Letztes Update am Mi, 08.05.2019 15:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eishockey-WM

Bei der Eishockey-WM tanzen die Stars nach seiner Pfeife

Mit dem Tiroler Manuel Nikolic pfeift erstmals seit 1996 ein österreichischer Headschiedsrichter bei einer Eishockey-A-WM. In Kosice warten unter anderem die NHL-Stars aus den USA und Kanada auf den Innsbrucker.

Manuel Nikolic gibt bei der WM in der Slowakei die Richtung vor.

© gepaManuel Nikolic gibt bei der WM in der Slowakei die Richtung vor.



Von Tobias Waidhofer

Innsbruck, Kosice – „Noch bin ich nicht nervös, ich muss mich gerade auf das Einpacken konzentrieren“, hatte Manuel Nikolic gelacht, als die TT ihn am Montagnachmittag erreichte. Gestern stieg der 29-jährige Innsbrucker dann in den Flieger Richtung Wien, um dort von Vertretern des internationalen Eishockey-Verbandes IIHF in Empfang genommen und nach Bratislava gebracht zu werden. „Spätestens wenn ich mir im Flieger noch einmal das ­IIHF-Regelbuch durchlese, wird die Nervosität steigen“, weiß Nikolic.

Denn dem Tiroler wird in den kommenden Tagen und Wochen einen spezielle Ehre zuteil: Nikolic wurde als Hauptschiedsrichter (Headreferee) für die A-Weltmeisterschaft in der Slowakei (10. bis 26. Mai) nominiert. „Gedacht habe ich es mir nicht, aber natürlich immer darauf gehofft, seit ich angefangen habe“, erzählt Nikolic. „Der letzte Tiroler bei einer WM war der Hoazi“, erinnert sich der Schiedsrichter und meint damit Linesman Manuel Hollenstein (2011). Der letzte Hauptschiedsrichter war aber ein Kärntner – Karl Korentschnig leitete bei der Heim-WM 1996, also vor 23 Jahren, die Spiele.

Bevor Nikolic in seinen WM-Einsatzort Kosice (dort spielen unter anderem die USA und Kanada) weiterreist, steht noch ein zweitägiges Schulungsprogramm des Weltverbandes an. Internationale Einsätze sind für den Ex-Eishockey-Spieler und -Kicker übrigens nichts Neues: Unter anderem war der Tiroler bei der U18- und U20-WM gefordert und hat Spiele in der nordamerikanischen Liga AHL ebenso schon geleitet wie Matches in Finnland, Tschechien, Deutschland und der Champions Hockey League. „Es wird nicht großartig anders, das Regelbuch unterscheidet sich leicht von unserem. Aber im Prinzip ist Eishockey überall gleich.“

Dass er es in Kosice bei Matches von Kanada oder den USA auch mit den „Mätzchen“ zahlreicher NHL-Stars zu tun bekommen wird, weiß Nikoli­c: „Da sind ein paar brutale Kaliber dabei.“ Aber das müsse man am Eis ausblenden. Es dürfe keine Sonderbehandlung geben. „Die NHL-Spieler kennen viele Tricks, ich muss schauen, dass ich nicht darauf hereinfalle.“

Der Mann, der mit nicht einmal 30 Jahren auf über 400 EBEL-Spiele zurückblicken kann, will sich jedenfalls für weitere „A-WM-Einsätze empfehlen“. Vielleicht auch bald mit Zwillingsbruder Kristijan, der ebenfalls als Headschiedsrichter in der Erste Bank Eishockey Liga fungiert. „Kristijan war zuletzt in Estland bei der B-WM und hat dort richtig stark gepfiffen. Er ist nahe dran. Ich hatte einfach ein bisschen mehr Glück als er.“ Beim internen Turnier der Tiroler Schiedsrichter am vergangenen Wochenende wurden dem Aushängeschild „natürlich“ die Schultern blau geklopft. „Die Leute sehen das sehr hoch an und sind einfach stolz, dass ein Tiroler dabei ist. Die Unterstützung im Kollegiu­m ist riesig.“

Sie war es auch, als den Brüdern Nikolic im Rahmen der EBEL-Finalserie besonders von Wiener Seite Gegenwind entgegenblies. „Fehler passieren, das ist menschlich. Da muss man Selbstvertrauen haben, wenn man in der EBEL pfeift.“

Diskussionen gab es aber vor allem, weil die Nikolics die Saison im selben Klagenfurter Lokal ausklingen ließen, in dem auch die „Rotjacken“ gleichzeitig ihren Meistertitel feierten. „Das ist blöd gelaufen. Wir waren in einer ganz anderen Ecke des Lokals und dann hat ein Wiener Fan ein Selfie mit uns gemacht, das hat das Ganze ausgelöst.“ In Zukunft werde er also eher „auf Selfies verzichten“.

Das ist aber alles Schnee von gestern, denn nun zählt nur die Weltmeisterschaft. Und spätestens wenn die Hymnen erklingen, wird die Nervosität ins Unermessliche steigen. Auch bei einer „coolen Socke“ wie Manuel Nikolic.