Letztes Update am Sa, 22.06.2013 22:14

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wintersport

Ausnahmetalent wirft Karriere hin

Sie galt als ganz große Zukunftsaktie im ÖSV-Damenteam und hatte die sportive Zukunft noch vor sich. Doch die Kirchbergerin Jessica Depauli schmiss überraschend das Handtuch – mit gerade einmal 21 Jahren.



Von Max Ischia

Innsbruck – Vor etwas mehr als zwei Jahren hing der Himmel für Jessica Depauli voller Geigen. Virtuos war sie durch den Europacup-Winter gecarvt, hatte nebst der Gesamtwertung auch die Disziplinen Super-G und Kombination für sich entschieden und obendrein den Junioren-WM-Titel im Slalom gefeiert. Keine Frage: Hier reifte eine ganz Besondere heran. „Eine Ausnahmeerscheinung, mit der wir noch viel Freude haben werden“, hatte der damalige ÖSV-Damenchef Herbert Mandl prophezeit.

Sein nunmehriger Nachfolger Jürgen Kriechbaum ging im gestrigen TT-Gespräch noch einen Schritt weiter: „Ein Jahrhunderttalent“, sagte er, um nach kurzer Nachdenkpause auf „Jahrzehntetalent“ zu relativieren.

Wie auch immer: Depauli hatte alle Voraussetzungen, eine der ganz Großen im alpinen Skisport zu werden. Doch die Realität wollte mit der Erwartungshaltung nicht Schritt halten, die Hochgepriesene mag nicht mehr. Still und heimlich räumte Depauli ihre Rennski ins Kellereck und zog nach einem durchwachsenen Weltcup-Winter einen Schlussstrich unter eine Karriere, die erst richtig hätte beginnen sollen.

Der Entschluss sei schleichend gekommen, die Entscheidung nach „sehr langer Überlegung“ getroffen. Und bis dato hätte sie nur ihre wichtigsten Leute über diesen Schritt informiert. Viel mehr wollte die 21-Jährige dazu nicht sagen. Nur: „Es waren persönliche Gründe.“

Damen-Chef Kriechbaum versuchte alles, traf sich mit der Kirchbergerin gleich dreimal zu mehrstündigen Gesprächen und legte ihr einen Gruppenwechsel nahe. Allein es half nichts: Depauli hatte den Antrieb verloren. „Und vor allem den Spaß“, wie sie versicherte.

Der Umstieg vom Europacup, den sie in der Saison 2010/2011 scheinbar nach Belieben dominiert hatte, in den Weltcup erwies sich schwieriger als erwartet. Im vergangenen Winter fuhr sie gerade zweimal in die Punkteränge, wenngleich sie am 10. März beim Slalom in Ofterschwang als 18. ihre bislang beste Platzierung einfuhr. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte sie ihre Rücktrittspläne bereits zu Ende geschmiedet.

Von verlorenen Jahren wollte die Edeltechnikerin nichts wissen: „Ich habe nichts lieber getan, als diesen Weg zu gehen. Aber jetzt will ich einfach nicht mehr.“ Die Entscheidung fühle sich jedenfalls richtig an. Nachsatz: „Wie es in einem halben Jahr aussieht, weiß ich nicht.“

Über ihre berufliche Zukunft hielt sich die Schulabbrecherin bedeckt: „Ich habe Pläne, aber die möchte ich noch für mich behalten.“

Auch ihre Tiroler Teamkollegin Stefanie Wopfner hat ihre Laufbahn beendet. Die 23-Jährige, die wiederholt von Verletzungen zurückgeworfen wurde und über einen Weltcup-Einsatz nicht hinausgekommen war, flog im Frühjahr aus dem ÖSV-Kader ...




Kommentieren