Letztes Update am Di, 25.02.2014 15:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Dopingfall Dürr

Dürr zeigt sich gesprächig

Langläufer Johannes Dürr (26) trägt nach positivem Dopingtest zur Aufklärung bei. Die Konsequenzen aus der Affäre scheinen nicht abschätzbar, ausgestanden ist die Sache nicht.



Von Florian Madl

Innsbruck – Das Szenario in Sotschi muss gespenstisch angemutet haben: Da saß Langläufer Johannes Dürr Sonntagnacht vor Hans Pum, Sportdirektor des Österreichischen Skiverbands, und Wolfgang Schobersberger, Ärzteteamleiter des Österreichischen Olympischen Komitees. Markus Gandler, der Spartenchef der Langläufer, stellte Fragen über Fragen an den 26-Jährigen, der zuvor vom positiven Dopingbefund informiert worden war. Er soll das leistungssteigernde, künstlich hergestellte Hormon EPO seit Juni 2013 verwendet haben, zuletzt während eines Trainingsaufenthalts in der Heimat zwischen seinen zwei geplanten Olympia-Einsätzen. „Zunächst gestand er nicht, eine Viertelstunde lang leugnete er“, erzählt Gandler, der die Wahrheit aus Dürr „förmlich herausgeprügelt“ haben will.

Irgendwann sei es dann doch aus dem Niederösterreicher herausgeplatzt, zwei wenig später mit der Situation konfrontierte Servicemänner hätten daraufhin einen Nervenzusammenbruch erlitten.

Die Lawine war ins Rollen gekommen, vorerst stoppte diese beim Bundeskriminalamt. Das befragte den Ausdauersportler noch am Sonntagnachmittag: „Er ist kooperativ, die Ermittlungen bezüglich Hintermännern sind im Gang“, teilte Pressesprecher Mario Hejl am Montag auf Anfrage der Austria Presse Agentur (APA) mit. Die Ermittlungen werden durch die neue „Integrity in Sport“-Unit des BK durchgeführt, die sich auch um Wettbetrug und Manipulationen kümmert. Demnach besteht bei Dürr der Verdacht auf einen Verstoß gegen Paragraph 147 (Sportbetrug) sowie des unerlaubten Besitzes größerer Mengen. Das Bundeskriminalamt wird nach Abschluss der Untersuchungen einen Bericht an die Staatsanwaltschaft weitergeben, die in der Folge über eine Anklage entscheidet.

Spartenchef Gandler widmet sich in den kommenden Tagen und Wochen der „Aufarbeitung“. Eben habe man die Akte Turin geschlossen (Dopingskandal 2006), schon öffnet sich eine neue. „Wir müssen das tun, denn in Österreich befindet sich eine so große Zahl talentierter Nachwuchs-Langläufer. Da hängen viele dran, auch Eltern, Funktionäre!“

Ausgestanden sein dürfte die Affäre noch lange nicht: National stellt die Konferenz der Landespräsidenten nach Saisonende erste Weichen, ÖSV-Oberhaupt Peter Schröcksnadel denkt eine Ausgliederung der negativ behafteten Sparte Langlauf in Aussicht. Sarah Lewis, Generalsekretärin des Internationalen Skiverbands (FIS), hält das gegenüber der Tiroler Tageszeitung für ein durchaus mögliches Szenario: „Es gibt auch andere nationale Verbände, die ihre Sparten in verschiedene Organisationen ausgelagert haben, etwa Russland. Die Mehrheit jedoch hat alles unter einem Dach.“

Die internationale Dimension der Causa Dürr lässt sich indes kaum abschätzen: „Auf die Bewerbung für die Ski-WM 2019 in Seefeld hat das keine Auswirkungen“, hält Lewis seitens der FIS fest. Allerdings würde man die gehäufte Anzahl österreichischer Dopingfälle sehr wohl registrieren: „Seit 2002 gibt es einen signifikanten Anteil österreichischer Langläufer an Dopingfällen [...].“

Für das Internationale Olympische Komitee (IOC) ist der Fall Dürr offenbar auch noch nicht abgeschlossen. Auf Anfrage der Austria Presse Agentur gab es dazu am Montag keinen Kommentar. Nach den anderen fünf Dopingfällen in Sotschi hatte das IOC nach einer Anhörung des jeweils Betroffenen stets eine Erklärung mit Sanktionen veröffentlicht, im Fall Johannes Dürr passierte das bislang nicht.

Stellung beziehen wollte man keine – erst wenn ein Verfahren abgeschlossen und eine Entscheidung getroffen sei, wolle man das tun, teilte IOC-Sprecherin Sandrine Tonge mit. Erinnerungen an das Frühjahr 2007 werden wach, als die ÖSV-Sparten Biathlon und Langlauf ein Bußgeld von einer Million Dollar auferlegt bekamen. Drei Jahre lang musste das abgestottert werden, ÖOC-Präsident Karl Stoss beschwichtigte zuletzt: Er glaube nicht, dass von der Causa Dürr etwas am Österreichischen Olympischen Komitee hängen bleibe.




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