Letztes Update am Fr, 08.11.2019 11:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Skispringen

Skisprung-FIS-Chef Hofer: „Der Sport braucht nicht nur Sieger“

Der Kärntner Walter Hofer (64) beendet nach dieser Skisprung-Saison altersbedingt seine Laufbahn als Renndirektor. Gelungen ist dem Sportwissenschafter die Medialisierung, an manchem knabbert er noch.

In zwei Wochen beginnt Walter Hofers letzte Saison als Renndirektor des Skisprung-Weltcups.

© imago sportfotodienstIn zwei Wochen beginnt Walter Hofers letzte Saison als Renndirektor des Skisprung-Weltcups.



Seit 27 Jahren leiten Sie die Geschicke der Skisprung-Szene. Sehen Sie Ihre Arbeit im Weltcup-Zirkus als abgeschlossen an?

Walter Hofer: Nein! Es ist uns zwar gelungen, die Sportler aus der Osthälfte der Erde zurückzugewinnen, aber im Westen, in Kanada und den USA, dauert es noch ein wenig länger. Das tut mir leid.

Mit Noriaki Kasai bleibt dem Sport ein japanischer Dauerbrenner als Aktiver erhalten. Entwertet es den Sport, wenn ein 47-Jähriger noch im Spitzenfeld ankommt?

Hofer: Das kann man von zwei Seiten sehen: Der Sport braucht nicht nur Sieger, sondern auch Meinungsbildner. Kasai ist aufgrund seines Auftretens überall gerne gesehen.

Die Altersdifferenz der Besten war im Skispringen schon immer eine große.

Hofer: Als Toni Nieminen mit 16 Olympiasieger war und seine Karriere früh beendete, hob man das Anforderungsprofil. Jetzt geht es darum, später gut zu werden und das auch länger zu bleiben.

Wie geht es Ihnen mit Ihrem Ansinnen, den Sport sicherer zu machen?

Hofer: Wir haben das Risiko sozusagen transferiert. Durch die vorgefertigte Anlaufspur wurde das Risiko minimiert, die Ski wurden für die Flugphase gebaut. Das Risiko verlagerte sich zuletzt allerdings in Richtung Landung, dafür wurde das Setup nicht ausgerichtet.

Von wie vielen Skispringern weltweit gehen Sie aus?

Hofer: Ich würde sagen, 2000 haben ein internationales Niveau.

Wäre es zulässig, Skispringen auch als Retortensportart einzustufen?

Hofer: Ich greife da lieber auf meine Begrifflichkeiten zurück: Skispringen ist eine Randsportart unter dem Aspekt, dass sich kein Material verkaufen lässt und die Industrie dementsprechend wenig Druck zur Entwicklung hat. Das sieht man allein am Sprungschuh, der bei uns schon 20 Jahre alt ist.

Eine Randsportart jedenfalls, der aufgrund der spektakulären Bilder viel Sendezeit zukommt.

Hofer: Ich würde uns mit Rodeln, Bob oder Eisschnelllauf auf eine Stufe stellen.

So gesehen kommt es Ihnen und Ihrer Sportart entgegen, dass heuer eine Zwischensaison ohne Nordische bzw. Alpine Ski-WM ansteht und auch keine Olympischen Winterspiele.

Hofer: Was die wenigsten wissen: Wir haben in dieser Saison eine Weltmeisterschaft – Skifliegen in Planica (SLO) nämlich. Ich sehe das jedenfalls positiv: Für die kleineren Nationen eignen sich Zwischensaisonen, um dichter an die Spitze heranzurücken.

Nach der WM in Planica wollen Sie einen Schritt zurücktreten, um Ihrem Nachfolger Sandro Pertile (ITA) Platz zu machen. Wie geht es für Sie weiter?

Hofer (lacht): Ich werde weiterhin nichts arbeiten ...

Was darf man darunter verstehen?

Hofer: Meine Arbeit war schon immer mein Hobby, also werde ich auch nach meiner Tätigkeit als Renndirektor etwas machen, was mir Freude bereitet. Und da ich meinen Abschied schon früh genug angekündigt habe, den Zeitpunkt also selbst wählte, gibt es schon genügend Interessenten.

Das Gespräch führte Florian Madl