Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 31.07.2018


Exklusiv

Michael Matt: Wenn der Bruder anruft, ist etwas falsch

Sommergespräche in Flirsch. Seit nunmehr 17 Jahren heißt der Gesprächspartner mit Nachnamen Matt – Mario (ab 2001), Andreas (2009) und aktuell Michael. Der will bei der kommenden WM in Aare Gold holen.

© gepaDie erfolgreiche Olympia-Familie Matt: Michael, Papa Hubert, Mario, Mama Hanni und Andreas.



Von Toni Zangerl

Flirsch – Damals 2001, als Mario Matt seine Sicht der Dinge im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung schilderte, da lauschte der achtjährige Michael den Worten seines weltmeisterlichen Bruders. Und ebenso 2009, als Andreas als Skicross-Weltmeister seine Bilanz zog. Die Erinnerung daran sorgt für Michael, Shooting-Star im ÖSV-Technikteam, für einen Lacher. Und: Zu lachen hat der 25-Jährige allemal. Silber und Bronze bei Olympia 2018 in Südkorea, in der Slalom-Weltrangliste an vierter Stelle und auf Augenhöhe mit Hirscher, Kristoffersen und Co.

Soeben ist er vom Rad gestiegen. Teil des täglichen Trainings, das ihn seit Mitte Mai wieder beschäftigt. Der Fokus liegt längst auf dem Winter mit der WM in Aare: „Klar, eine Medaille. Die Goldene ist mein Ziel.“

Zehn Einheiten pro Woche und ab 13. August dann das Training in Neuseeland sollen die Basis für kommende Erfolge sein. „Heuer hab’ ich bewusst zehn Tage länger Pause nach dem Winter gemacht. Olympia und das Drumherum danach waren schon sehr intensiv“, sagt „Michi“. Die Malediven und Schottland (zuhause bei Freundin Rebecca) waren Kraftplätze, um abzuschalten und aufzuladen.

Akku leer – das war für Michael Matt im vergangenen Winter nie der Fall. Auch nicht nach Kitzbühel, wo er „am liebsten in ein Loch gekrochen wäre“, nachdem er im zweiten Durchgang als „Geisterfahrer am Ganslerhang“ eine Haarnadel falsch ansteuerte. „Ich wollte voll andrücken, war nach dem ersten Lauf trotz Fehler nur drei Zehntel hinter dem Marcel. Da war das Ganze schon geschehen – und die vielen Zuseher irgendwo ein Grund, dass man ein wenig aus dem Konzept kommt“, gibt er zu. „Aber das ist eben eine Frage der Routine. Und die bekommst du auch durch solche Situationen.“

Was er daraus lernt, wie er damit umgeht, ist beeindruckend. „Ich versuche immer, das Positive daraus zu ziehen. Bewusst nachdenken und analysieren, was das Problem war. Dass ich selbst es in der Hand habe, es zu lösen. Ein Beispiel ist der Slalom in Levi. Ich kam top in Form dorthin, dann gab es dort ungewohnten Depot-Schnee. Bedingungen, die so vorher nicht im Training herrschten. Das muss man im Aug’ haben.“

Ausgezeichnet wie seine Brüder: Papa Hubert und Mama Hanni durften auch Sohn Michael Matt mit Olympia-Medaillen empfangen. Foto: Zangerl
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Die Materialabstimmung habe er mit seinem Team im Griff, sagt er. Rund 50 Paar Slalomski hat er auf Lager. Zusätzlich sollen die längeren Riesenslalomlatten heuer mehr angeschnallt werden. Die Allroundbasis, deshalb wolle er auch diese Disziplin fahren: „Schade ist nur, dass der letzte Slalom beim Weltcupfinale abgesagt wurde, ich daher die Möglichkeit, die 500 Punkte zu erreichen, nicht hatte. Damit hätte ich im RSL mit Nummer 31 starten können. Aber das wird schon. Der Riesentorlauf ist brutal wichtig, ich will da heuer unter die Top Dreißig“, sagte er zuversichtlich, ebenso klar weiß er auch: „Ich muss noch konstanter werden. Das war bislang mein Manko. Wenn du von zehn Rennen vier Nuller (Ausfälle) hast und am Ende der Saison trotzdem Vierter der Slalom-Wertung bist, dann weißt du, was zu tun ist.“ Tipps von Bruder Mario sind für Michael immer hilfreich. „Klar, er ist mein Vorbild. Wenn er mich nach dem ersten Lauf anruft, weiß ich, dass etwas nicht gepasst hat, und wir reden darüber. Wenn es gepasst hat, ruft er eh nicht an“, sagt er schmunzelnd.

Die Coolness seiner Brüder hat auch der Jüngste des Trios verinnerlicht. „Das haben wir mitbekommen, das liegt in unseren Genen“, lacht Michael. Und Mama Hanni korrigiert. „Nein, nein, das haben sie vom Papa. Obwohl – so tiefenentspannt ist der ja eigentlich auch nicht mehr.“

Körperlich ist der Slalomartist top drauf. Dafür sorgen Gerhard Außerlechner und Markus Hangl. „Der Gerhard ist ein Experte in Sachen Kraft, der Markus in Sachen Rumpf“, sagt Michael. Zweimal pro Woche wird so konsequent trainiert: „Unglaublich, welche Feinheiten und Details man da noch herauskitzeln kann.“ Eine weitere Erkenntnis hat der Jungstar ebenso parat: „Erfolg im Skirennsport bedeutet: 70 Prozent Kopf und 30 Prozent Skifahren – und das musst du im entscheidenden Moment mit maximaler Leistung abrufen. Das ist mir seit dem Moment klar, als ich in Levi 2017 gesehen habe, dass auch die Besten nervös sind, wenn sie vor einem entscheidenden Lauf stehen. Und dann erfolgreich sind.“ Sein Saisonziel heißt WM in Aare: „Gold wäre cool. Eine Medaille, wie schon gesagt. Schade ist nur, dass die rennmäßige Hangbefahrung beim Weltcupfinale nicht möglich war. Aber das bekomm’ ich hin.“

Derweil ist auch Western-Pleasure-Reiten angesagt. „Ein tolles Hobby. Wenn Pferde nur durch den leichten Druck deiner Füße reagieren, ist das fast so, wie wenn Schuh und Ski perfekten Schwung durchs Tor ermöglichen.“