Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 16.10.2019


Ski Alpin

Nach schwerer Verletzung: Was lässt Anna Veiths Knie noch zu?

Kein Weltcup-Auftakt in Sölden, keine Abfahrt, kein Gesamtweltcup: Österreichs Ski-Star Anna Veith schnallt den Gürtel für die kommende Saison enger. Der Körper wird der 30-jährigen Salzburgerin die Grenzen zeigen.

Als letzte österreichische Siegerin in Sölden gewann Anna Veith 2014 ex aequo mit Mikaela Shiffrin (l.) vor der Tirolerin Eva-Maria Brem.

© gepaAls letzte österreichische Siegerin in Sölden gewann Anna Veith 2014 ex aequo mit Mikaela Shiffrin (l.) vor der Tirolerin Eva-Maria Brem.



Von Roman Stelzl

Salzburg – Es ist die Frage aller Fragen, auf die Anna Veith mit einem schweren Seufzer, kurzen Lächeln und einem pfeilschnellen „viel“ antwortet. Die Rede ist vom täglichen Aufwand für das Knie. Der Dreh- und Angelpunkt im Bein und in der Karriere der 30-jährigen Ski-Olympiasiegerin aus Salzburg.

Und die Verletzungs-Geschichte ist lang: Im Oktober 2015 riss sich Veith bei einem Sturz in Sölden Kreuzband und Innenband sowie Patellasehne im rechten Knie. Ein folgenschwerer Sturz. Die zweifache Gesamtweltcupsiegerin fiel lange aus. 2017 brach Veith das Comeback ab, ließ sich die entzündete Patellasehne im linken Knie operieren. Und just als alles wieder im Lot war (Weltcupsieg in Val d’Isére, Olympia-Silber im Super-G 2018), riss am 12. Jänner 2019 das Kreuzband im linken Knie. Eine Watsche zum falschen Zeitpunkt.

Lange wurde über das Karriereende der 15-fachen Weltcupsiegerin philosophiert, spekuliert, diskutiert. Nicht nur von außen. Auch im Inneren der 1,66 Meter großen Athletin brodelte es. Doch ohne Aus- und ohne Abbruch. „Bis Ende Mai war nicht sicher, ob ich weitermache. Es war ein extremes Wellental, aber für mich war klar: Ich gehe aufs Ganze oder ich lasse es sein“, meinte Veith.

Nun, zehn Tage vor dem Weltcup-Auftakt in Sölden (Riesentorlauf am 26.10.), ist der steinige Weg zurück flacher geworden. Aber er ist immer noch schwierig genug. „Ich bin noch einige Schritte entfernt von dem Level, auf dem ich sein möchte. Bis jetzt war alles reine Gewöhnung, nun folgt das qualitative Training“, erklärte die dreifache Weltmeisterin.

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Drei Skitage am Stück waren bisher das höchste der Gefühle, danach brauchen die Knie wieder Pause. „Es braucht das richtige Verhältnis zwischen Belastung und Entlastung. Das klingt einfach, ist aber brutal schwierig“, sagt die 2014 letzte österreichische Siegerin in Sölden.

Beim Weltcup-Auftakt werden die Fans Veith wie erwartet nicht sehen. Der kommt zu früh. Vielleicht sogar viel zu früh. Das wird sich weisen. Fürs erste blickt Österreichs dreifache Sportlerin des Jahres auf das Speed- und Riesentorlauf-Training Anfang November in Colorado (USA) voraus, trainiert wird nach wie vor in der eigenen ÖSV-Gruppe mit Vertrauenstrainer Meinhard Tatschl und zwei Physiotherapeuten. Und mit eigener Pressesprecherin.

Der erste Einsatz soll am 30. November beim Riesentorlauf in Killington (USA) erfolgen. Wie viele Rennen Veiths Knie heuer zulassen wird, ist noch ungewiss. Der Fokus liegt auf Riesentorlauf und Super-G. Die Abfahrt ist (vorerst) aus dem Weltcup-Programm gestrichen, an den Gesamtweltcup wird kein Gedanke mehr verschwendet. „Die Abfahrt braucht so viel Zeit mit den Trainings, die nutze ich lieber für den Super-G. Da kann ich mehr rausholen“, sagt Veith, die sich mehr auf einzelne Rennen konzentrieren will.

Ob das heißt, dass auch die Saison 2020/21 mit der WM in Cortina (ITA) ein Thema ist? Ein Lächeln. „Wer weiß“, sagt Veith und sinniert: „Es wäre schön, wenn es dann noch klappt ...“