Letztes Update am So, 14.04.2019 13:49

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ukraine-Wahlen - Publizist sieht Parallelen zu Österreich 2016



Kiew/Wien (APA) - Der ukrainische Publizist Michajlo Dubynjanskyj vergleicht den Wahlkampf des unterlegenen FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer 2016 mit der Kampagne von Präsident Petro Poroschenko. „Das österreichische Beispiel demonstrierte, dass Bevölkerungsmassen leichter gegen einen Kandidaten mit radikalen Ansichten zu mobilisieren sind“, schrieb er am Wochenende im Onlinemedium „Ukrajinska Prawda“.

„Während der im ersten Wahlgang an zweiter Stelle befindliche Grüne Van der Bellen, der mit liberalen Positionen in Verbindung gebracht wurde, siegte, vertrat der beschämte Nationalist Hofer Werte, die den hiesigen ‚Armee, Sprache, Glaube‘ (Slogan von Poroschenko, Anm.) näher stehen“, erklärte der Publizist in seinem Beitrag, der mit einem Foto von Bundespräsident Alexander Van der Bellen illustriert wurde.

Denn einem Kandidaten, der ausgewogener und liberaler wirke, falle es leichter, neue Anhänger zu bekommen und als „geringeres Übel“ aufzutreten, begründete Dubynjanskyj. Genau aus diesem Grund hätten im Frühjahr 2014 auch Menschen mit unterschiedlichen Ausrichtungen für den damaligen Präsidentschaftskandidaten Poroschenko gestimmt.

Jedoch sei der Präsident in den letzten Jahren Richtung Radikalismus, Traditionalismus und aggressiver nationaler Narrative abgedriftet und besetzte bei den Wahlen 2019 praktisch die Nische der rechtsradikalen Partei „Swoboda“, schrieb er. Dies sei nun einer der wichtigen Faktoren, die gegen das amtierende Staatsoberhaupt gewirkt hätten. Es reiche eben nicht aus, nur im westukrainischen Regionen von Lwiw (Lemberg) und Ternopil als „geringeres Übel“ wahrgenommen zu werden.

Dubynjanskyj erklärte das Ergebnis des ersten Wahlgangs am 31. März auch damit, dass die realen Bewohner eines realen Landes zunehmend genug von einer virtuellen „öffentlichen Meinung“ gehabt hätten. Zunächst habe die kriegsführende Ukraine eine Balance zwischen Nationalem und Liberalem gefunden, in Folge sei dies aber gescheitert, klagte er.

Während in Theorie der Schulterschluss einer erwachten Nation vor dem Angesicht des Feindes (Russland, Anm.) beobachtet worden sei, seien in Praxis die Schrauben enger gezogen worden. Bedingt durch ungeschickte Verbote, umstrittene Umbenennungen, eine scharfe Sprachpolitik und den Kampf mit halblegal importierten Autos aus er EU seien die Reihen der Unzufriedenen angewachsen. Diese seien eines Vielfaches mehr als jene Ukrainer, die passioniert eine Mission verfolgen würden, betonte Dubynjanskyj.

(Alternative Schreibweisen: Michail Dubinjanski)




Kommentieren