Letztes Update am Fr, 08.02.2019 10:25

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bosnisch-serbische Regierung hat Srebrenica-Sonderkommission gebildet



Sarajevo/Banja Luka (APA) - Die bosnisch-serbische Regierung hat nun die zuvor vom Mitglied der bosnischen Staatsführung Milorad Dodik angekündigte Sonderkommission zu Srebrenica gebildet. Nach Worten von Milorad Kojic, dem Leiter der Vermisstenkommission der Republika Srpska, soll sie die „Wahrheit über das Leiden der Menschen in Srebrenica und der Umgebung in der Zeitspanne 1992 bis 1995“ untersuchen.

Die Kommission wird laut Medienberichten in Banja Luka vom israelischen Historiker Gideon Greif, Forscher des „Shem Olam“ Instituts in Israel, geleitet werden.

Die Sonderkommission habe zum Ziel, die Wahrheit festzustellen, es gebe keine zwei Wahrheiten zu Srebrenica. Man werde sich anstrengen, um diese einzige Wahrheit zu finden, wurde Greif von bosnisch-serbischen Medien am Freitag zitiert. Die zwölfköpfige Sonderkommission, deren Mitglieder auch Experten aus den USA, Japan, Australien, Italien und Serbien seien, wird den Ankündigungen nach ihre Arbeit im März aufnehmen.

Dodik, der im November die Bildung einer solchen Sonderkommission angekündigt hatte, meinte damals, dass man „mit der Wahrheit besser leben“ werde. Er hatte zuvor den Völkermord von Srebrenica wiederholt geleugnet.

Eine bosnisch-serbische Regierungskommission hatte sich 2004 mit dem Srebrenica-Massaker vom Juli 1995 befasst und die Zahl der Todesopfer mit rund 7.800 beziffert. Auf die Kommission sei damals Druck seitens der internationalen Staatengemeinschaft und des damaligen Hohen Bosnien-Beauftragten, Paddy Ashdown, ausgeübt worden, erklärte Dodik vergangenen August.

Nach der Einnahme der UNO-Schutzzone Srebrenica im Juli 1995 wurden von bosnisch-serbischen Truppen in der Umgebung der ostbosnischen Kleinstadt rund 8.000 bosniakische (muslimische) Männer und Buben ermordet. Ihre Leichen wurden später in vielen Massengräbern entdeckt. Der Internationale Gerichtshof (IGH) in Den Haag hatte das Massaker von Srebrenica 2007 als Völkermord eingestuft.




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