Letztes Update am Do, 22.11.2018 17:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rodeln

Rodel-Präsident Prock im Interview: „Olympia machte sich bezahlt“

Im Juni, unmittelbar nach den so erfolgreichen Winterspielen (3 Medaillen), wurde Markus Prock (54) Präsident des Österreichischen Rodelverbands. Vor dem Weltcup-Auftakt in Igls zieht die Stubaier Sport-Legende Bilanz.

© gepaRodel-Präsident Markus Prock (l.) mit seiner Tochter Hannah während der Olympischen Winterspiele. Dass er vom Fach ist, hilft dem Stubaier.



Wie erlebten Sie die ersten Monate Ihrer Präsidentschaft im Österreichischen Rodelverband?

Markus Prock: Seit sechs, sieben Jahren kämpfen wir um die Bahn in Bludenz, um ein zweites Rodelzentrum. Der Spatenstich erfolgte, die Rodungsarbeiten begannen. In dieser GmbH ist der Verband zu 87 Prozent Gesellschafter, ich bin Geschäftsführer – eine Mordsaufgabe.

Bewältigen Sie diese größtenteils allein?

Prock: Mit dem Sellrainer Helmut Ruetz haben wir einen neuen Generalsekretä­r, einen Ex-Weltmeister im Naturbahn-Doppelsitzer mit seinem Bruder Andreas. Helmu­t ist Architekt, Andreas Jurist – eine große Hilfe.

Rodeln und Radeln, das passte bei der jüngsten Straßenrad-WM in Tirol offensichtlich zusammen.

Prock: Wir haben am Streckenrand neben der Bobbahn mit einigen Vereinen gemeinsam ein Buffet organisiert und Geld für den Nachwuchs reingebracht. Ein großer Erfolg: 1000 Paar Würstl waren um 13.30 Uhr weg, danach schenkten wir Gulaschsuppe aus. Die Stimmung war hervorragend!

Geld erhoffte man sich heuer im Frühjahr auch nach den drei Olympiamedaillen in Pyeongchang (KOR).

Prock: Von der neuen Regierung bekamen wir das bereits für ein Pilotprojekt am Material­sektor. Ein Technologiezentrum West für olympische Wintersportverbände steht im Raum, man will in Innsbruck etwas bauen. Die erste Phase wurde vom Sportminister unkonventionel­l umgesetzt, der Skiverband und wir Rodler waren tonangebend.

Ein Muss, wenn man international reüssieren will?

Prock: Eine tolle Sache und richtungsweisend, denn andere Länder wie Deutschland, Russland, Kanada oder die USA betreiben diese Forschung schon lange, dort steckt viel Geld drin.

Eine Folge der heuer so erfolgreichen Olympischen Winterspiele in Südkorea?

Prock: Unsere Medaillen haben sich bezahlt gemacht, jetzt redet es sich bei Sitzungen oder potenziellen Geldgebern leichter.

Ihr Wunsch, das Budget auszubauen, ging also in Erfüllung.

Prock: Das wurde ausgebaut. Und es gibt Vorgespräche, dass noch ein bisschen was dazukommt.

Verschaffte der Erfolg auch auf anderer Ebene Rückenwind?

Prock: Es herrscht Aufbruchsstimmung. Wir haben einen Olympiasieger (David Gleirscher) und Weltmeister (Wolfgang Kindl) in unseren Reihen, das haben nicht viele. Zu einem Tag der offenen Tür kamen am Wochenende 59 Kinder und Jugendliche, es rührt sich was. Es ist was da, wir sind auf einem guten Weg – genauso auf der Naturbahn. Das Kühtai will mit dem Tourismusverband eine Bahn bauen, auf der man vielleicht schon im Oktober

November trainieren kann.

Wie sieht es mit der Infrastruktur neben Bludenz und Igls aus?

Prock: Wir brauchen eine neue Startbahn, die alte Anlage in Innsbruck entspricht nicht mehr den Anforderungen. Nahe dem Tivoli-Stadion wäre ein guter Platz, Gespräche mit Landes- und Stadtpolitik verliefen positiv.

Der Kunstbahn-Weltcup in Igls steht vor der Tür. Was erwarten Sie sportlich?

Prock: Wir denken im olympischen Zyklus: Ende Jänner findet die WM in Winterberg statt, dann folgen Sotschi, Calgary und eben die Winterspiele in Peking. Wir haben sechs starke Herren, mit Armin Frauscher muss beim Auftakt in Igls sogar einer mit Weltcup-Podium zuschauen. Mit Thomas Steu/Lorenz Koller kommt im Doppelsitzer ein weiteres Top-Team hinzu. Die Burschen haben von unseren Olympia-Silbernen Penz/Fischler, die super in ihr­e neue Rolle als Trainer reingewachsen sind, das Material übernommen.

Die Damen waren stets ein Sorgenkind.

Prock: Man muss Geduld haben, aber bis Olympia 2022 gaben wir als Ziel aus: in allen vier Disziplinen Chancen auf eine Medaille. Auf der Naturbahn gilt dasselbe: Wir wollen volle Mannschaften und mehr Dichte.

Der Weltcup in Igls fordert den Verband nicht nur sportlich, sondern auch organisatorisch.

Prock: Rodeln hat es in Innsbruck nicht einfach, auch wenn wir uns mit Kinder- und Rahmenprogramm bemühen. Aber wir wollen bis zum kommenden Jahr einen Marketingbeirat installieren, der zur Vermarktung des Sports beitragen soll.

Das Gespräch führte Florian Madl