Letztes Update am Fr, 23.11.2018 18:54

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rumäniens orthodoxe Kirche weiht am Sonntag riesige Kathedrale ein



Bukarest/Innsbruck (APA/AFP) - In Rumänien wird am Sonntag mit großem Zeremoniell ein gigantischer Kirchenbau eingeweiht, der wegen seiner Finanzierung mit öffentlichen Mitteln äußerst umstritten ist. Hunderte Bauarbeiter haben in den vergangenen Monaten Tag und Nacht gearbeitet, um zumindest den Rohbau abzuschließen. Doch die Fertigstellung der Kathedrale in der Hauptstadt Bukarest ist erst für 2024 vorgesehen.

Schon jetzt hat das 2010 gestartete Riesenprojekt 110 Millionen Euro verschlungen. Die Gesamtkosten dürften sich am Ende auf etwa 200 Millionen Euro belaufen - und das in einem der ärmsten Länder der Europäischen Union. Zur Einweihungsmesse mit dem griechisch-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., und dem rumänischen Patriarchen Daniel werden Zehntausende Gläubige erwartet.

Für die orthodoxe Kirche ist die „Kathedrale des Heils der Nation“ am Sonntag der „wichtigste Ort Rumäniens“. Das Gotteshaus erstreckt sich auf einer Fläche von 14.000 Quadratmetern direkt hinter dem vom rumänischen Diktator Nicolae Ceausescu in Auftrag gegebenen Parlamentspalast, einem der weltweit größten Gebäude. Die Kathedrale soll mit einem 120 Meter hohen Kirchturm das nach einem Wolkenkratzer zweithöchste Gebäude des Landes werden. Die größte der insgesamt sechs Glocken für die neue Kathedrale wurde von der Tiroler Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck gefertigt, berichtete die Nachrichtenagentur Kathpress im Jahr 2016.

In Rumänien, dessen 20 Millionen Einwohner zu etwa 88 Prozent Orthodoxe sind, haben die abwechselnd amtierenden sozialdemokratischen und rechten Regierungen dem Bauprojekt beträchtliche Summen zukommen lassen - in der Hoffnung, im Gegenzug von der mächtigen Kirche unterstützt zu werden.

Nach der „Wende“ 1989 schossen in Rumänien Kirchen aus dem Boden wie Pilze nach dem Regen. Aber beim Bau von Schulen, Krankenhäusern und Autobahnen haperte es. „Offenbar investieren die Behörden mehr in unser Wohl im Jenseits als hier auf Erden“, bemerkt der Soziologe Gelu Duminica nicht ohne Sarkasmus. Zugleich erinnert er daran, dass 1,5 Millionen Rumänen mit nicht einmal drei Euro am Tag auskommen müssen. Und in Bukarest gebe es immer noch Stadtteile ohne fließendes Wasser und Kanalisation.

Das Patriarchat macht dagegen geltend, dass Rumänien eine „repräsentative nationale Kathedrale“ brauche. Diese stehe für „den Glauben, die Freiheit und die Würde des Volkes“. Die derzeitige Kirche aus dem 17. Jahrhundert sei „angesichts der großen Zahl von Messebesuchern zu klein“.




Kommentieren