Letztes Update am Fr, 22.02.2019 13:06

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Kinderschutzgipfel im Vatikan: Bischof beklagt „Blindheit“ der Kirche



Vatikanstadt/Wien (APA) - Am zweiten Tag der Kinderschutz-Konferenz im Vatikan hat der Erzbischof von Chicago, Kardinal Blase J. Cupich, die „Blindheit“ der Kirche vor dem Ausmaß und den Schäden von Kindesmissbrauch durch Geistliche beklagt. Die Kirche müsse die „klerikale Kultur“ ablehnen, die so oft Missbrauch begünstigt habe, so Cupich in seiner Ansprache vor den Kongressteilnehmern.

„Wir müssen ohne zu zögern Laien ausführlich in alle Anstrengungen zur Bildung und zum Aufbau von Strukturen der Rechenschaft einbeziehen“, sagte der Erzbischof, der zu den Mitgliedern des Organisationskomitees des Kongresses gehört. Nur gemeinsam, in bischöflicher Kollegialität, könne man die Verantwortlichkeit und Rechenschaft sicher stellen. Die Geschichte der vergangenen Jahrzehnte zeige, dass die Perspektive von Missbrauchsopfern kein Angriff auf die Kirche sei, sondern eine Hilfe beim Erkennen der Tragödie und beim Aufbau von neuen Strukturen.

Cupich sprach sich für die Einrichtung von Online-Portalen oder Hotlines aus, wo Opfer Missbrauchsfälle melden können. Das Augenmerk solle stets auf die Opfer gerichtet sein. Die Kirche müsse klare Verfahren und Kriterien schaffen, um Fälle von nicht erfüllter Sorgfaltspflicht zu identifizieren.

Am viertägigen Anti-Missbrauchsgipfel, der am Donnerstag im Vatikan begonnen hat und bis Sonntag läuft, beteiligen sich 190 offizielle Teilnehmer. Österreich wird durch Kardinal Christoph Schönborn in Rom vertreten. Abstimmungen oder Beschlüsse über Papiere sind nicht vorgesehen. Papst Franziskus wird am Sonntagvormittag zum Abschluss der Messe eine zusammenfassende Ansprache halten.




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