Letztes Update am Fr, 15.03.2019 14:22

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Serbien plant Militärparade am 20. Jahrestag der NATO-Luftangriffe



Belgrad/Prishtina (Pristina) (APA) - Serbiens Behörden wollen den 20. Jahrestag des Beginns von NATO-Luftangriffen gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien und Montenegro) am 24. März mit einer Militärparade begehen. Und zwar im südserbischen Nis, unweit des Kosovo. Die Bombardements folgten auf eine Reihe vergeblicher internationaler Bemühungen, dem Kosovo-Krieg ein Ende zu setzen.

Die von Präsident Aleksandar Vucic kürzlich angekündigte Gedenkfeier stieß auf heftige Kritik sowohl bei Vertretern der Opposition wie auch bei Analysten. „Wir brauchen kein Waffengeklirr, sondern eine konstruktive Politik allen Staaten in der Region gegenüber“, meinte Zoran Zivkovic, Chef der oppositionellen Neuen Partei und einstiger Bürgermeister von Nis.

In der südserbischen Stadt waren durch die Luftangriffe 26 Zivilisten ums Leben gekommen, 260 Menschen kamen mit Verletzungen davon, präzisierte Zivkovic gegenüber der Tageszeitung „Danas“ am Freitag. Für eine Militärparade seien sowohl das Datum als auch der Abhaltungsort falsch gewählt worden.

Man könne einfach nicht glauben, dass durch die Machtdemonstration dem Tag gedacht werden solle, an welchem die Zerstörung des Landes begonnen habe, meinte laut dem Blatt der pensionierte General Sreto Malinovic.

Für den Militäranalysten Aleksandar Radic steht eines fest, nämlich dass Militärparaden üblicherweise als Siegeszeichen und nicht wegen einer Niederlage veranstaltet würden. Radic brachte damit wohl die Meinung manch eines Serben auf den Punkt.

Wie zuvor angekündigt, sollen an der Militärparade etwa 1.500 Soldaten teilnehmen. Vorgeführt werden soll auch die neueste Ausrüstung der serbischen Streitkräfte, darunter acht Flugzeuge vom Typ Mig-29.

Durch die NATO-Luftangriffe hatte die Allianz im Frühjahr 1999 dem Kosovo-Krieg ein Ende gesetzt. Das Bombardement dauerte 78 Tage, bis Belgrad am 9. Juni im nordmazedonischen Kumanovo einen Friedensplan mit der NATO unterzeichnete und sich dazu verpflichtete, seine Sicherheitskräfte sofort vom Kosovo abzuziehen. Die damalige südserbische Provinz kam durch die daraufhin angenommene UNO-Resolution Nr. 1244 unter die UNO-Verwaltung, wurde aber weiterhin als ein Bestandteil Serbiens behandelt.

Kosovo hat im Februar 2008 einseitig seine Unabhängigkeit verkündet und wurde soweit von mehr als 100 Staaten anerkannt. Belgrad lehnt die Unabhängigkeit des Kosovo nach wie vor ab.

Die 2011 EU-initiierten Normalisierungsgespräche zwischen Belgrad und Prishtina liegen derzeit auf Eis. Die wichtigste bisher erzielte Vereinbarung, jene aus dem Jahre 2013, die auch die Bildung einer Gemeinschaft der Serbengemeinden im Kosovo vorsah, wurde bisher nicht vollkommen umgesetzt.

In den NATO-Luftangriffen waren laut den damaligen jugoslawischen Amtsangaben rund 2.000 Zivilisten und etwa 1.000 Soldaten ums Leben gekommen. Die gesundheitlichen Folgen werden von einer im Vorjahr gebildeten parlamentarischen Sonderkommission gerade untersucht. Ihr Bericht soll Ende 2020 vorliegen.

In Ärztekreisen kursieren unterdessen Gerüchte über einen bedeutenden Anstieg der Todesraten infolge von Krebserkrankungen. Die NATO-Allianz hatte 1999 in Serbien - betroffen waren vor allem Südserbien und der Kosovo - auch Sprengsätze mit abgereichertem Uran eingesetzt.

„Nein, dies war kein Bombardement, dies war eine Aggression“, korrigierte Vucic diese Woche wieder einmal eine Journalistin, die ihn zu den Plänen befragte, den Jahrestag zu begehen.

Der EU-Beitrittskandidat Serbien ist derzeit bemüht, die Beitrittsgespräche mit Brüssel nach Kräften weiter zu führen. Auch den serbischen Behörden ist es dabei völlig klar, dass es ohne die Normalisierung der Beziehungen mit dem Kosovo keine EU-Aufnahme für Serbien geben kann. Ein eventueller NATO-Beitritt ist für die große Mehrheit der serbischen Bürger aber völlig undenkbar.




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