Letztes Update am So, 20.01.2019 15:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Vonn sprach unter Tränen von Rücktritt: „Schmerzen zu groß“

Der Super-G in Cortina d‘Ampezzo war das vielleicht letzte Rennen von Lindsey Vonn. Die Schmerzen in den lädierten Knien sind zu groß.

Lindsey Vonn ließ ihren Emotionen freien Lauf.

© gepaLindsey Vonn ließ ihren Emotionen freien Lauf.



Cortina d‘Ampezzo – Ski-Star Lindsey Vonn steht unmittelbar vor dem Karriereende. Die 34-Jährige erklärte nach ihrem Ausfall im Super-G von Cortina d‘Ampezzo am Sonntag, in den Dolomiten vielleicht ihr letztes Rennen bestritten zu haben. „Ich wollte nicht aufhören, aber ich kann nicht weiter“, meinte die mit Knieproblemen bediente Vonn im ORF-Interview. „Es wird schwierig. Die Schmerzen sind zu groß.“

Auf die Nachfrage, ob es vielleicht ihr letztes Rennen gewesen sein könnte, meinte die US-Amerikanerin mit tränenerstickter Stimme auf Englisch: „Ja, ich glaube.“ Sie müsse aber noch darüber nachdenken. „Ich kann nicht gehen mit 50 oder 40. Ich muss wirklich alles überlegen und schauen.“ In Cortina, wo Vonn in ihrer Karriere zwölf Siege bejubeln durfte, hatte sie sich nach einer Verletzungspause erst an diesem Wochenende zum wiederholten Mal im Weltcup zurückgemeldet.

Das große Ziel Stenmark-Rekord bleibt unerreicht

Bei einem Trainingssturz hatte sich die Siegerin von 82 Weltcup-Rennen im vergangenen Jahr erneut eine Bänderverletzung zugezogen. Mehrmals war ihre beeindruckende Laufbahn durch Kreuzbandrisse und Knochenverletzungen unterbrochen worden, nun im Karriere-Finish häuften sich die verletzungsbedingten Auszeiten. Das erschwerte das letzte große Ziel von Vonn, die den Rekord des Schweden Ingemar Stenmark, der 86 Weltcup-Siege erreicht hat, unbedingt noch brechen wollte.

In den beiden Comeback-Abfahrten am Freitag und Samstag lief es für die Athletin aus Minnesota nicht nach Wunsch. Unter großen Schmerzen, wie sie betonte, belegte sie die Plätze 15 und neun. Sie habe auf der Tofana, einer ihrer Lieblingspisten, nie voll attackieren können. Auch am Sonntag im Super-G nicht, den ihr Trainer, der Salzburger Alexander Hödlmoser, gesteckt hatte.

Körper wird zum Spielverderber

„Mein Körper hindert mich, das zu tun, was ich möchte“, teilte Vonn am Sonntag gegenüber Journalisten mit. „Ich bin nicht mehr in der Lage, so zu fahren, wie ich es will und kann. Ich weiß wirklich nicht, was ich im Moment tun soll.“ Am kommenden Wochenende stehen in Garmisch-Partenkirchen noch eine Abfahrt und ein Super-G an. Danach ist für die Speed-Athletinnen schon die alpine Ski-WM in Aare der nächste Programmpunkt. „Ich bin nicht sicher, ob ich in Garmisch sein werde“, sagte Vonn. Sie werde in den kommenden Tagen „einige harte Entscheidungen“ treffen müssen.

Eigentlich hatte Vonn angekündigt, die laufende Saison noch zu Ende fahren zu wollen. Ende November 2019 wollte sie zum Abschluss ihrer Karriere noch drei Starts im kanadischen Lake Louise absolvieren, wo sie sogar 18 Siege feiern konnte. „Es sind nicht fehlende Motivation, fehlendes Verlangen, fehlender Wille, sondern fehlende Knorpel. Mein Körper hält das nicht länger aus“, meinte Vonn unter der Woche in Cortina. „Ich muss aufhören, um nicht große Probleme zu haben, wenn ich älter bin.“ (APA)