Letztes Update am Mi, 06.03.2019 14:00

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frauentag - Kinderbetreuung auch für Ärztinnen Karrierehindernis



Wien (APA) - Auch in der Medizin haben Frauen mit Karrierehemmnissen zu rechnen. In einer Umfrage im Auftrag der Ärztekammer vor dem Frauentag am kommenden Freitag wurden Familienplanung und Kinderbetreuung am häufigsten als Hindernis für die Karriere genannt.

Laut der von Peter Hajek Public Opinion Strategies erstellten Studie, in der 2.497 Ärztinnen, das sind 11,3 Prozent aller Medizinerinnen, online befragt wurden, sind 33 Prozent der Ärztinnen nicht in dem Fachbereich tätig, auf den sie sich ursprünglich spezialisieren wollten. Bei 42 Prozent von ihnen war die Familienplanung ausschlaggebend dafür, führte Studienautorin Alexandra Siegl am Mittwoch in einer Pressekonferenz aus.

Generell waren Familienplanung und Kinderbetreuung das bei Weitem am häufigsten genannte Karrierehindernis: Fast zwei Drittel aller Ärztinnen in Österreich (61 Prozent) sehen diese Parameter als Grund dafür, beruflich nicht entsprechend weiterzukommen. Danach folgen zu wenig Förderung durch Vorgesetzte (37 Prozent), zu wenig Förderung in der Turnusausbildung in relevanten Wissensbereichen (32 Prozent), die Bevorzugung von Männern bei interessanten Jobs bzw. Führungspositionen (31 Prozent) sowie der Umstand, dass Ärztinnen generell weniger zugetraut wird als Ärzten (30 Prozent, Mehrfachnennungen möglich).

Die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie dürfte mit ein Grund dafür sein, dass deutlich mehr Spitalsärztinnen in den Wahlarztbereich (61 Prozent jener, die in Zukunft niedergelassen arbeiten möchten) tendieren als in den Kassenbereich (20 Prozent). Erklärt wird das damit, dass auch in Arztfamilien Familienarbeit immer noch vorwiegend Frauenarbeit ist. Demnach gaben 67 Prozent der befragten Ärztinnen an, den Großteil der Kinderbetreuung übernommen zu haben; umgekehrt waren es nur 6 Prozent der Männer. Beim Rest, also einem Viertel der Familien, wurde gerecht geteilt.

Die Referentin für Gender-Mainstreaming und spezifische Berufs- und Karrieremodelle von Ärztinnen der Ärztekammer, Petra Preiss, forderte als Konsequenz aus der Studie, dass Krankenhausbetreiber mit den Gemeinden und Privatinitiativen intensiv zusammenarbeiten sollten, um Spitalsärztinnen eine flexible Kinderbetreuung in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu stellen. Ausfallszeiten durch Karenz sowie Teilzeit für Ärztinnen sollten fix in die Personalbedarfsplanung der Krankenhausträger gehören. Und Karrieremodelle sollten so gestaltet sein, dass sie auch für Ärztinnen in Frage kommen.




Kommentieren