Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 24.09.2019


EBEL

Starke Aufholjagd ändert beim HCI nichts am Status quo

Nach der 6:7-Niederlage in Fehervar und nur zwei Punkten aus den ersten drei Liga-Spielen müssen sich die Haie schnell wieder aufrichten.

Nach starker Vorbereitung erlebt Haie-Goalie C. J. Motte gleich zum Saisonstart eine schwere Phase.

© gepaNach starker Vorbereitung erlebt Haie-Goalie C. J. Motte gleich zum Saisonstart eine schwere Phase.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Die knappe Niederlage in Ungarn, bei der Ex-Hai und Liga-Topscorer Andrew Yogan im vierten Spiel in der Verlängerung bereits sein drittes „game winning goal“ für Fehervar erzielte, ließe sich seitens der Haie leicht erklären – mit einer Fangquote von 75,9 Prozent ist es nicht nur in der Erste Bank Eishockeyliga kaum möglich, ein Spiel zu gewinnen. Haie-Keeper C. J. Motte sah speziell bei den ersten Gegentreffern nicht gut aus. Aber auf eine Torhüterdiskussion zu Saisonbeginn will sich – bei jahrelangen Vorgeschichten – im Haifischbecken freilich keiner einlassen.

„Wir sind nach einem 1:4- und 2:5-Rückstand zurückgekommen und haben Charakter gezeigt. Ich bin stolz auf mein Team“, lobte Headcoach Rob Pallin seine Mannen, die kurzfristig sogar mit 6:5 in Führung gegangen waren. Die Schussstatistik (46:29) sprach klar für die Haie. „Mit sechs Toren muss man auswärts eigentlich gewinnen. Aber nach diesem Spielverlauf war’s ein super Punkt“, befand sich auch HCI-Obmann Günther Hanschitz in einem Wechselbad der Gefühle.

Nach drei Runden und drei knappen Niederlagen gegen Fehervar (6:7 n. V.), Znojmo (2:3) und Dornbirn (1:2 n. V.) steht klarerweise zu wenig Zählbares auf der Rechnung. Zumal die bisherigen Gegner zu den Teams in unmittelbarer Reichweite zählen. „Wir haben nur zwei Punkte. Aber wir sind ja in keinem Match ausgelöscht worden“, betont Pallin, der nach zwei Dritteln in Fehervar seinem klar im Rückstand liegenden Team empfahl, „einfach weiterzuarbeiten“: „Dann passieren die guten Dinge.“

Mit dieser Einstellung wollen sich die Haie als Tabellenschlusslicht auch dem sehr schweren Wochenende mit den beiden Heimspielen gegen Titelverteidiger KAC (Freitag, 19.15 Uhr) und Titelmitfavorit Vienna Capitals (Samstag, 17.30 Uhr) nähern: „Jeder weiß, was jetzt kommt. Wir haben einen großen Hügel zu besteigen, um das Wochenende zu stemmen. Mein Job ist es, zu motivieren“, krempelt Pallin die Ärmel hoch.

Auf dem Namen von Fehervar steht übrigens vorne der Hauptsponsor Hydro dran – dahinter steckt ein internationaler Aluminiumproduzent, der durchaus Geld bringen soll. Zumindest mehr als in Innsbruck. „Die Klasse eines Yogan ist offensiv unbestritten. Aber er war für uns nicht mehr finanzierbar“, führt Hanschitz aus. Die Haie hätten für den aktuellen Kader um einen sechsstelligen Betrag weniger zur Verfügung gehabt. Warum man die zweimalige direkte Qualifikation fürs Play-off (2017, 2018) auf Tiroler Boden finanziell nicht nützen habe können? „Wegen zwei guter Jahre fliegen dir die Sponsoren nicht bei der Türe herein.“ Nachsatz: „Die Schere zwischen den Topclubs und Kleinen geht immer weiter auseinander.“ Womit man wieder beim KAC – dort steckt bekanntlich Milliardärin Heidi Horten viel Geld rein – oder bei den Vienna Capitals um Präsident und Unternehmer Hans Schmid wäre.

„Wir müssen Kleinigkeiten finden und werden die Köpfe nicht hängen lassen“, hält Pallin beim Liga-Außenseiter fest. Und vielleicht war die Aufholjagd in Ungarn ja eine wertvolle Moralinjektion.