Letztes Update am Fr, 30.11.2018 11:52

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Biathlon

Internationale Biathlon-Union kämpft um ihre Glaubwürdigkeit

Biathlon steckt wegen eines Doping- und Korruptionsskandals in der Krise. Ein Neustart soll die Wende bringen. Neo-Präsident Dahlin fehlt beim Auftakt.

© gepaSymbolbild.



Pokljuka – Der neue Präsident des krisengeschüttelten Biathlon-Weltverbandes IBU wäre beim Saison-Auftakt am Sonntag ein gefragter Mann gewesen. Doch Olle Dahlin musste nach einem Beinbruch und anschließender Operation seine Reise nach Pokljuka absagen. Dabei ist der interne Doping- und Korruptionsskandal genauso wenig aufgeklärt wie der Dopingskandal um Russland.

Und mit den vor einer Woche suspendierten neun Kasachen steht unmittelbar vor dem Saisonstart das nächste Ungemach ins Haus. Ausführliche Stellungnahmen von Dahlin zu den aktuellen Entwicklungen wird es wohl erst Mitte Dezember in Hochfilzen geben. Denn zur zweiten Weltcupstation in Tirol möchte er anreisen, teilte die IBU diese Woche mit.

Dopingsünder gedeckt?

Der im September gewählte Dahlin soll die in Salzburg ansässige IBU aus ihrer schwersten Krise führen. Unter Ex-Präsident Anders Besseberg, der 25 Jahre im Amt war und alle Vorwürfe bestreitet, sollen möglicherweise neben Bestechungsgeldern für die WM-Vergabe an das russische Tjumen 2016 auch russische Dopingsünder gedeckt und 65 Doping-Proben vertuscht worden sein. Seit Ende 2017 ermittelt die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft.

Dahlin war in den vergangenen vier Jahren unter Besseberg Vize-Präsident, trat dabei jedoch nicht als Aufklärer und Reformer in Erscheinung. Bei seiner Wahl versprach er aber Transparenz und einen harten Anti-Doping-Kampf. Zumal im Juni das Internationale Olympische Komitee (IOC) vorübergehend alle Zahlungen an die IBU eingestellt hatte. Die IBU arbeitet nun mit der International Testing Agency zusammen. Die eigene Krise um Korruption und Dopingvertuschung soll eine unabhängige externe Kommission unter der Führung des britischen Anwalts Jonathan Taylor aufarbeiten. Außerdem wurde dem Athletenkomitee ein Sitz im IBU-Exekutivkomitee und damit mehr Mitsprache zuerkannt.

Bei der Causa Russland stellt der Weltverband jedenfalls hohe Hürden. Der russische Verband RBU muss für eine Rückkehr als vollwertiges IBU-Mitglied zwölf strenge Kriterien erfüllen. Zudem werden bis mindestens 2022 keine Biathlon-Wettkämpfe in Russland stattfinden. Kurz vor dem IBU-Kongress im September waren neben den Olympiasiegern Jewgeni Ustjugow und Swetlana Slepzowa noch zwei weitere Russen wegen des Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln beschuldigt worden. (APA/dpa)