Letztes Update am So, 09.12.2018 05:12

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


ASCINA-Preise für exzellente österreichische Forscher in den USA



Washington (APA) - Drei in den USA tätige österreichische Forscher wurden Samstag Abend von Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) mit den ASCINA-Awards ausgezeichnet. Zum Abschluss des Austrian Research and Innovation Talk (ARIT) in Washington DC erhielten die Psychologin und politische Theoretikerin Claudia Leeb, die Medizinerin Jelena Todoric und der Elektrotechniker Andreas Pedross-Engel die Auszeichnungen.

Die Preise werden vom Wissenschaftsministerium und dem Verein ASCINA (Austrian Scientists and Scholars in North America) nach Begutachtung durch den Wissenschaftsfonds FWF verliehen. Ausgezeichnet werden junge Forscher für exzellente Publikationen, die an nordamerikanischen Forschungseinrichtungen entstanden sind.

Der mit 10.000 Euro dotierte „Junior Principal Investigator“-Award ging an Claudia Leeb (49) für ihr im Vorjahr bei Oxford University Press erschienenes Buch „Power and Feminist Agency in Capitalism: Toward a New Theory of the Political Subject“. Leeb hat ein Doktoratsstudium in Psychologie an der Uni Wien absolviert und ihren PhD in Politischer Theorie an der New School for Social Research in New York gemacht. Sie arbeitet derzeit an der School of Politics, Philosophy and Public Affairs der Washington State University in Pullman (US-Bundesstaat Washington).

In ihrem Buch analysiert Leeb Machtstrukturen in kapitalistischen Gesellschaften. Sie prägt darin den Begriff der „Momente der Grenze“ („moments of the limit“), mit dem sie jene wenigen Augenblicke beschreibt, in denen es Machtstrukturen nicht schaffen, die Arbeiterklasse, Frauen oder Minderheiten völlig unterzuordnen. In solchen Momenten werde dann Handlungsfähigkeit möglich. „Das sind oft Momente des Schmerzes, wo man sich denkt, das ist echt nicht ok, wie ich behandelt werde. Und anstatt sich unterzuordnen, versucht man sich mit anderen Menschen zu organisieren, um etwas dagegen zu tun“, sagte Leeb vor Journalisten.

Heuer ist mit „The politics of repressed guilt: the tragedy of Austrian silence“ bereits das nächste Buch Leebs erschienen. Sie zeigt darin auf, wie wichtig es für Nationen ist, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Andernfalls habe das Auswirkungen auf die gegenwärtige Demokratie und die Gefahr sei hoch, dass sich die Vergangenheit wiederhole.

Einer der beiden mit je 7.500 Euro dotierten ASCINA-Preise für „Young Scientists“ ging an Jelena Todoric (42). Die Absolventin der Medizin-Uni Wien arbeitet seit 2012 als Postdoc am Laboratory of Gene Regulation and Signal Transduction der University of California in San Diego (Kalifornien). Sie wird für eine 2017 im Fachjournal „Cancer Cell“ veröffentlichte Arbeit ausgezeichnet, in der sie am Tiermodell nachwies, dass eine Störung der Müllentsorgung der Zellen (Autophagie) von Vorläuferläsionen an der Entstehung von Bauchspeicheldrüsenkrebs mitbeteiligt ist. Als Autophagie wird jener Vorgang bezeichnet, bei dem Zellen Proteine und zelluläre Abfälle abbauen bzw. wiederverwerten.

Der zweite Preis für Jungforscher ging an Andreas Pedross-Engel (36). Der Absolvent der Technischen Universität (TU) Graz arbeitet seit 2014 als Postdoc am Department of Electrical Engineering der University of Washington in Seattle (Washington). Er wird für eine 2018 im Fachjournal „IEEE Transactions on Computational Imaging“ veröffentlichte Arbeit ausgezeichnet, in der er ein 3D-Kamerasystem vorstellt, das auf aktiver Beleuchtung mit elektro-magnetischen Millimeter-Wellen basiert. Mit diesen für den Menschen ungefährlichen Wellen kann man verborgene Dinge sichtbar machen. Durch die Entwicklung könnte man künftig etwa auf die bewegten Antennen in Bodyscannern am Flughafen verzichten. Es würde ausreichen, dass Passagiere einfach an den Antennen vorbeigehen und dabei gescannt werden. Im Auftrag der US-Transport Security Agency (TSA) wurde ein Prototyp des Systems gefertigt.

Der ARIT ist ein vom Office of Science and Technology Austria (OSTA) in Washington DC im Auftrag von Wissenschafts- und Infrastrukturministerium organisiertes jährliches Netzwerktreffen zwischen österreichischen Experten und in Nordamerika tätigen österreichischen Wissenschaftern. Das Netzwerk ASCINA wurde 2002 in Washington D.C. gegründet und hat weltweit über 1.200 Mitglieder.

(SERVICE - Internet: http://www.ascina.at/)




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