Letztes Update am Fr, 09.02.2018 19:00

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Olympia 2018

Kindl führt starkes Rodel-Trio im Kampf um Medaillen an

Die drei Tiroler Athleten Wolfgang Kind, Reinhard Egger und David Gleirscher sollen die tolle ÖRV-Serie fortsetzen.

© APA/Hans Klaus TechtDie Tiroler Reinhard Egger, Wolfgang Kindl und David Gleirscher (v.l.) greifen im olympischen Eiskanal an.



Pyeongchang/Alpensia Pyeongchang – Seit 1992 sind Österreichs Rodler bei Olympischen Spielen Medaillen-Garanten. Und die Vorzeichen stehen gut, dass sich daran auch bei den achten Spielen in Folge nichts ändert. Den Anfang machen im Alpensia Sliding Centre am Samstag und Sonntag (vier Läufe) die Herren-Einsitzer. Mit Doppel-Weltmeister Wolfgang Kindl startet einer der heißesten Medaillenkandidaten im ÖOC-Aufgebot.

ÖRV-Sportdirektor Markus Prock ist optimistisch, dass die Serie fortgesetzt wird. „Unser Ziel ist es, zwei Medaillen zu gewinnen. Aber wie man weiß, muss bei Olympia alles passen.“ Für den zehnfachen Weltcup-Gesamtsieger ist im Herren-Einsitzer und im Doppelsitzer Edelmetall realistisch und auch im Teambewerb möglich. „Bei den Damen müsste schon sehr viel passen. Aber wir hoffen, dass wir eine Dame so schnell haben, dass sie uns im Mannschaftsbewerb hilft.“ Die Bewerbe gehen Schlag auf Schlag vom Samstag bis Donnerstag über die Bühne.

„Ein Privileg, zu den Medaillenkandidaten zu gehören“

Den Anfang machen die Herren mit einem starken ÖRV-Team. Allen voran natürlich Kindl. „Mein Ziel ist es, eine Medaille zu holen“, wiederholte Kindl am Donnerstag auch bei der Pressekonferenz im Österreich-Haus. „Es ist ein Privileg, zu den Medaillenkandidaten zu gehören, aber das habe ich mir erarbeitet.“

Insgesamt 70 geschätzte Fahren hat Kindl inklusive aller Testfahrten bei anderen Gelegenheiten auf der Olympiabahn hinter sich. Doch jedes Mal präsentiert sich der Kurs etwas anders. Viel hängt vom Eisaufbau ab: „Sie steht doch wieder ein bisschen anders da. Man muss sich komplett neu einstellen, den Rhythmus neu erarbeiten“, erklärt der 29-jährige Tiroler.

„Sind optimale Bedingungen für uns“

Noch, so Kindl, seien seine Trainingsläufe nicht ganz rund gewesen. Aber es gab noch einige Trainings bis zum Start am Samstag (Läufe eins und zwei/11.10 Uhr MEZ) für Adaptierungen. „Das Material haben wir auf die Eis-Bedingungen gut eingestellt“, weiß Kindl. Auch wenn es ein wenig wärmer geworden ist, am Eiszustand hat das nichts geändert. „Ich glaube, dass es für uns optimale Bedingungen sind.“

Im Gegensatz zu Kindl, der schon zum dritten Mal im Zeichen der Fünf Ringe antritt, ist David Gleirscher ein Olympia-Debütant. Die Qualifikation für den 23-jährigen Tiroler, der Vater eines sieben Monate alten Sohnes ist, war im starken ÖRV-Herrenteam alles andere als einfach. U.a. musste er ja auch gegen seinen Bruder Nico antreten. „Es war bis zum Schluss spannend. Ich bin froh, dass ich da bin, aber es war ein sehr fairer Konkurrenzkampf innerhalb des Teams. Auch die zwei, die zuhause geblieben sind, haben jeweils einen Stockerplatz gehabt.“

Gleirscher stellte Bahnrekord auf

David Gleirscher hatte im Vorjahr bei der Generalprobe Bahnrekord aufgestellt, der im Training dieser Tage inoffiziell gefallen ist. „Es war damit zu rechnen, dass er weg ist, weil die Bahn in einem sehr guten Zustand ist.“

Gleirscher ist wie auch Teamkollege Reinhard Egger Polizist. Von Geschwindigkeitslimits ist im Alpensia Sliding Centre allerdings nur in anderen Zusammenhängen die Rede. Denn die richtige Mischung aus „scharfer“ (bedeutet nicht so schneller) und „runder“ Kante (schnellerer) zu finden, ist eines der Geheimnisse dieses Sports.

Egger schwärmt von der Bahn

Egger jedenfalls gefällt die Bahn. „Sie liegt schön. Die Kurve 2 ist schon der erste Punkt, wo ein fataler Fehler passieren kann, denn es ist eine sehr offene Kurve, das heißt mit weniger Neigung, wodurch viele verschiedene Linien möglich sind“, erklärt Egger. Besonders in der Ausfahrt nach der Kurve 8 sei gutes Timing gefragt: „Da hat man innerhalb von 25 Metern bei 125 km/h vier Lenkeinsätze, die ca. auf 10 bis 15 cm stimmen sollten, das ist dann schon sehr sportlich.“

Egger, der als 8. bei den Spielen in Sotschi bester Österreicher gewesen ist, hofft auf eine Spitzenplatzierung. „Top 6 wäre das große Ziel, aber natürlich wäre der Wunsch Richtung Medaille. Das ist möglich, aber es muss alles passen.“

Lob vom Trainer

Cheftrainer Rene Friedl weiß, was er an seinen Burschen hat: „Wir haben ein sehr starkes Herren-Team hier am Start. Alle haben schon im Weltcup gezeigt, dass sie Top-Platzierungen einfahren können, auch in den Trainingskursen hier“, sagte der Deutsche und ergänzt, „Wolfgang Kindl zählt auch in diesem Jahr zur absoluten Top-Elite. Er ist sicher einer der stärksten Fahrer in der Bahn.“

Material-Chef Tobias Schiegl sieht die Schlitten sehr gut eingestellt für das harte Eis. Der frühere Doppelsitzer-Weltmeister kennt die Risken seines Sports. „Ziel jedes Rodlers ist es, die Bahn vom Start bis ins Ziel blind zu bewältigen. Man muss wissen, wo schaut man ein bisserl, wo nicht mehr.“ (APA)