Letztes Update am Do, 13.06.2019 08:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Riesentorlauf, Kombi und Slalom: Matt auf dem Weg zum Allrounder

Nach seinen Erfolgen im Slalom erfindet sich der Tiroler WM-Zweite Michael Matt neu. Der 26-jährige Flirscher stellt sich für die kommende Ski-Saison breiter auf und greift in gleich drei Disziplinen an.

Der WM-Zweite Michael Matt, hier mit Coach Marko Pfeifer, will künftig im Ski-Weltcup mehrgleisig unterwegs sein.

© gepaDer WM-Zweite Michael Matt, hier mit Coach Marko Pfeifer, will künftig im Ski-Weltcup mehrgleisig unterwegs sein.



Auf Ihren Social-Media-Kanälen waren erst vor Kurzem noch Skitouren-Bilder im Pulverschnee von Ihnen zu sehen. So wirklich im Sommer angekommen sind Sie noch nicht, oder?

Michael Matt: Das Wetter war einfach zu schlecht. Bevor ich mich auf das Fahrrad setze und krank werde, gehe ich lieber eine Skitour. Ich bin draufgekommen, dass es das beste Training ist. Es ist zudem eine sehr gesunde Bewegung.

Aufgrund der enormen Schneefälle heuer war die Lawinengefahr ständig ein Problem. Sie selbst begleitet das Thema, seit Sie als Achtjähriger unter eine Lawine kamen und erst nach 15 Minuten bewusstlos geborgen wurden. Wie schwierig fällt es, so etwas auszuklammern?

Matt: Mittlerweile denke ich mir: Wenn es dich erwischen will, dann erwischt es dich. Du kannst das Risiko minimieren, aber in der Hand hast du es nie ganz. Wenn ein steileres Gelände wartet, denke ich noch darüber nach. Dann heißt es: Entweder machst du es oder du machst es nicht. Du kannst nicht ausweichen.

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Gemacht haben Sie heuer im Frühjahr auch etwas Neues: Sie haben Ihren Plan geändert, wollen nicht mehr „nur“ Slalom fahren ...

Matt: Ich hatte im Frühjahr eine Sitzung mit meinen Trainern. Ich werde in der kommenden Saison Riesentorlauf und Super-Kombination in Angriff nehmen.

Das heißt: Sie werden auch Abfahrt und Super-G trainieren müssen?

Matt: Genau. Wenn ich vorne mitfahren will, muss ich viel trainieren. Aber alles mit Maß und Ziel – die Hauptdisziplin darf nicht darunter leiden. Die bleibt sicher der Slalom.

Im Riesentorlauf versuchen Sie schon länger Fuß zu fassen. Was stimmt Sie positiv, dass es jetzt klappt?

Matt: Ich habe es drei Jahre vergeblich versucht. Jetzt ist uns aber vom Material her eine entscheidende Änderung gelungen. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich.

Inwiefern ändert sich die Planung im Sommer?

Matt: Das Training ist viel intensiver, damit ich im Winter robuster bin. Es gab große Änderungen, vor allem im Kraftbereich. Ich muss mehr Rennen fahren, werde mehr im Rhythmus sein – da tue ich mich auch im Slalom leichter.

Die Kombination ist ein umstrittener Bewerb, der Modus wurde erst kürzlich wieder geändert. Wie sehen Ihre Ziele aus?

Matt: Die WM 2021 und Olympia 2022 sind Ziele. Es gibt weniger Allrounder, sind es doch nur fünf Athleten, die ganz vorne mitfahren können. Also schauen wir, was möglich ist.

Starts in drei Disziplinen – das klingt schon ein wenig nach einem Fall für den Gesamtweltcup ...

Matt: Das ist schwierig zu planen. Da brauchst du zwei Disziplinen, in denen du gewinnst. Das große Problem ist: Mir fehlt einfach noch die Konstanz. Letzte Saison hat etwas gröber nicht gepasst.

Dabei ist das Problem der Slalom-Fahrer, dass sie lange Zeit keine Rennen fahren und dann mehrere Wochenenden hintereinander im Volleinsatz sind ...

Matt: Das ist ein großes Problem. Wir haben im November einen Slalom, dann einen Monat Pause. Und im Jänner geht es plötzlich nur so dahin. Da denke ich mir, dass wir es anders machen können. Der Kalender gehört geändert.

Haben Sie das beim Athletenvertreter deponiert? Mit dem Schweizer Daniel Yule gibt es nach Hannes Reichelt einen aus dem Technik-Lager.

Matt: Es interessiert keinen, was die Athleten sagen. Wir haben das schon in den vergangenen Jahren angemerkt, aber es gab absolut keine Änderung.

Auch für die Parallel-Rennen fehlt kommende Saison weiter ein einheitliches System. Wie sehen Sie das?

Matt: Da muss sich bei den Regeln was ändern. Dabei sind die Rennen der richtige Weg: Du musst in die Städte, damit du mehr Zuschauer bekommst.

Eine Frage noch: Wo geht es heuer im Sommer hin? Wieder nach Neuseeland?

Matt: Wir bleiben heuer ausnahmsweise daheim, ziehen je nach Wetter die heimischen Gletscher vor. Wir wollen alles für eine erfolgreiche Saison bestmöglich nutzen.

Das Gespräch führte Roman Stelzl