Letztes Update am Sa, 12.12.2015 10:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


„Kasimir und Karoline“ in Graz: Verloren in einem glitzernden Nichts



Graz (APA) - Eine steil abfallende Wiese in einem Rahmen aus Lichtern, funkelnde Charleston-Kleider und jede Menge Songs: Aus diesen Zutaten schuf Regisseur Dominic Friedel im Grazer Schauspielhaus eine trotz massiver Kürzungen, hysterischer Ausbrüche und Gesangseinlagen langatmige Version von Horvaths „Kasimir und Karoline“, die Freitagabend Premiere hatte.

An sich wäre die reduzierte Bühne (Peter Schickart) ein guter Ausgangspunkt, um die Kälte, die Härte und die meist ganz nebenbei entstehende Brutalität der Figuren sichtbar werden zu lassen. Horvath zeigt vor dem Hintergrund des Münchner Oktoberfests, wie Träume und Menschen an ganz alltäglichen Dingen zerbrechen, es sind die beiläufig gesprochenen Sätze, die bis ins Innerste weh tun. Gerade die Mischung aus Plattitüden, sogenannten Lebensweisheiten und banalen Kalendersprüchen skizziert die Sprachlosigkeit dieser Menschen, was aber in dem extrem stark gekürzten Text auf der Strecke bleibt.

Gesprochen wird flott und akkurat, die berühmte „Stille“, wie sie bei Horvath so oft als Stilmittel eingesetzt wird, gibt es hier nicht. Die zeitgenössische Unterhaltungsmusik auf dem Oktoberfest wurde an heutige Verhältnisse angepasst, und so erklingen immer wieder Songs, die das gesamte Ensemble zum Tanzen animieren.

Da so wenig Text übrig gelassen wurde, stehen die Figuren völlig allein, was zwar ihre Isolation verdeutlicht, aber keinen Handlungsfaden mehr erkennen lässt. Karoline (Sarah Sophia Meyer) ist eine überdrehte, manische Tussi, die sicher jeder Mann gerne los wäre, die Nachdenklichkeit am Ende wirkt bei dieser Figur aufgesetzt. Nico Link holt aus der Figur des Kasimir heraus, was eben hier noch möglich ist, er berührt in einigen stilleren Momenten und kann die Kunstsprache Horvaths gut umsetzen.

Als Merkel Franz ist Jan Brunhoeber der oberflächliche, brutale Macho, den seine Erna (von ruhiger Stärke: Henriette Blumenau) trotz allem liebt. Pascal Goffin zeichnet Schürzinger als Mitläufer, der sympathische Züge hat. Clemens Maria Riegler als fieser Firmenchef, Franz Xaver Zach als alternder Lüstling sowie Silvana Veit und Julia Richter als lockere Wies‘n-Besucherinnen komplettieren das feine Ensemble, dem man einen adäquaten Regisseur gewünscht hätte.

(S E R V I C E - „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horvath im Grazer Schauspielhaus. Regie: Dominic Friedel, Bühne und Kostüme: Peter Schickart, Musik: Christof Ressi. Mit: Nico Link (Kasimir), Sarah Sophia Meyer (Karoline), Clemens Maria Riegler (Kommerzienrat Rauch), Franz Xaver Zach (Landgerichtsdirektor Speer), Pascal Goffin (Schürzinger), Jan Brunhoeber (Der Merkel Franz), Henriette Blumenau (Dem Merkel Franz seine Erna), Silvana Veit (Elli), Julia Richter (Maria). Nächste Aufführungen: 12., 15., 17. und 22.12.2015, 7., 20., 21., 22. und 27.1.2016. Karten unter Tel. 0316/8000 oder mailto:tickets@buehen-graz.com. http://schauspielhaus-graz.com)




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