Letztes Update am Mi, 13.02.2019 11:29

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gegensätzliche Trends bei Firmen- und Privatinsolvenzen im Jahr 2018



Wien (APA) - Die Abschlussbilanz der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zu Firmen- und Privatinsolvenzen im Gesamtjahr 2018 zeigt zwei entgegengesetzte Trends: Während die Firmeninsolvenzen auf einem historischen Tiefstand sind, steigen die Privatkonkurse enorm an.

Die Zahl der Insolvenzverfahren bei Unternehmen sind 2018 um 1,8 Prozent auf 5.224 Verfahren gesunken. Das sind rund 21 Insolvenzen pro Werktag, darunter auch namhafte Unternehmen, wie der NIKI Luftfahrt GmbH oder Rosenberger-Gruppe.

Als Insolvenzgründe werden vor allem kaufmännische Fehler des Managements, Liquiditätsprobleme aufgrund sinkender Margen und Forderungsverluste genannt. Die am stärksten betroffene Branche ist das Bauwesen mit 25 Insolvenzen je 1.000 Unternehmen, und das trotz guter Auftragslage. Österreichweit wurden im Schnitt 11 Insolvenzen pro 1.000 Unternehmen gezählt.

Die Gründe für den Tiefstand 2018 liegen bei einer starken Exportwirtschaft, hoher Binnennachfrage bei niedriger Arbeitslosigkeit, ein Rekord an Neugründungen sowie die fortwährende Phase der Niedrigzinsen. Österreich konnte vergangenes Jahr ein reales BIP-Wachstum von 2,7 Prozent erwirtschaften. Die gedämpften Erwartungen der konjunkturellen Entwicklung bedeuten wahrscheinlich das Ende dieses Tiefstandes. Der globale Handelsstreit zwischen den USA und China, der drohende Brexit und ein mögliches Ende der Niedrigzinspolitik bedeuten für die Zukunft wohl eine Anhebung der Insolvenzverfahren.

Einen neuen Rekord gibt es bei den Insolvenzen im privaten Bereich. Die Anzahl stieg im Jahr 2018 um 38,7 Prozent auf 11.300 Privatkonkurse an. Das sind 46 Insolvenzen pro Werktag. Als Gründe für die Privatverschuldung werden häufig mangelnder Überblick über die eigene finanzielle Lage, Online-Shopping und Selbstüberschätzung beim Gang in die Selbstständigkeit genannt. Im Jahr 2018 wurden österreichweit 17 von 10.000 Erwachsene zahlungsgunfähig.

Der steigende Trend wird auf die Reform des Insolvenzrechts durch die Bundesregierung zurückgeführt. Dessen Ankündigung im Frühjahr 2017 brachte zunächst eine starke Rücknahme der Insolvenzanträge. Privatpersonen wollten erst die Verabschiedung des Gesetzes im November 2017 abwarten. Danach stiegen die Anträge wieder sprunghaft an. Für das Jahr 2019 erwartet sich die Creditreform wieder eine „Abflachung“ dieses Trends.

Zur Erklärung: Nach dem Entfall der zehnprozentigen Mindestquote nehmen vermehrt einkommensschwache Schuldner mit relativ geringen Verbindlichkeiten und vormalige Unternehmer mit sehr hohen Verbindlichkeiten aus ihrer gescheiterten Selbstständigkeit das neue Insolvenzrecht in Anspruch.




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