Letztes Update am Mi, 11.09.2019 09:26

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ski Alpin

Tritt Matt in Hirschers Fußstapfen? „Ersetzen muss ich niemanden“

Das Erbe Marcel Hirschers lastet schwer auf den Schultern der österreichischen Ski-Asse. Einer, auf dem große Hoffnungen ruhen, ist der Flirscher Michael Matt. Dabei hängt alles vom geplanten Schritt zum Allrounder ab.

Gemeinsam mit Hirscher und Schwarz jubelte Matt bei der WM in Aare vom Slalom-Podest. Wer tritt im ÖSV die Nachfolge des jahrelangen Branchen-Primus an?

© gepaGemeinsam mit Hirscher und Schwarz jubelte Matt bei der WM in Aare vom Slalom-Podest. Wer tritt im ÖSV die Nachfolge des jahrelangen Branchen-Primus an?



Von Roman Stelzl

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Flirsch – Immer nur blaue und rote Stangen im Slalom? Das ist zu wenig. Zumindest für Michael Matt. Und darum lässt sich der Tiroler in der heurigen Ski-Saison eine Flagge zwischen die Torstangen aufspannen – und erweitert sein Repertoire um Riesentorlauf und Kombi. Der 26-jährige Flirscher beendet sein Dasein als Slalom-Spezialist, der neue Weg führt über RTL, Parallel-Rennen und Kombination somit also auch zum Super-G und den Speed-Disziplinen. Geplant ist das gesamte Paket – das wären damit 24 Einzel-Rennen. In der Saison zuvor waren es gerade mal 13. Das bedeutet fast doppelt so viele Bewerbe. Und doppelt so viel Belastung.

Es ist ein Plan, an dessen Umsetzung der Olympia- und WM-Zweite schon seit Monaten mit intensivem Training feilt. Der Drang zum Allrounder könnte kaum besser passen: Vor einer Woche erklärte Marcel Hirscher seinen Rücktritt. Und nun fragen sich viele: Wer kann den achtfachen Gesamtweltcupsieger ab Oktober ersetzen?

Der Blick in die Vergangenheit bringt nichts

Matt schießt die Antwort schneller heraus als sich selbst aus dem Starthaus. „Ersetzen muss ich niemanden“, sagt der jüngere Bruder von Olympiasieger Mario Matt, „Wir haben eine gute Truppe, die sich über die Jahre sehr gut entwickelt hat. Und mit Manuel Feller haben wir sicher einen, der in Riesentorlauf und Slalom vorne mitfahren kann.“

Mit Hirscher trete ein Skifahrer ab, der „einzigartig und unerreicht“ ist. Dennoch bringe es nichts, in die Vergangenheit zu blicken. Zumal die Zukunft schwer genug wird, lasten die Hoffnungen nach dem Hirscher-Rücktritt doch nun vor allem auf den Schultern der Technik-Asse. Auf einem zuletzt verletzten Marco Schwarz. Einem pfeilschnellen, aber unkonstanten Feller. Und auf Matt. Eine Bürde? „Das wird sich zeigen. Vielleicht beflügelt es mich auch“, sagt der einfache Weltcupsieger und ergänzt: „Am Ende ist es ziemlich egal, ob ich im Mittelpunkt stehe. Ich werde meine Linie durchziehen, mein Programm fahren. Da lasse ich mich nicht drausbringen.“

Fragezeichen hinter Sölden

Sein Programm im Sommer umfasste heuer unter anderem zwölf Riesentorlauf-Trainingstage in Saas Fee (SUI), daneben auch einen im Super-G für die Kombination. Nun geht es bis zum Saison-Auftakt in Sölden (27. 10.), der für Matt auch aufgrund der hohen Startnummer noch nicht gesichert ist, auf den heimischen Gletschern wie jenem am hinteren Ende des Pitztals weiter. Dort soll nach der beinharten Schufterei am Körper (Rumpf-, Kraft- und Konditions-Training) der letzte Feinschliff her.

Dass Österreichs Skiverband nun nach dem Hirscher-Abschied mehr (Trainer-)Ressourcen verteilen kann, ist für Matt zweitrangig: „Ich brauche keinen eigenen Trainer und kein eigenes Team. Mir hilft ja schon mein Bruder Mario als Coach.“ Die Mithilfe von Hirscher-Papa Ferdinand im ÖSV könne er sich aber gut vorstellen. Es wäre vielleicht ein Stein mehr im Mosaik Michael Matt. Und das soll irgendwann ein wahres Kunstwerk werden.