Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.11.2018


Nordische Kombination

ÖSV-Kombinierer sind mit Hirnschmalz heiß auf Heim-WM

Langfristig blicken die ÖSV-Kombinierer mit Neurocoach Marc Nölke auf die Heim-WM in Seefeld, kurzfristig geht es um Plätze für den Weltcup-Auftakt.

© gepaDer Tiroler ÖSV-Kombinierer David Pommer (vorne) muss sich im ÖSV-internen Duell u.?a. gegen Philipp Orter (hinten) durchsetzen.



Von Benjamin Kiechl

Seefeld – Der Countdown in der Seefelder Fußgängerzone zählt unaufhörlich die Tage bis zum Beginn der Nordischen Ski-WM am 19. Februar 2019. Nur noch etwas über 100-mal schlafen heißt es für die ÖSV-Kombinierer, die Vorfreude sei schon jetzt enorm.

Marc Nölke.
- gepa

„Eine Heim-WM direkt vor der Haustür erlebe ich genau einmal im Leben. Das motiviert mich extrem“, erklärte der Inzinger David Pommer, der wie die weiteren Tiroler Willi Denifl und Lukas Greiderer beim Saison-Höhepunkt dabei sein will. In den vergangenen Tagen verschaffte sich das ÖSV-Team unter Cheftrainer Christoph Eugen einen Überblick im WM-Ort und genoss die Ruhe vor dem Sturm. Neben Sprüngen auf der Eisspur am Bergisel und in Stams wurde die neue Rollerstrecke in Seefeld getestet.

Um im Hinblick auf die WM noch die letzten Reserven herauszukitzeln, setzen die ÖSV-Kombinierer neuerdings auf Neurocoach Marc Nölke. Der deutsche Ex-Skispringer, der vor rund zehn Jahren die ÖSV-Adler in ihrer erfolgreichsten Zeit begleitete, geht individuell auf die Bedürfnisse der Athleten ein. „Es geht darum, sich effektiv, genau und präzise zu bewegen. Man weiß, dass das Gehirn alles steuert, nur niemand trainiert es gezielt“, erklärte der 45-Jährige. Mit einem auf jeden Athleten abgestimmten Trainingsprogramm wolle er das Hirnschmalz aktivieren. Sommer-Grand-Prix-Sieger Mario Seidl will durch das Coaching sein Potenzial weiter heben und setzt zum Aufwärmen auf Augenübungen. „Wenn beim Springen die Kante mit 90 km/h auf dich zukommt, muss man fokussiert sein!“, bekräftigte der Salzburger.

Routinier Willi Denifl indes bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Der 38-jährige Stubaier hat sein Setup für die neue Saison beisammen: „Ich kenne die Loipen und die Schanzen, da kann mir nichts passieren.“ Der Absamer Lukas Greiderer (25), der erstmals die Saisonvorbereitung im Nationalteam absolvierte, hat sich dank Extra-Training mit Sprungcoach Christoph Bieler auf der Schanze weiter verbessert und setzt zudem auf einen neuen Skihersteller. Der Inzinger David Pommer (25) hat mit dem Olympiazentrum Innsbruck eine neue Trainingsbasis gefunden. Tipps holt er sich dort auch von Skisprung-Star Gregor Schlierenzauer.

Bevor die WM-Saison ab 23. November in Ruka (FIN) beginnen kann, müssen sich die Tiroler nächste Woche in einem Testwettkampf in Rovaniemi empfehlen. Denn es gibt für die acht ÖSV-Athleten nur sechs Startplätze.