stinkt das"

Schon zuvor wurde darüber geschmunzelt, dass dem abwesenden Marcel Hirscher eine Absage recht gut ins Konzept passen könnte. Einer machte daraus Ernst — und das war mit dem 33-jährigen Ligety der erfolgreichste aktive Riesentorläufer. „Es ist etwas seltsam, wenn ein Rennen schon um 6.45 Uhr Früh abgesagt wird, an dem Österreichs größter Star nicht teilnehmen kann", schrieb der fünffache Weltmeister auf Twitter. Und Ligety legte nach: „Wenn der Präsident des ÖSV schon Tage vorher erzählt, dass das Rennen abgesagt wird, dann stinkt das."

„So ein Blödsinn", entgegnete Peter Schröcksnadel, sprach nicht zuletzt von einem Affront gegen die Veranstalter, blieb aber im TT-Telefonat betont entspannt. Dafür schienen ihm die Vorwürfe zu absurd. „Dass das Wetter am Sonntag nicht gut sein wird, hat man gewusst. Aber ich habe immer gesagt: Wenn ein Rennen irgendwie möglich sein wird, dann wird es vom OK-Team und allen Beteiligten möglich gemacht. Heute war es aussichtslos."

Eine vorschnelle Absage wies er allein schon aus wirtschaftlichen Gründen in das Reich der Phantasie: „Wir treten ja nicht als Veranstalter auf, damit wir Rennen absagen", sagte Schröcksnadel und sprach von einem finanziellen Verlust — trotz Versicherung.

Puelacher: "Dumme Aussage"

Jakob Falkner, seit der Gletscher-Premiere 1993 OK-Chef des Weltcup-Auftakts am Rettenbachferner, wollte erst gar nicht näher auf Ligety eingehen. Nur so viel: „Ich halte prinzipiell nichts von Hätti-wari-Diskussionen. Als das Rennen abgesagt wurde, hat rein gar nichts für eine Durchführung gesprochen."

Verärgert über die Bemerkungen von Jungvater Ligety zeigte sich auch ÖSV-Herren-Chef Andreas Puelacher. „Eine dumme Aussage. Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat. Aber anscheinend war Ligety sehr schlecht informiert." Noch einen Schritt weiter ging Manuel Feller. Der selten um klare Worte verlegene Fieberbrunner veröffentlichte auf Facebook ein Video, das den Sturm am Gletscher zeigt. Und darunter schrieb der Vizeweltmeister an Ligety: „Hat dir deine Mutter nicht beigebracht, keine Lügen zu erzählen? Es ist eine Schande!"

Harte Worte, die die bestehende und für Copper Mountain weiterhin geplante US-österreichische Trainings-Kooperation überschatten könnten. Der Ötztaler US-Alpinchef Patrick Riml beschwichtigte in einer Aussendung: „Die Absage war die einzige Möglichkeit. Wir hatten zwei exzellente Trainings-Wochen am Gletscher und wir schätzen die Möglichkeit, nach Sölden zu kommen."

Hirscher selbst meldete sich gestern nicht zu Wort. Der 28-jährige Salzburger, der um den siebenten Gesamtweltcupsieg kämpft, soll im Slalom von Levi (FIN/12.11.) sein Comeback geben. „Es macht nur Sinn, wenn er voll fit ist. Sonst wäre es zu gefährlich", sagt ÖSV-Slalomchef Marko Pfeifer.

Reaktionen auf die Aussagen von Ted Ligety

„ Die Worte von Ligety regen mich nicht besonders auf. Das ist so ein Blödsinn."
Peter Schröcksnadel (ÖSV-Präsident)
„Ich halte nichts von Hätti-wari-Diskussionen. Die Rennabsage war alternativlos."
Jakob Falkner (OK-Chef Sölden-Weltcup)
„Eine dumme Aussage. Anscheinend war der Ligety sehr schlecht informiert."
Andreas Puelacher (ÖSV-Herren-Cheftrainer)
„Das Risiko war viel zu groß. Das konnten wir nicht verantworten."
Isidor Grüner (Sölden-Pistenchef)
„Ich habe großen Res­pekt vor dir. Aber hat dir deine Mutter nicht beigebracht, keine Lügen zu erzählen?"
Manuel Feller (auf seinem Instagram-Account)