Letztes Update am Do, 08.02.2018 11:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia 2018

„Wenn Korea den Wintersport entdeckt, war es das wert“

Der Tiroler Harald Springfeld, ehemals Spieler bei den Haien, ist für den reibungslosen Ablauf des Olympia-Eishockeyturniers verantwortlich.

© AFPIn der Eishockey-Halle tickt die Uhr. Bald ist es so weit, dass die Hallen in Gangneung von Fans frequentiert werden.



Die Aufregung der Weltöffentlichkeit konzentriert sich auf Nordkoreas Eishockey-Team und damit auf die von Ihnen betreuten Eishockeyhallen in Gangneung. Was bekommen Sie von den Protesten der Konservativen mit?

Springfeld: Überhaupt nichts. Davon höre ich, so unglaublich das klingt, zum ersten Mal. Mit 20 Mannschaften, knapp 500 Athleten und beinahe 200 Teambetreuern haben wir ohnehin alle Hände voll zu tun.

Und wie läuft die Zusammenarbeit mit Nordkorea?

Harald Springfeld.
- gepa

Springfeld: Für uns gibt es ein Team Korea und das heißt „COR“. Für alle Teams gibt es das gleiche Umfeld.

Um beim Thema zu bleiben: Inwiefern beeinträchtigt die unklare Situation rund um Russland das Eishockey-Turnier?

Springfeld: Überhaupt nicht, wir bereiteten uns von Anfang an auf zwölf Mannschaften bei den Herren und acht Mannschaften bei den Damen vor. Darin inkludiert sind die russischen Athleten und Funktionäre, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) für Eishockey eingeladen wurden.

Fühlt man sich als Advisor für Olympia-Eishockey unter besonderem Druck?

Springfeld: Druck gibt es und das ist auch gut so. Ich lasse mich aber nicht von meinen Kernaufgaben abbringen, muss den Überblick behalten, das Gesamte im Auge haben. Der Internationale Eishockeyverband hat mich aufgrund meiner Berufserfahrung sowie der Kenntnis der asiatischen Kultur nach Korea entsandt. Das hilft mir sehr, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Spielt das Thema Terror eine Rolle?

Springfeld: Sicherheitsmaßnahmen gibt es bei allen Großsport-Veranstaltungen und natürlich gibt es Auflagen seitens des IOC, wie für alle Olympische Spiele.

Welche Sorge ist augenblicklich Ihre größte?

Springfeld: Dass mir bei den unzähligen E-Mails – die meisten davon auf Koreanisch – einfach nichts durch die Finger gleitet. Aufgrund des Modus werden sieben Herren-Spiele in der Damen-Halle ausgetragen und drei Damen-Spiele in der Herren-Halle. Damit ist eine unglaubliche Logistik verbunden. Alleine in der Nacht vom 18. auf 19. Februar müssen neun Mannschaften von der einen in die andere Halle umziehen. Insgesamt gibt es ca. 32 solcher Bewegungen, 90 Prozent werden in der Nacht gegen 1.30 Uhr erfolgen.

Und: Kommt nach dieser langen Zeit der Vorbereitung schon Vorfreude auf?

Springfeld: Ich genieße jeden Tag. Es ist ein Privileg, für Eishockey Vollzeit zu arbeiten.

Ändert sich Ihr Alltag, wenn es nun losgeht?

Springfeld: Die Arbeitszeit beträgt seit gut einem Monat im Durchschnitt 18 Stunden pro Tag, das ist schon ein bisschen lange. Aber auf solche Spitzen bereitet man sich in meiner Funktion geistig und – so gut es halt geht – auch körperlich vor.

Von Olympia-Euphorie war in den vergangenen Tagen keine Rede, der Ticketverkauf verlief schleppend. Glauben Sie noch an die Begeisterung, oder handelt es sich vorrangig um ein Medienspektakel?

Springfeld: Die Zeiten ändern sich, Geld wird nicht mehr mit Tickets, sondern mit Fernseheinnahmen gemacht. Da gibt es schon auch eine gewisse Nachhaltigkeit und Wertschöpfung. Wenn nach den Olympischen Spielen mehr und mehr Koreaner den Wintersport für sich entdecken, dann war es das Ganze wert.

Was kosten die billigsten Tickets, was die teuersten – und können sich das die Koreaner leisten?

Springfeld: Das werden wir sehen, 670 Euro sind schon viel für das Finale in der besten Kategorie, 220 Euro bezahlt man an diesem Abend für die billigste Kategorie. Gott sei Dank gibt es nicht so viele Finalspiele .

Olympia soll dem Land eine gute PR bescheren – wer ist für, wer gegen die Spiele? Man sah Berichte, wonach etwa der Skiverleih-Verbund sauer sei, da alle Olympia-Pisten gesperrt seien.

Springfeld: Natürlich kann man hier und da optimieren, aber im Grunde genommen sind große Vorbereitungen zu treffen. Da geht es zum einen um optimale Bedingungen für Athleten, aber auch um eine unglaubliche Logistik. Damit verbunden sind Sicherheitsmaßnahmen, da einfach viel gebaut und alles rechtzeitig fertig sein muss. Wenn am Ende für genau diese Pisten die Schlussrechnung stimmt und in den kommenden Jahren mehr Leute kommen, dann war es das hoffentlich wert.

Sie sind ein Kosmopolit: Wissen Sie schon, wie es nach den Olympischen Spielen mit Ihnen weitergeht?

Springfeld: Auf Empfehlung des Internationalen Eishockeyverbands werde ich wahrscheinlich in Peking landen und helfen, die Winterspiele 2022 vorzubereiten. Nach Pyeongchang will ich aber zunächst so viel wie möglich Zeit mit meiner Familie, meiner Frau Hui und unserem Sohn Justin zusammen sein, die ich im Moment sehr vermisse.

Das Gespräch führte Florian Madl