Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 04.10.2018


Skispringen

Im heimischen Adlerhorst brechen neue Zeiten an

Bei der Skispringer-Auslese um Weltcupstartplätze spielen zwei Tiroler eine Hauptrolle: Philipp Aschenwald verdrängte vorerst Manuel Fettner.

© gepaÖSV-Skisprungtrainer Andreas Felder blickt dem Weltcupstart ab 16. November in Wisla (POL) entgegen.



Von Benjamin Kiechl

Innsbruck — Der Sommer ist nun auch im Skisprung-Lager offiziell beendet, das Gerangel um die Winter-Startplätze beginnt. Nach der gestrigen Absage des Sommer-Grand-Prix-Finales in Klingenthal (GER) wegen starker Windböen sind die ÖSV-Adler bereits heiß auf den Weltcup-Start ab 16. November im polnischen Wisla. „Wir wollen den Schwung aus dem Sommer-Grand-Prix mitnehmen", sagt Cheftrainer Andreas Felder, quasi der Ober-Adler im Team, und freut sich über die Leistungssteigerung seiner Mannschaft beim Heimspringen in Hinzenbach. „Das waren sehr erfrischende Ergebnisse", sagt der Absamer und hofft nach schlechten Zeiten auf eine Trendwende.

Richtig gut ins Fliegen gekommen ist Hinzenbach-Sieger Daniel Huber, der auch die Sommer-Gesamtwertung als bester Österreicher auf Rang fünf abschloss. Neben dem Salzburger will sich der Tiroler Philipp Aschenwald für Weltcup-Einsätze empfehlen. Der 22-jährige Zillertaler konnte beim Continentalcup in Stams sogar Doppel-Weltmeister Stefan Kraft hinter sich lassen. Das alles zeigt: Im ÖSV-Adlerhorst brechen neue Zeiten an.

Fettner sucht das richtige Setup

In Klingenthal ersetzte Senkrechtstarter Aschenwald Manuel Fettner (33). „Er hat sich aufgedrängt", begründet Felder und verweist darauf, dass der Innsbrucker Routinier Fettner noch nicht das richtige Setup (Ski, Bindung, Skischuh) für die neue Saison gefunden habe: „Ich hoffe, dass er das noch hinbekommt!" Die Auslese um die sieben Weltcup-Startplätze ist voll entbrannt.

Nicht jeder Springer komme mit den Umstellungen und Neuerungen gleich gut zurecht, weiß Cheftrainer Felder. „Wir müssen uns von alten Sachen trennen, die vor fünf Jahren noch gut funktioniert haben", skizziert der Tiroler eine „andere Zeit" im Skispringen. Neu sei nicht nur die Tendenz weg vom V-Stil, hin zum H-Sprung, sondern auch das FIS-Reglement: Die Athleten müssen neuerdings ohne Skischuhe zur Abwaage. Dadurch seien die Skilängen um bis zu zehn Zentimeter kürzer geworden.

Sommer-Grand-Prix der Herren

Endstand nach neun Bewerben: 1. Jewgenij Klimow (RUS) 555 Punkte; 2. Karl Geiger (GER) 416; 3. Piotr Zyla (POL) 382; 4. Kamil Stoch (POL) 376; 5. Daniel Huber 305.
Weiters: 21. Kraft 94; 22. Kofler 88; 25. Aigner 78; 29. Schlierenzauer 66; 37. Fettner 48; 39. Hayböck 47 (alle AUT).

Eine kleine Umstellung habe große Auswirkungen, skizziert Felder. Der begeisterte Tourengeher nimmt Anleihe bei den Alpinen: „Wenn der Skiradius verändert wird, kann man den Schwung auch nicht mehr gleich ansetzen wie vorher." Auffällig sei, dass eingesessene, erfolgreiche Springer mit den Neuerungen mehr zu kämpfen hätten als junge, unbedarfte Springer.

Ein Beispiel sei Andreas Kofler, der akribisch an seinem Comeback arbeitet. „Sein großes Ziel ist, bei der WM in Seefeld dabei zu sein. Es wäre zu wünschen, dass er den Anschluss findet", weiß Felder, dass beim Vize-Olympiasieger und Tourneesieger derzeit nicht alles rundläuft.

Die Marschroute bis zum Weltcup-Start steht fest. Neben der Skisprung-Staatsmeisterschaft in Bischofs­hofen und Windkanal-Tests in Wien geht es Anfang November nach Skandinavien. Felder zieht sein Team in Falun (SWE) für das erste Schneetraining zusammen. Der WM-Ort 2015 garantiert eine präparierte Schanze: „Schneesprünge sind ganz wichtig, damit wir für den Saisonstart gewappnet sind", erklärt Felder, der am Trainerturm allerdings nicht alleine sein wird. „Alle Top-Nationen wollen natürlich diese Gelegenheit nützen und in Falun trainieren."