Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 13.03.2019


Eisschnelllauf

Herzog nach Top-Saison: “Das Ziel ist der Weltrekord“

WM-Gold, Gesamtweltcup, EM-Titel: Nach der „perfekten Saison“ steckt sich Tirols Eisschnelllauf-Star Vanessa Herzog ganz große neue Ziele.

Kurze Verschnaufpause für Eisschnellläuferin Vanessa Herzog, die diesen Winter mit WM-Gold und dem Gesamtweltcupsieg glänzte.

© gepaKurze Verschnaufpause für Eisschnellläuferin Vanessa Herzog, die diesen Winter mit WM-Gold und dem Gesamtweltcupsieg glänzte.



Von Roman Stelzl

Salt Lake City – Als Vanessa Herzog am Flughafen von Salt Lake City sitzt, bleibt erstmals etwas Zeit. Zum Durchschnaufen, Nachdenken, Realisieren. Seit November tingelte die 23-jährige Innsbruckerin durch die Eisschnelllauf-Weltgeschichte – und schrieb dabei selbst ihr eigenes großes Kapitel in dieser Geschichte.

Nach vier Weltcupsiegen und dem EM-Sprint-Titel im Südtiroler Klobenstein feierte Herzog im Februar in ihrer Trainingsheimat Inzell (GER) mit WM-Gold über 500 Meter den größten Erfolg ihrer Karriere. Zudem gab es Silber über 1000 Meter – und nur gut einen Monat später durfte sich die Wahl-Kärntnerin zum zweiten Mal in Folge Gesamtweltcupsiegerin über 500 Meter nennen.

Perfekt. So nennt es Vanessa Herzog. Und so nennt es Ehemann und Trainer Thomas Herzog. „Hätte mir das vor der Saison einer gesagt, ich hätte das sofort unterschrieben. Das war eine super Saison, da fällt mir nichts ein, was noch besser hätte laufen können“, erklärte Österreichs Eisschnelllauf-Jungstar, der mit elf Podestplätzen in elf Rennen über 500 Meter seine sportliche Konstanz unter Beweis stellte.

Entscheidend für die nochmalige Steigerung heuer soll neben dem guten Ausdauer-Training die Technik sein. „Wir haben das Ganze noch verfeinert“, erklärte Thomas Herzog. Genauer gesagt wurde an der Schritt-Technik, speziell am Abdruck, gearbeitet. „Da haben wir große Fortschritte gemacht.“

Und genau das Thema Fortschritt scheint für das seit 2016 verheiratete Erfolgs-Paar ein grenzenloses zu sein. Deshalb wird nach wenigen Tagen in der Heimat auf dem großzügigen Landgut in Ferlach Anfang April schon wieder das Training aufgenommen. Denn das, was Vanessa Herzog aus Salt Lake City mitnimmt, ist neben zwei Podestplätzen und der Trophäe für den Gesamtweltcup vor allem eine Gewissheit: Ich kann noch richtig schnell sein.

Mit 36,85 Sekunden lief die Sprinterin am Samstag die bis dahin beste jemals gelaufene Zeit einer Europäerin. Am Sonntag legte sie in 36,83 noch einmal einen drauf und teilt sich den Rekord nun mit der Russin Olga Fatkulina, die noch um 0,002 Sekunden schneller war. Doch das kümmert vorerst wenig, denn das soll am Ende nur eine Zwischenmarke sein.

„Unser nächstes Ziel ist der Weltrekord. Es fehlt noch gut eine halbe Sekunde, das ist sicher machbar, wenn sich Vanessa weiter so gut steigern kann“, gibt Thomas Herzog die ehrgeizige Linie vor. Derzeit hält die Südkoreanerin Lee Sang-hwa die Fabelzeit von 36,36. Ein kleiner Quantensprung, der viel Arbeit und Detailliebe erfordert. Jede Hundertstelsekunde Verbesserung kann schwieriger als die vorhergehende sein.

Erreicht werden soll diese magische Marke im Februar 2020. Denn dann kehren die Athleten zur Einzelstrecken-WM in die USA nach Salt Lake City zurück (13. bis 16.2.). Aufgrund der Höhenlage und des geringen Widerstandes sind Top-Zeiten möglich. Und darüber hinaus bleibt nur mehr ein sportlicher Traum unerfüllt: Olympia-Gold. „Das ist unser ganz großes Ziel“, sagt Herzog. Die Winterspiele steigen 2022 in Peking (CHN).

Vorerst ist aber „Kurz-Urlaub“ auf dem Bauernhof in Ferlach angesagt. Und der bekommt Zuwachs: Von Bürgermeister Ingo Appe bekam Herzog für WM- und EM-Titel zwei Alpakas – „Bella Sun“ und „Nakimano“. Und für die muss Platz geschaffen werden.