Letztes Update am Mi, 04.09.2019 17:11

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Vor Hirschers Audienz: So traten Maier und Co. zurück

Marcel Hirscher (30) lädt heute (20.15 Uhr, Servus TV/TT.com-Livestream) zu einer Pressekonferenz nach Salzburg. Dass der erfolgreichste Skifahrer der Gegenwart dabei nicht seinen Rücktritt erklärt, scheint ausgeschlossen.

Heute Abend sind wieder alle  Augen (und Mikrofone) auf Marcel Hirscher gerichtet.

© gepaHeute Abend sind wieder alle Augen (und Mikrofone) auf Marcel Hirscher gerichtet.



Von Florian Madl

Innsbruck – Glocken werden im Salzburger Gusswerk schon lange keine mehr produziert. Und dennoch könnte es im Veranstaltungszentrum, heute (20.15 Uhr/Servus TV/TT.com-Livestream) Schauplatz der Hirscher-Pressekonferenz, nicht heißer zugehen: Der 30-Jährige lud Medienvertreter unter dem Titel „Rückblick, Einblick, Ausblick“, um weitere Pläne zu schmieden. Die medial bereits geäußerte Vermutung, der Rücktritt werde bekannt gegeben, scheint Realität zu werden.

„Ich habe bis zuletzt gehofft, dass der Marcel weitermacht“, sagte der ebenfalls zurückgetretene Deutsche Felix Neureuther gegenüber dem Spiegel. Der Hirscher-Freund wusste eigenen Angaben zufolge nichts: „Mich überrascht das, ich hätte damit nicht gerechnet. In jedem Fall extrem bitter.“

Situationen wie diese hat Stephan Eberharter bereits hinter sich. Der 50-Jährige ist seit 15 Jahren Privatier, die Entscheidungsfindung sei problemlos erfolgt: „Ich dachte mir nur: Gott sei Dank.“

Beweggründe könnte „Steff“ allerhand aufzählen: „Der körperliche und geistige Verschleiß ist ein großer. Hätte ich allerdings Spaß gehabt, wäre ich trotz weniger Erfolge weitergefahren.“

Der Rücktritt sei „der nächste richtige Schritt gewesen“: „Endlich konnte ich den normalen Alltag leben, mich resozialisieren und sesshaft werden, nicht mehr ständig unterwegs sein“, blickte der Olympiasieger, Weltcupsieger und Weltmeister zurück. In Erinnerung bleibt neben all seinen Erfolgen ein Streif-Sieg am Abend seiner Karriere, der in Kitzbühel mancherorts noch heute als der „perfekte Ritt“ über den Traditionshang gilt.

Mit dem Nachwuchs ändere sich der Zugang zum Sport, aus seiner Sicht habe es in der Folge auch kein „Pensionsloch“ gegeben. Eberharter: „Solange du weißt, was du mit deiner Zeit anfängst, passiert dir das nie.“

Für die Außerfernerin Nicole Hosp, seit vier Jahren Ex-Rennläuferin, zog sich die Entscheidung für einen Rücktritt über zwei Jahre hin. „Bei meinem letzten Rennen in Meribel stand ich am Start und wusste: Jetzt ist es vorbei.“ In ein Loch, meint die Gesamtweltcupsiegerin 2006/2007 und Weltmeisterin 2007, sei sie nie gefallen: „Ich wollte ein Jahr lang einfach nichts tun. Und jetzt mache ich das, was ich gerne tue.“ Die Tätigkeit als ORF-Expertin gehört dazu, außerdem bietet die 35-Jährige Heliskiing-Ausflüge auf die Halbinsel Kamtschatka oder Incentives an.

„Die Samen der Vergangenheit sind die Früchte der Zukunft“, ist der Website Hosps zu entnehmen. Das könnte wohl auch als Wegweiser für ihre Zukunftspläne gegolten haben, für die sie einen Leitsatz prägte: „Ich fragte mich nach der Ski-Karriere immer: Gibt es etwas, das ich mit so viel Leidenschaft betreiben könnte wie den Skisport?“

Eine Frage, die sich wohl auch der heute (möglicherweise) zurücktretende Marcel Hirscher stellen wird. Nicole Hosp nimmt die Spekulation über seinen Abschied mit einer großen Portion Humor auf: „Ich würde ja lachen, wenn er sagt: Ich fahre doch noch weiter.“

Ein Überblick, wie andere Ski-Stars ihr Karriere-Ende sahen bzw. verkündeten:

Hermann Maier: Als gesunder Mensch aufhören

Am 13. Oktober 2009 verkündete Hermann Maier als damals 36-Jähriger seinen Rücktritt vom Skisport. Dem Flachauer war es ein „Anliegen, als gesunder Mensch aufzuhören“. Der Held von Nagano investiert in Hotels und steht bisweilen im Zentrum von TV-Naturdokus.

Hermann Maier.
Hermann Maier.
- gepa

Mario Matt: „Skifahren nicht das Wichtigste“

Am 12. März 2015 sagte der Flirscher Mario Matt Ade. Der damals 35-jährige Weltmeister und Olympiasieger hat erkannt, „dass für mich Skifahren nicht mehr das Wichtigste ist“. Matt sorgt für seine Araberzucht und betreibt u. a. ein Après-Ski-Lokal.

Mario Matt.
Mario Matt.
- gepa

Stephan Eberharter: „Gott sei Dank, dass es vorbei ist“

Am 17. September 2004 erklärte der damals 35-jährige Stummer Stephan Eberharter seinen Rücktritt. Seitdem feilt er an seinem Golf-Handicap und seiner Rad-Form, beruflich ist der Zillertaler unternehmerisch tätig. Sein Abschiedsgedanke: „Gott sei Dank, dass es vorbei ist.“

Stephan Eberharter.
Stephan Eberharter.
- gepa

Niki Hosp: „Das Feuer lodert nicht mehr so“

Als 31-Jährige und nach 14 Jahren im Weltcup hatte die Bichlbacherin Nicole Hosp genug. „Heuer lodert das Feuer nicht mehr so, der Stress fordert seine Opfer“, erklärte die RTL-Weltmeisterin 2007 beim Rücktritt am 1. Juni 2015, es folgte u. a. eine Tätigkeit als ORF-Expertin.

Niki Hosp.
Niki Hosp.
- gepa

Karl Schranz: „Eine Ungerechtigkeit“

Am 3. Februar 1972 endete die Karriere des Arlberger Skistars Karl Schranz (jetzt Hotelier) unfreiwillig. Das Internationale Olympische Komitee schloss den 33-Jährigen von den Winterspielen in Sapporo (Werbe-Paragraf) aus: „Eine unwahrscheinliche Ungerechtigkeit.“

Karl Schranz.
Karl Schranz.
- imago sportfotodienst

Alexandra Meissnitzer: „Ich gehe mit gutem Gefühl“

Alexandra Meissnitzer, Doppel-Weltmeisterin 1999 aus Abtenau, hörte als 34-Jährige auf: „Ich gehe mit einem sehr, sehr guten Gefühl.“ Wüsste man das nicht, würde man sie heute in erster Linie mit Dancing Stars und ihrer Expertentätigkeit am Pistenrand in Verbindung bringen.

Alexandra Meissnitzer.
Alexandra Meissnitzer.
- gepa