Letztes Update am Di, 16.10.2018 10:52

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreichische Forschungsgemeinschaft tagt zu „Krise der Demokratie“



Wien (APA) - Ist die Demokratie in einer Krise? Und was bedeutet das für die Freiheit der Wissenschaft? Diesen Fragen gehen Wissenschafter verschiedener Disziplinen etwa anhand der Beispiele Ungarns und Chinas beim Wissenschaftstag der Österreichischen Forschungsgemeinschaft (ÖFG) zum Thema „Krise der Demokratie - Krise der Wissenschaften?“ am 18. und 19. Oktober in Baden nach.

Für Christiane Spiel, Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der ÖFG, ist das Thema nicht nur wegen der Zunahme des Populismus von aktueller Brisanz. Immerhin werde der Objektivitätsanspruch von Wissenschaft immer öfter infrage gestellt und von der Politik lieber mit „alternativen Fakten“ operiert, schilderte sie Montagabend bei einem Hintergrundgespräch in Wien. Über potenziellen Gefahren einer solchen Entwicklung soll u.a. Politikwissenschafter Anton Pelinka berichten, der auch an der Central European University (CEU) lehrt, die von der ungarischen Regierung mit der Schließung bedroht wird.

Derzeit erlebe man eine Verengung der politischen Meinungsbildung, Entscheidungsfindungen und Strukturen, betonte ÖFG-Präsident Reinhold Mitterlehner die Aktualität des Tagungsthemas. So sei etwa CDU-Klubobmann Volker Kauder abgelöst worden, weil Abgeordnete den Bundestag immer mehr als Instrument der Regierung statt als eigene Entscheidungsplattform empfunden hätten. „Ähnliche Gefahr droht natürlich auch in anderen Ländern, sicherlich auch in Österreich“, warnte er. Mitterlehner forderte außerdem die Wissenschaftscommunity auf, offensiver zu gesellschaftspolitisch relevanten Fragen Stellung zu nehmen. Das passiere oft mit Verspätung und nur zögerlich, etwa bei Themen wie Migration und Integration.

Die Zunahme des Populismus stellt aus Spiels Sicht auch Wissenschafter vor neue Herausforderungen. „Über Reden und Argumentieren können wir eine immer größere Gruppe nicht erreichen.“ Vielmehr müssten diese über Emotionen abgeholt werden. Immer mehr Menschen fühlten sich nicht verstanden und kommunizierten nur noch untereinander. Die Wissenschaft müsse Konzepte suchen, um diese Gruppe dennoch zu erreichen. „Wie kommen wir an die ran und wie schaffen wir es, sie vom Populismus wegzubekommen?“, fragte Spiel.

Als neuer Präsident der ÖFG hat Mitterlehner sich vorgenommen, die 1977 gegründete Gemeinschaft deutlich bekannter zu machen. „Wir haben Perlen im wissenschaftlichen Bereich, die bis jetzt nicht ihren Weg in Richtung Öffentlichkeit finden“. Nicht einmal er selbst habe bis zur Übernahme des Amts des Präsidenten gewusst, was die ÖFG konkret treibt, so der Ex-Wissenschaftsminister.

Im Zentrum der ÖFG steht der interdisziplinäre Dialog über wissenschaftlich und gesellschaftlich relevante Themen, etwa im Rahmen des Wissenschaftstags, bei Kolloquien speziell zu hochschulrelevanten Themen oder in für sechs bis maximal acht Jahre eingerichteten Arbeitsgruppen, derzeit etwa zu Finanzkrisen, Zukunft der Demokratie oder Kulturelle Dynamiken.

Außerdem ehrt die ÖFG regelmäßig herausragende Wissenschafter, dieses Jahr geht der „Wissenschaftspreis der Österreichischen Forschungsgemeinschaft“ an den Mathematiker Gustav Feichtinger. Der bisherige Titel „Ludwig Wittgenstein-Preis“ wird übrigens abgelegt, immerhin wird seit 1996 der höchstdotierte österreichische Wissenschaftspreis unter dem selben Namen vergeben.

(S E R V I C E - http://www.oefg.at)




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