Letztes Update am Do, 29.11.2018 16:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Skeleton

Neuer Schlitten, neue Umgebung, aber alte Ziele bei Flock

Zwei Rennen, zwei Siege: Für Skeleton-Ass Flock läuft es sehr gut. Trainer und Freund Guggenberger drückt auf die Euphoriebremse.

© Thomas BöhmEine gute Figur gaben die Schüler der NMS Zirl beim Trockentraining mit Skeleton-Aushängeschild Janine Flock (l.) ab.



Von Daniel Suckert

Innsbruck – Die Kinderaugen strahlten, die Fragen der Schüler wollten an diesem Mittwochvormittag gar nicht enden in der NMS in Zirl. Verständlicherweise. Schließlich ist ein Besuch einer Skeleton-Fahrerin nicht alltäglich. Und Janine Flock, ihres Zeichens Olympiavierte, nahm sich zusammen mit Trainer Matthias Guggenberger und Reinhard Poller (Geschäftsführer ÖBSV) dementsprechend viel Zeit. Doch es gab auch sonst einiges zu erzählen.

Nichts ist mehr, wie es einmal war im Leben der Janine Flock. Die Rumerin hat nach den unglücklichen Olympischen Spielen in Südkorea, bei denen sie vor dem letzten Lauf auf Goldkurs war, einiges umgestellt. Und dadurch viel neue Motivation gefunden: „Irgendwie hatte ich das Gefühl, mit Olympia noch eine Rechnung offen zu haben“, sinnierte die Heeressportlerin bei ihrem Schulbesuch. „Und als Matthias (Guggenberger, Anm.) sich entschloss, seine aktive Karriere zu beenden und Trainer zu werden, war das für mich der letzte nötige Impuls.“

Projekt „Peking 2022“ angenommen

Voll motiviert hat die Gesamtweltcup-Siegerin der Saison 2014/15 das Projekt „Peking 2022“ angenommen. Parallel haben sich zwei elementare Dinge geändert: Seit heuer gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit dem belgischen Team, bei dem Lebenspartner Guggenberger das Sagen hat, und da ist ein neuer Schlitten, den der Innsbrucker zusammen mit Clemens Berauer gebaut hat. Flock: „Ich habe nun das nötige vertraute Umfeld und die Zusammenarbeit mit den Belgiern ist sehr angenehm. Da befruchtet man sich gegenseitig.“

Das bestätigt auch ihr „Guggi“, der sich durch die beiden Flock-Siege bei den zwei Intercontinental-Rennen (Igls, Winterberg) bestätigt sieht, zugleich vor zu großer Euphorie warnt: „Wir sind auf einem guten Weg, aber noch nicht zu euphorisch. Aber nur mit dem neuen Schlitten können wir konkurrenzfähig sein. Wir haben in den letzten vier Jahren 100.000 Euro investiert. Erfolgsgarantie gibt es aber keine. Man kann es so sehen: Wir haben einen VW Golf, auf dem wir aufbauen. Die härteste Konkurrenz baut jedoch auf BMW und McLaren.“

Privat und sportlich ein Paar: Matthias Guggenberger und Janine Flock.
- Thomas Böhm

Besonders die Briten sind, was das Material und die personellen Möglichkeiten betrifft, klar überlegen. Guggenberger: „Da stehen 18 Mitarbeiter für vier Athleten parat. Das ist eine andere Welt.“

Eine, die man nur mit gebündelten Kräften angreifen kann. Darum die Kooperation zwischen dem belgischen und rotweißroten Lager. Zurück geht das übrigens auf Martin Rettl – der Olympiazweite von Salt Lake City (2002) hat das forciert.

Auch der neue Geschäftsführer des Österreichischen Bob- und Skeleton-Verbands (ÖBSV), Reinhard Poller, hat den Schritt von Flock und Guggenberger begrüßt. Was das angeschlagene Image des eigenen Verbands betrifft, erklärte Poller: „Wir haben noch Schulden, konnten diese aber mit straffem Sparkurs reduzieren. Wir wollen aber nicht mehr, dass die Athleten davon betroffen sind.“ Dass sich die Schüler in Zirl beim Turnunterricht für das Trockentraining so begeistern ließen, erfreute den Geschäftsführer zusätzlich: „Wir brauchen einen guten Nachwuchs.“

Und warum sollte der Skeleton-Fahrer von morgen nicht heute in Zirl zur Schule gehen? Flock: „Genauso bin ich zu meinem Sport gekommen. Die waren an unserer Schule zu Besuch und nach der ersten Fahrt war ich Feuer und Flamme.“

Apropos Feuer und Flamme – die neue Trainer-Athleten-Beziehung schadet dem Paar Flock/Guggenberger nicht. Die Professionalität stehe, laut Guggenberger, klar im Vordergrund und „wir trennen Berufliches und Privates. Das war schon immer so und hat auch meistens gut funktioniert. Auch wenn sich nicht immer alles ausblenden lässt.“

Keine Änderung gab es hingegen bei dem Entschluss, den Weltcup-Auftakt in Sigulda (9. Dezember) auszulassen. Die zweifache Europameisterin hat aufgrund ihrer Rückenprobleme erst später mit dem Training beginnen können. Der Rückstand wird bis Winterberg (14. Dezember) kompensiert sein. Daraus ergab sich ein positiver Nebeneffekt: „Die beiden Intercontinental-Rennen haben gute neue Daten geliefert“, ließ sich Flock ein wenig in die Karten blicken, während Guggenberger ergänzte: „Alles haben wir aber noch gar nicht gezeigt.“