Letztes Update am Di, 06.11.2018 06:34

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


US-Kongresswahl - Trump stellt nicht alle in den Schatten



Washington (APA/AFP) - Im US-Wahlkampf der vergangenen Monate hat Donald Trump meist im Mittelpunkt gestanden - die Kongress- und Regionalwahlen am heutigen Dienstag gelten als Referendum über den extrem polarisierenden Präsidenten. Doch neben ihm haben noch diverse weitere Politiker landesweite Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Manche könnten in den nächsten Jahren eine größere Rolle in der US-Politik spielen:

BETO O‘ROURKE: Um den Senatskandidaten der oppositionellen Demokraten ist in seiner Partei ein regelrechter Kult entstanden. Denn der telegene und charismatische 46-Jährige hat geschafft, was noch vor nicht allzu langer Zeit als völlig unrealistisch galt: in der Republikanerbastion Texas den erzkonservativen Senator Ted Cruz um sein Mandat bangen zu lassen. O‘Rourke, der bisher dem US-Repräsentantenhaus angehört, wird sogar schon als möglicher Präsidentschaftsbewerber gehandelt. Gut möglich ist aber, dass der frühere Punk-Bassist erst einmal einen Dämpfer erhält. Denn die Umfragen sehen Cruz in der Favoritenrolle.

ALEXANDRIA OCASIO-CORTEZ: Die 29-jährige Latina aus New York ist im Blitztempo zum Aushängeschild des linken Parteiflügels der Demokraten aufgestiegen. Dass sie es ins Repräsentantenhaus schafft, ist praktisch sicher - ihr Wahlbezirk ist eine traditionelle Domäne der Demokraten. Die Graswurzelaktivistin puertoricanischer Herkunft sorgte bei den Vorwahlen für eine Sensation, als sie sich gegen einen langjährigen Abgeordneten durchsetzte. Ocasio-Cortez nennt sich „demokratische Sozialistin“, sie tritt unter anderem für eine Ausweitung staatlicher Gesundheitsleistungen ein.

STACEY ABRS UND ANDREW GILLUM: Die zwei Afroamerikaner haben in den Kampagnen für die Gouverneurswahlen für Furore gesorgt. Die 44-Jährige Regionalabgeordnete Abrams bewirbt sich im Bundesstaat Georgia um das Amt des Regierungschefs. Der 39-jährige Gillum tritt für den Gouverneursposten in Florida an, derzeit ist er Bürgermeister von Tallahassee. Abrams wäre die erste afoamerikanische Gouverneurin der US-Geschichte - und dies in einem weiterhin von der einstigen Rassentrennung tief geprägten Staat. Gillum wäre der erste Schwarze an der Spitze von Florida. Beide haben gute Chancen - und wurden entsprechend hart von Trump attackiert.

AMY MCGRATH UND MARTHA MCSALLY: Zu der Rekordzahl von Frauen, die für den US-Kongress kandidiert, gehören mehr als ein Dutzend Militärveteraninnen. McGrath und McSally waren beide als Kampfpilotinnen in Afghanistan und im Irak im Einsatz, politisch gehören sie konkurrierenden Lagern an. Die 43-jährige McGrath kandidiert für die Demokraten im konservativen Kentucky für das US-Repräsentantenhaus. Die 52-jährige McSally bewirbt sich im Südweststaat Arizona um einen Senatssitz in Washington.

KEVIN CRAMER UND PETE STAUBER: Die Demokraten hoffen, mit Hilfe einer Anti-Trump-Welle viele bisher republikanische Mandate zu erobern. Umgekehrt haben jedoch auch diverse republikanische Kandidaten gute Chancen, dank Wahlkampfhilfe durch den Präsidenten demokratische Sitze zu erringen. Zu ihnen zählen der 57-jährige Senatskandidat Cramer aus North Dakota und der 52-jährige Stauber aus Minnesota, der für das Repräsentantenhaus antritt.

ILHAN OMAR UND RASHIDA TLAIB: Die 42-jährige Tlaib hat bereits jetzt Geschichte geschrieben. Die demokratische Kandidatin aus dem Bundesstaat Michigan wird als erste Muslima in den US-Kongress einziehen. Das steht schon fest, weil die Tochter palästinensischer Einwanderer keinen republikanischen Gegenkandidaten hat. Als muslimische Frau im Repräsentantenhaus wird sie aber womöglich nicht allein sein. Die 36-jährige Omar aus Minnesota hat gute Siegchancen gegen ihre republikanische Konkurrentin. Omar flüchtete einst als Kind mit ihrer Familie vor dem Bürgerkrieg in Somalia über Kenia in die USA.

CHRISTINE HALLQUIST: Die 62-jährige Transgender-Frau kandidiert im Neuenglandstaat Vermont für das Gouverneursamt. Sie wäre der erste Transgender an der Spitze eines US-Bundesstaats. Die Ex-Chefin eines regionalen Stromversorgers ficht allerdings einen harten Kampf. Der republikanische Amtsinhaber Phil Scott liegt in den Umfragen klar vorn.




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