Letztes Update am Do, 20.06.2019 12:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Tiroler Ski-Ass Feller: „Bin vom Schädel richtig frei geworden“

Der Fieberbrunner Manuel Feller, Liebling der Ski-Fans, über Wetterphänomene, Fischlaichen, Schweiß und den Gesamtweltcup.

Selfie vor der Mausefalle: Manuel Feller sah sich vor Kurzem die Streif im Sommer an.

© gepa pranterSelfie vor der Mausefalle: Manuel Feller sah sich vor Kurzem die Streif im Sommer an.



Ihr verzichtet in diesem Sommer erstmals auf ein Ski-Camp in Übersee?

Manuel Feller: Auch, weil wir wieder etwas probieren wollen. Zum einen steht im Winter kein Großereignis an, zum anderen wollen wir neue Reize setzen. Wir waren die letzten fünf Jahre im August jeweils auf der anderen Erdhalbkugel und wenn du immer das Gleiche machst, ist das der erste Schritt zum Stillstand.

Kontinuität ist zumindest in Bezug auf Ihren privaten Kraft- und Konditionstrainer angesagt. Wie Marcel Hirscher vertrauen Sie auf Gernot Schweizer ...

Feller: Seit meinem Bandscheibenvorfall (Dezember 2014, Anm.) trainiere ich mit Gernot – inzwischen fünfmal in der Woche. Ich habe deshalb in Rif (Salzburg) eine Wohnung und erst am Wochenende heißt’s dann ab in die Heimat oder zum Fischen.

Wenn Sie die Fischerei ansprechen: Haben Sie in den vergangenen Wochen schon ein Prachtexemplar rausgeholt?

Feller: Weite Teile des Frühjahrs waren aufgrund der viel zu kalten Temperaturen eine Katastrophe. Auf Deutsch: Noch hat keiner angebissen, aber ich muss auch sagen, dass ich noch nicht oft fischen war.

Und jetzt, wo sich der Spätfrühling längst sommerlich anfühlt?

Feller: Sagen wir so: Wenn es von einem auf den anderen Tag plötzlich heiß wird, setzt das den Fischen genauso zu wie uns Menschen. Dazu kommt, dass Karpfen ab 18 Grad zu laichen beginnen und dann wenig bis gar nichts fressen. Aber ...

Aber?

Feller: Diese Woche sind zahlreiche Gewitter vorausgesagt, was gut ist, weil das Wasser zusätzlichen Sauerstoff bekommt. Fürs Wochenende steht die Angel jedenfalls bereit.

Weg vom Anglerlatein, hin zurück zur Vorbereitung. Inwieweit sind Sie als bandscheibengeplagter Athlet schmerzfrei?

Feller: Es ist so, dass wir die Trainingsumfänge und -intensität eigentlich Jahr für Jahr steigern können. Inzwischen kann ich spezifische Übungen machen, an die vor Jahren noch nicht zu denken gewesen ist. Aber ich muss stets dranbleiben. Stabilisationsübungen sind quasi mein täglich Brot. Nach dem Urlaub (14 Tage auf Jamaika, Anm.) hab’ ich den Rücken gleich wieder gespürt, auf der anderen Seite bin ich vom Schädel richtig frei geworden.

Wenn Sie das Mentale ansprechen: Ende Februar haben Sie bildlich gemeint, dass sich Ihr Akku dem Ende zuneigt.

Nachdem Manuel Feller seinen Sponsorvertrag mit Saalbach um ein weiteres Jahr verlängert hatte, schwang er sich sogleich aufs Mountainbike.
Nachdem Manuel Feller seinen Sponsorvertrag mit Saalbach um ein weiteres Jahr verlängert hatte, schwang er sich sogleich aufs Mountainbike.
- saalbach.com

Feller: Auch, weil der Weltcupkalender der FIS (Ski-Weltverband, Anm.) meines Erachtens eine Frechheit war. Warum braucht man zwei Tage nach WM-Ende einen City-Event und schon drei Tage später stehen in Bulgarien eine Super-Kombination und ein Riesentorlauf an? Das ist meiner Meinung nach nicht mehr tragbar. Wenn ohne Rücksicht auf Verluste Rennen reingepresst werden, wird’s grenzwertig.

Mehr für den Kopf oder für den Körper?

Feller: Für beides. Und vieles ist natürlich auch abhängig, wie du performst. Wenn wie in meinem Fall die WM nicht die erhofften Ergebnisse gebracht hat, fällt einem alles schwerer. Eigentlich möchtest du nur heim, einmal eine Woche abschalten, aber das spielt’s halt nicht. Und dann bekommst du noch von deinem Trainer eine drauf, der dann meint, dass man jetzt erst recht Gas geben müsse. Und so war es dann auch. Nach einem freien Tag sind wir drei Tage testen gewesen und rückblickend waren das die wichtigsten Tage des gesamten Winters. Noch einmal Danke an das ganze Team und an die Firma Atomic – wir haben dann einen Riesenschritt vorwärts gemacht und letztlich noch einen Supersaisonabschluss gehabt.

Sie haben sich im Slalom und Riesentorlauf in der Weltspitze etabliert. Kommt eine dritte oder vierte Disziplin dazu?

Feller: Eine dritte Disziplin würde ich sehr gerne mitnehmen. Mal abwarten, ob es die Parallelbewerbe oder die Kombination wird. Letztlich werde ich mich für das entscheiden, wo ich mir am meisten ausrechne.

Auch in Hinblick Gesamtweltcup?

Feller: Klar, es gibt ja schließlich einen, der gewinnt seit Jahren mit mehr oder weniger zwei Disziplinen den Gesamtweltcup.

Aber dann dürfte es noch stressiger werden?

Feller: Damit man mich nicht falsch versteht: Ich tue nichts lieber als Rennfahren. Und klar ist auch, dass wir mit jedem Antreten unser Geld verdienen. Aber wenn es zu viel wird, wird es zu viel.

Das Gespräch führte Max Ischia