Letztes Update am Do, 17.01.2019 16:01

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Lustenauer Unternehmen Alge Elastic in Konkurs - Betrieb eingestellt



Bregenz (APA) - Das Lustenauer Traditionsunternehmen Alge Elastic GmbH hat seinen Betrieb aufgrund von Zahlungsunfähigkeit eingestellt. Das teilte der Kreditschutzverband KSV 1870 mit. Über Alge Elastic wurde am Donnerstag am Landesgericht Feldkirch das Konkursverfahren eröffnet. Passiva von 14,4 Mio. Euro standen Aktiva in Höhe von 7,8 Mio. Euro gegenüber. 120 Mitarbeiter waren betroffen.

Das Unternehmen war bis zuletzt in der Erzeugung elastischer und nicht elastischer Bandwaren, in der Konfektionierung von Artikeln aus diesen Erzeugnissen und im Handel und Vertrieb dieser Waren tätig. Die nötigen Finanzmittel für ein Sanierungsverfahren seien nicht vorhanden, der Betrieb sei noch vor Konkurseröffnung eingestellt worden, berichtete der KSV. Eine Unternehmensfortführung sei aus der Sicht der Verantwortlichen der Alge Elastic betriebswirtschaftlich nicht möglich. Alge Elastic wurde 1923 als Stickerei gegründet, ab den 1930er-Jahren produzierte das stetig wachsende Unternehmen elastische Bänder. Seit 2015 wurde das Unternehmen von Nicola Alge und Marc Grahammer in der vierten Generation geführt.

Laut Schuldnerangaben verzeichnete das Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren markante Umsatzrückgänge. Besonders spürbar war der Umsatzrückgang durch einen Hauptkunden in der Textilbranche gewesen. Im Geschäftsjahr 2016/17 (30. Juni) hatte das Ergebnis vor Steuern minus 3,2 Millionen Euro betragen, im Jahr davor minus 1,7 Millionen Euro.

Zum Masseverwalter wurde der Lustenauer Rechtsanwalt Ralph Vetter bestellt. Die Prüfungs- und Berichtstagsatzung findet am 14. März statt. Gläubigerforderungen können laut KSV bis zum 28. Februar angemeldet werden.

Die Gewerkschaft strebt eine Arbeitsstiftung für die rund 120 betroffenen Mitarbeiter an, um diese aufzufangen, erklärte Bernhard Heinzle, Regionalleiter der Gewerkschaft der Privatangestellten. Es gebe bereits eine entsprechende Zusage von S und Land Vorarlberg. Man habe im Vorfeld keine Kenntnis von einer drohenden Insolvenz von Alge Elastic gehabt, allerdings gebe es dort auch keinen Betriebsrat. Erste Anfragen von Mitarbeitern erreichten die Gewerkschaft Anfang der Woche. Man habe daraufhin vergeblich versucht, Kontakt zur Geschäftsleitung aufzunehmen.

„Dass es keinen Betriebsrat gibt, erschwert die Situation für alle Beteiligten. Die Abwicklung wäre koordinierter und hätte vorausschauender erfolgen können. So haben wir etwa bisher keine Information über Altersstruktur oder Qualifikation der Mitarbeiter“, so Heinzle. Man könne die Beschäftigten auch nicht erreichen, da diese aufgrund der Einstellung des Betriebs bereits nicht mehr im Unternehmen seien. So müsse man das weitere Vorgehen des Masseverwalters abwarten. „Betroffene sollen sich bei der Insolvenzabteilung der Arbeiterkammer melden. Es geht jetzt darum, die Arbeitnehmer gut aus der Nummer rauszubekommen“, so Heinzle.

Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) zeigte sich in einer ersten Reaktion gegenüber ORF Radio Vorarlberg schockiert. Das Unternehmen sei ein „Flaggschiff“ und von jeher „sehr, sehr engagiert in der Gemeinde“, sagte Fischer. So war Alge Elastic seit 2014 Hauptsponsor des EHC Lustenau, der in der Sky Alps Hockey League (zweite österreichische Spielklasse) spielt. Der Konkurs des Hauptsponsors habe auf den Verein keine Auswirkungen, betonte EHC-Präsident Herbert Oberscheider auf APA-Anfrage: „Für die laufende Saison hat der Hauptsponsor die vereinbarten Leistungen schon vor mehreren Monaten erbracht“, so Oberscheider. Darüber hinaus wäre das Engagement von Alge Elastic nach der Saison sowieso ausgelaufen. Das Unternehmen habe den Verein frühzeitig informiert, dass eine Verlängerung des Sponsorvertrags nicht infrage komme.




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