Letztes Update am Fr, 04.01.2019 08:53

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vierschanzentournee

Gründe für die ÖSV-Krise: Probleme erkannt, aber zu spät reagiert

Bei Ex-ÖSV-Cheftrainer Mika Kojonkoski klingelten bezüglich der österreichischen Entwicklung schon vor vier Jahren die Alarmglocken. Die Vorhersage des Finnen trat ein, Konsequenzen wurden jetzt gezogen.

Sportlich zogen zuletzt Wolken über dem ÖSV auf. Es wird noch einige Zeit und harte Arbeit brauchen, bis sportlich wieder die Sonne scheint.

© APASportlich zogen zuletzt Wolken über dem ÖSV auf. Es wird noch einige Zeit und harte Arbeit brauchen, bis sportlich wieder die Sonne scheint.



Von Susann Frank

Innsbruck – Warum spielen die österreichischen Skispringer seit drei Vierschanzentourneen keine Rolle mehr im Kampf um den Gesamtsieg? Was ist nach der Zeit der Dominanz passiert, in der sie den Rekord von sieben Siegen in Folge aufgestellt hatten? Eine Bestandsaufnahme.

Wissenstransfer: Es war die WM 2015 (!) in Falun (SWE), als Mika Kojonkoski den Österreichern schwere Zeiten vorausgesagt hatte: „Euch könnte dasselbe Schicksal wie uns Finnen drohen.“ Mit Argwohn hatte der ehemalige ÖSV-Cheftrainer beobachtet, wie die besten Trainer von der Konkurrenz engagiert wurden. Früher war sein Heimatland die dominierende Nation. Mit dem Ausschwirren der Coaches in alle Skisprung-Länder stürzte die Finn-Air ab und kam bisher nicht mehr auf die Füße. „Wir haben viel Know-how ins Ausland verloren“, erklärte auch Mario Stecher.

Umstrukturierung: Mit Stecher als Sportlichem Leiter nordisch und Andreas Felder als Cheftrainer setzt der Österreichische Ski-Verband seit dem Frühjahr auf ein neues Führungs-Duo, das neuen Wind reinbringt. Stecher ruft vierteljährlich sämtliche Trainer – Kombinierer und Skispringer – zusammen, um einen gemeinsamen Weg zu beschreiten. Dieser musste jedoch gefunden werden und um ihn erfolgreich zu verfolgen, wird es Zeit brauchen. Ebenso wie sich die erforderliche Automatisierung der Technik-Adaptierung von Felder entwickeln muss.

Material: Dass die Konkurrenz unseren Neuerungen hinterherlief, ist Geschichte. In der Neuzeit wurde den ÖSV-Adlern durch Material-Reglementierungen des Internationalen Ski-Verbandes FIS die Flügel gestutzt. „Den Material-Vorteil von früher haben wir auch nicht mehr“, erklärte Stecher. Nachdem sich das Blatt gewendet hat, sticht als Ass jetzt eine saubere Technik, und da sind uns Nationen wie Deutschland und Japan voraus. Die Asiaten hatten zudem zuvor nie die Entwicklungsmöglichkeiten der führenden Nationen.

Nachwuchs: „Da ist definitiv eine Lücke da“, betonte Stecher. Das ehemalige Kombinierer-Ass kennt die Problematik aus seinem Lager. Bei den Skispringern führt er die Dominanz der „Superadler“ an und das Lehr-System bei den Jüngsten. Weichen zur Änderung wurden und werden gestellt. Auch hier braucht es Geduld. Stecher hofft auf Junge wie David Haagen. Der 16-jährige Stams-Schüler scheiterte gestern allerdings an der Qualifikation.

Schanzen: Seit Jahren ein Thema: die Infrastruktur, Großschanzen für kontinuierliches Wintertraining zu finden ist nicht einfach. Sinnbildlich könnte zudem die Schanzenanlage in Natters stehen, Heimschanze von Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer. Der Umbau des in die Jahre gekommenen Talenteschuppens zieht sich.