Letztes Update am Do, 22.11.2018 23:46

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kunstkollektion römischer Familie in Italien beschlagnahmt



Rom (APA/AFP) - Eine der spektakulärsten privaten Sammlungen griechischer und römischer Statuen der Welt ist von der italienischen Justiz beschlagnahmt worden. Ein Gericht stellte am Mittwoch mehrere Paläste und Kunstwerke der Familie Torlonia vorläufig unter staatliche Zwangsverwaltung, wie aus einem am Donnerstag in italienischen Medien veröffentlichtem Urteil hervorgeht.

Grund für die Maßnahme ist ein Bruderkrieg um das Erbe des Bankiers und Unternehmers Alessandro Torlonia, der Ende 2017 gestorben war. Das Gericht stellte somit sicher, dass die Kunstsammlung, deren Wert auf 1,8 Milliarden Euro geschätzt wird, vorerst in Italien bleibt.

Carlo Torlonia hat Zweifel am Testaments seines Vaters angemeldet. Demnach wurde das außergewöhnliche Ensemble aus 623 Marmorstatuen zum Objekt verschwiegener Geschäftsverhandlungen zwischen einem Neffen, dem Paul Getty Museum in Los Angeles und der italienischen Regierung. Carlo Torlonia beklagt, von seinem Vater vor dessen Tod ferngehalten worden zu sein. Er sei auch nicht über die Gründung einer „Torlonia Stiftung“ informiert worden.

Die Familie Torlonia stammt aus Frankreich, von wo sie im 18. Jahrhundert nach Rom übersiedelte. Der Sohn des Patriarchen wurde Finanzverwalter im Vatikan und legte so den Grundstein für das Vermögen der Torlonia. Die Skulpturen stammen größtenteils von den Grundstücken der Familie, manche Kunstwerke wurden von der Bankiersfamilie dazugekauft.

Das Gericht stellte nun sowohl den Torlonia-Palast an der Verbindungsstraße zwischen Roms historischem Zentrum und Vatikan, als auch die Villa Albani in Rom unter Zwangsverwaltung.

Die zerstrittenen Erben sind Aktionäre der in Schwierigkeiten geratenen Banca del Fucino, deren Präsident Alessandro Torlonia bis zu seinem Tod war. Carlo Torlonia fürchtet jetzt, dass das Vermögen zur Rekapitalisierung der Bank genutzt werden könnte.




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