Letztes Update am Di, 15.01.2019 08:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Erneut lange Pause für Brunner: „Wir bewegen uns alle am Limit“

Drei Tage nach ihrer schweren Knieverletzung spricht Tirols Vorzeige-Technikerin Stephanie Brunner (24) über Zweifel, Ehrgeiz und sechs Monate Ski-Pause.

Nach dem erneuten Verletzungsschock blickt Brunner bereits kämpferisch in die Zukunft.

© gepaNach dem erneuten Verletzungsschock blickt Brunner bereits kämpferisch in die Zukunft.



Frau Brunner, wie geht es Ihnen nach dem Trainingssturz am Freitag (Kreuzband- und Meniskusriss im linken Knie, Anm.) und der Operation am Samstag?

Stephanie Brunner: Ganz gut. Ich bin am Montag aus der Klinik (Privatklinik Hochrum bei Christian Fink, Anm.) entlassen worden. Auf der rechten Seite wurde mir eine Sehne rausgenommen, das macht noch ein wenig Probleme. Aber das sollte in ein paar Tagen passen. Die Operation ist gut verlaufen, jetzt warten etwa sechs Monate Ski-Pause.

Für Sie war es nach derselben Verletzung im März 2018 der zweite Rückschlag binnen kurzer Zeit. Wie gehen Sie damit um?

Brunner: Ich dachte mir nach dem Sturz (Pozza di Fassa/ITA, Anm.) im ersten Moment nicht, dass ich mir das Kreuzband gerissen habe. Das war ein Schock. Aber es bringt nichts, ich muss die sechs Monate Pause jetzt so gut wie möglich nutzen. Dann kann ich durchstarten.

Sie waren in der bisher besten Form ihres Lebens, holten Ihren ersten Podestplatz im Riesentorlauf und waren mehrmals auf Siegkurs ...

Brunner: Ich will dieses gute Gefühl für meinen ersten Trainingstag in etwa sechs Monaten behalten (lacht). Es bleibt mir in guter Erinnerung, dass ich so stark gefahren bin. Nun muss ich mich aber aufs Gesundwerden konzentrieren.

Wie sehr trauern Sie der WM in Aare im Februar nach?

Brunner: Ich bin ja noch jung, fahre hoffentlich noch ein paar WMs. Verletzungen gehören zu unserem Sport dazu. Da kann ich jetzt nicht allem nachweinen.

Momentan gehören Verletzungen sogar sehr zum Damen-Skisport: Christine Scheyer, Katharina Gallhuber sind Beispiele aus Österreich, dann ein Tag nach Ihnen die schwere Knieverletzung von Anna Veith. Wieso passiert so viel?

Brunner: Wir bewegen uns alle am Limit. Man will vom Material und vom Körper her alles ausreizen. Manchmal passieren die Verletzungen sogar ohne Stürze. Natürlich läuft alles dann oft auch immer ein bisschen blöd.

Ist der Skisport schon zu sehr am Limit?

Brunner: Ein schwieriges Thema. Jeder will sein Bestes geben, deshalb passieren ja so viele Verletzungen. Das Material spielt dabei auch eine Rolle, das entwickelt sich immer weiter. Aber wenn wir den Sport machen wollen, müssen wir in Kauf nehmen, dass Verletzungen passieren.

Es wurden schon oft Stimmen laut, wonach die FIS (Ski-Weltverband, Anm.)die Ausreizung des Materials regulieren könnte.

Brunner: Dann geht alles wieder in die andere Richtung, die Rennen sehen nicht mehr so attraktiv und spannend aus. Die Frage ist: Was will man eigentlich? Will man jetzt alle Entwicklungen rückgängig machen? Ich bin im Zwiespalt, was das Richtige ist.

War der Plan, Slalom und Super-G wieder zum Riesentorlauf ins Programm zu nehmen, zu übereilt?

Brunner: Nein, sicher nicht. Wir haben uns Schritt für Schritt zurückgearbeitet. Ich habe mich auch im Training nicht überpowert, bin am Boden geblieben, weil ich wusste, dass ich von einer Verletzung zurückgekommen bin.

Wie sehen nun die nächsten Monate bei Ihnen aus?

Brunner: Eh gleich wie bei der letzten Verletzung 2018. Ich werde im Olympiazentrum Innsbruck arbeiten, die Physiotherapie machen. Das hat alles gut funktioniert, das werden wir beibehalten.

Damals lief ja alles sehr gut (Rückkehr mit Rang fünf im Riesentorlauf von Sölden mit nur wenigen Trainingstagen, Anm.) ...

Brunner: Ja, das stimmt. Das wird schon wieder. Da mache ich mir keine Sorgen.

Das Gespräch führte Roman Stelzl