Letztes Update am Sa, 11.05.2019 08:39

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Eishockey

Österreicher erwartet in Bratislava gegen „Sbornaja“ eine Lernstunde

Österreichs Eishockeyspieler bekommen es am Sonntag mit Turnierfavorit Russland zu tun. Vor allem die Offensive der „Sbornaja“ flößt Respekt ein, dennoch herrscht im ÖEHV-Team große Vorfreude.

Michael Raffl freut sich auf das Match gegen Russland.

© gepa pranterMichael Raffl freut sich auf das Match gegen Russland.



Von Stefan Grüneis/APA aus Bratislava

Bratislava – Nicht einmal 18 Stunden nach der Schlusssirene gegen Lettland wartet auf Österreichs Eishockey-Nationalteam bei der WM in Bratislava die wohl größte Prüfung. Die Österreicher bekommen es Sonntagmittag (12.15 Uhr/live ORF Sport +) mit Turnierfavorit Russland zu tun. Vor allem die Offensive der „Sbornaja“ flößt Respekt ein, dennoch herrscht im ÖEHV-Team große Vorfreude.

Russlands Teamchef Ilja Worobjow hat 13 NHL-Spieler im Kader, viele davon Superstars wie NHL-Torschützenkönig Alexander Owetschkin (Washington Capitals), Scorerkönig Nikita Kutscherow (Tampa Bay Lightning), den dreifachen Stanley-Cup-Sieger Jewgenij Malkin (Pittsburgh Penguins), Jewgeni Dadonow (Florida Panthers), Jewgeni Kusnezow (Washington Capitals), Altmeister Ilja Kowaltschuk (Los Angeles Kings) oder Torhüter Andrej Wasilewski (Tampa Bay Lightning). Den Rest stellen Spieler von KHL-Champion ZSKA Moskau und SKA St. Petersburg.

Raffl freut sich auf Duell

Michael Raffl misst sich das ganze Jahr über mit solchen Kalibern. Er weiß, was auf ihn und seine Kollegen zukommt. „Russland ist wahrscheinlich der Titelfavorit, wenn man vom Kader ausgeht“, sagte der NHL-Stürmer der Philadelphia Flyers, der dennoch meint: „Auch wenn du gegen Russland eine auf den Deckel bekommst, wird das ein super Erlebnis sein“.

Vorfreude vermittelt auch sein Bruder. „Das ist ein All-Star Team, seit langem das beste Team, das Russland zu einer WM bringt. Die Spieler sollen es einfach genießen, oft bekommt man nicht die Chance, gegen die Topstars zu spielen. Die NHL ist der Traum von jedem Eishockeyspieler, jetzt haben wir die Möglichkeit, gegen sie zu spielen“, sagte Thomas Raffl. Er hofft auf einen Lerneffekt für den weiteren Turnierverlauf und kleine Erfolgserlebnisse. „Man kann aus so einem Spiel nur lernen. Wir wollen klug agieren und hoffentlich die eine oder andere Chance auch nützen“, erklärte der Kapitän.

Dominique Heinrich will als Verteidiger alles geben, auch wenn die individuelle Qualität zu Russland "ein Riesenunterschied zu uns" ist.
Dominique Heinrich will als Verteidiger alles geben, auch wenn die individuelle Qualität zu Russland "ein Riesenunterschied zu uns" ist.
- gepa

Kapitän hofft auf Steigerung

Genießen will es auch Dominique Heinrich. „Von der individuellen Qualität ist das ein Riesenunterschied zu uns. Es macht trotzdem Spaß, ab und zu gegen solche Spieler zu spielen, das ist ja nicht unser Alltag“, meinte der Verteidiger. Für Manuel Ganahl ist es „eine super-tolle Geschichte, dass wir da antreten dürfen“. Ähnlich, wie es vor vier Jahren in Prag war. „Ich denke heute noch zurück, wie cool das Spiel gegen Kanada (trotz 1:10, Anm.) war. Es ist brutal cool, wenn du mit Leuten auf dem Eis bist, die du sonst nur im Fernsehen siehst und du siehst, wo du stehst oder wir als Mannschaft Österreich stehen. Egal wieviel Regenerationszeit dazwischen liegt, jeder ist voll motiviert“, schwärmte Ganahl.

Die Norweger haben diese Erfahrung schon hinter sich, dank zweier Treffer in den Schlussminuten zogen sie sich mit einem 2:5 gut aus der Affäre. „Das erste Spiel ist immer schwer. Man muss sich an das Eis und die Kollegen gewöhnen, aber wir haben gewonnen“, resümierte Owetschkin nüchtern. Über das österreichische Team „weiß ich nicht viel“, gestand er, „aber wir werden Video schauen und vorbereitet sein“, versicherte er österreichischen Journalisten.

Auch Kapitän Kowaltschuk war „sehr zufrieden mit dem Start“, hofft aber schon gegen Österreich auf eine Steigerung. „In diesem Turnier gibt es keine schwachen Gegner. Aber ich hoffe, wir spielen gegen Österreich besser, weil wir von Spiel zu Spiel besser werden wollen. Wir haben viele russische Fans hier, da wollen wir gut spielen“, erklärte der 36-Jährige. Dass Russland auf dem Papier mit Starpower wie selten zuvor zu einer WM gereist ist, wollte er nicht überbewerten. „Ich habe schon in vielen guten Mannschaften gespielt“, ob es die beste seit langem sei, „werden wir nach dem Turnier wissen“.