Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.02.2019


Aare 2019

Hargin nach Lawinendrama: „Für mich hat sich alles verändert“

Bei einem Lawinenunglück verlor WM-Lokalmatador und Kitzbühelsieger Mattias Hargin 2016 seine Frau. Heute will sich der 33-Jährige in Schweden seine Karriere im Teambewerb vergolden.

2015 gewann Hargin den Kitzbühel-Slalom.

© gepa2015 gewann Hargin den Kitzbühel-Slalom.



Aus Aare: Roman Stelzl

Aare – Zwischen dem schönsten Tag im Leben des Mattias Hargin und dem schlimmsten liegen zwölf Wochen. Nicht einmal drei Monate. Ende April 2016 steht der schwedische Ski-Star im Schweizer Engelberg. Es regnet, aber das Strahlen des Kitzbühel-Slalomsiegers von 2015 kann das ebenso wenig trüben wie jenes von Matilda Rapaport, die Hargin das Jawort gibt. Es ist eine private Feier, später werden die beiden Schweden Bilder auf Instagram teilen. Sie zeigen die Profi-Freeskierin und den Skirennläufer. Rapaport, ganz in Weiß, Hargin im vornehmen schwarzen Anzug. Sie lachen.

Am 18. Juli desselben Jahres sitzt Hargin im Krankenhaus von Santiago de Chile am Bett seiner Ehefrau. Die 30-Jährige liegt zu dieser Zeit seit vier Tagen im Koma. Bei Dreharbeiten für den Trailer des Freeride-Computerspiels „Steep“ löste sich ein Schneebrett, die frühere Freeride-World-Tour-Siegerin wird unter den Schneemassen begraben. Es dauert 30 Minuten, bis Rapaport gefunden wird. Zu lange. Mattias Hargin fliegt mit seiner Schwiegermutter sofort nach Chile. Doch die Ärzte können nichts mehr tun, die Sauerstoff-Zufuhr war zu lange unterbrochen. Später, im Herbst, wird Hargin alles mit seiner Mentaltrainerin aufgearbeitet haben. Er wird sagen, alles sei „Chaos und ein Riesenschock“ gewesen. „Wir haben so viel geteilt, vor allem die Liebe zum Skifahren. Deshalb habe ich begriffen, dass es richtig ist, weiterzufahren.“

Fast drei Saisonen und 34 Weltcup-Rennen später steht der 33-Jährige heute (16 Uhr, live ORF eins) bei seiner ersten Heim-WM im Teambewerb am Start. An seinen Kitzbühelsieg von 2015 konnte er nie wieder anknüpfen. Ein dritter Rang im Slalom von Levi 2017, dazu WM-Bronze im Team – ansonsten blieb der sympathische Schwede hinter seinen Möglichkeiten.

2016 verlor er seine Frau Matilda Rapaport.
2016 verlor er seine Frau Matilda Rapaport.
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„Es ist schwierig zu sagen, woran das liegt. Nach Kitzbühel dachte ich, dass ich wieder mehr Rennen gewinnen würde. Aber es sollte nicht mehr sein“, erklärt Hargin. Und als die Rede auf diesen verhängnisvollen Sommer 2016 kommt, ergänzte der Lokalmatador mit einiger Distanz: „Es war für mich ganz schwierig, danach wieder zurückkommen. Ich habe alles probiert, habe hart gearbeitet, um wieder in die Form von damals zu kommen. Aber es war schwierig. Für mich hat sich alles verändert in meinem Kopf. Es ist schwer zu beschreiben, wie.“

Erfolge hätten in der ersten Zeit ihre Bedeutung verloren, gesteht der frühere Junioren-Vizeweltmeister. Ebenso bekam das Leben in den Bergen beim begeisterten Hobby-Freeskier eine ganz neue Bedeutung. „Ich genieße die Berge immer noch, aber ich denke ganz anders darüber. Freeskiing wird zwar immer ein Teil von mir bleiben. Aber ich denke nun mehr darüber nach, was ich mache“, erklärt Hargin, der zu Ehren seiner Frau die MMFoundation (rapaporthargin.com) ins Leben rief, die junge Freeskier und ihre Träume unterstützt. Und er beendet das Thema kurz mit: „Es war eine ganz schwierige Zeit ...“

Nun richtet sich sein Blick auf die Heim-WM – und auf den Teambewerb, in dem der Parallel-Spezialist (heuer 5. in Oslo) seine schwache Slalom-Saison vergessen lassen will. „Die WM ist einer der Höhepunkte in meiner Karriere. 2007 habe ich die WM in Aare verpasst“, meint Hargin. Und er sagt: „Ich habe eine zweite Chance bekommen.“




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