Letztes Update am Do, 18.04.2019 06:07

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tischtennis: Polcanova, Habesohn bei Budapest-WM auf zwei Standbeinen



Budapest (APA) - Einst in London 2012 noch als olympische Ersatzleute dabei, gehen Sofia Polcanova und Daniel Habesohn am Ostermontag als klare Nummern eins von Österreichs Tischtennis-Teams in die Individual-Weltmeisterschaften in Budapest. Polcanova hat ihren Status als Europas Nummer eins erst vor kurzem abgeben müssen, ist Weltranglisten-19., Habesohn gehört als 29. seit Anfang April erstmals zu den Top 30.

Auf WM-Ebene zählen sie da zwar noch nicht einmal zu den Außenseitern auf einen Medaillengewinn, im schon sechsten Trainingslager vor Großereignissen mit dem chinesischen Nationalteam wurde in Faak am See aber zumindest die Vorbereitung so gut wie nur möglich gestaltet. Und es brachte Motivation. „In meiner derzeitigen Form ist vieles möglich“, erklärte Habesohn. „Ich habe viel Selbstvertrauen und glaube, dass ich viele Leute schlagen kann an der Weltspitze.“

Schon seit vielen Jahren im Doppel kontinental vorneweg und mit Robert Gardos auch aktueller Europameister, hat sich der Wiener mit seinem Engagement in der deutschen Bundesliga bei Mühlhausen im Einzel enorm gesteigert. Durch das Üben mit den Chinesen fühle er sich speziell auf das mit hoher Geschwindigkeit vorgetragene asiatische Spiel vorbereitet. „Man ist an das Spiel gewohnt, braucht nicht ein oder zwei Sätze, um sich daran zu gewöhnen.“

Habesohn würde mit einem Achtelfinal-Einzug seine Setzung unter den Top 32 schon toppen, für Polcanova wäre der Vorstoß in die vierte Runde „bloß“ eine Bestätigung ihrer Top-16-Position. Doch das allein ist für die im ersten Jahres-Viertel auch verletzt gewesene Triple-EM-Medaillengewinnerin von 2018 bereits ein hohes Ziel. „Ich werde mein Bestes geben, um ins Achtelfinale zu kommen. Das Trainingslager hilft mir da enorm, da alle Chinesinnen sehr stark sind.“

Habesohn wie Polcanova haben in der ungarischen Hauptstadt noch ein zweites, nicht zu verachtendes zweites WM-Standbein. Habesohn etwa fordert mit der Motivation aus EM-Gold mit Gardos die asiatischen Stars. „Ich glaube, dass bei der WM viel drinnen ist. Das Selbstvertrauen nach dem EM-Titel groß ist.“ Sein Semifinal-Einzug im Einzel beim Europa-Top-16 hat auch dazu beigetragen. Zudem habe er nach zwei krankheitsbedingten Pausen nun ausreichend Energie.

Polcanova versucht sich überdies mit Stefan Fegerl im Mixed. Für die Vize-Europameister funktioniert es nebeneinander an der Platte gut, zusätzlicher Anreiz ist der neue Olympia-Status dieses Bewerbs. „Wir haben uns von Turnier zu Turnier gesteigert und harmonieren ganz gut zusammen“, erläuterte Fegerl. Der Ochsenhausen-Legionär spürt jedoch etwas die hohe Belastung in dieser Saison. „Wenn man am seidenen Faden spielt, ist es gefährlich, einen Einbruch zu bekommen.“

Für ÖTTV-Vizepräsident Peter Eckel ist diesmal das Achtelfinale das, was er sich wünschen würde: „Viertelfinale wäre sehr stark, eine Medaille wäre eine Sensation.“ Herren-Cheftrainer Qian Qianli hält einen ÖTTV-Podestrang bei passender Auslosung für möglich: „Wir hatten eine super Vorbereitung auf die WM.“ Liu Yan Jun, sein Pendant bei den Damen, wiederum, hat einen unmissverständlichen Auftrag: „Das Achtelfinale ist für uns ein Muss, ein Viertelfinale möglich.“

Eine österreichische WM-Medaille hat im modernen Tischtennis hingegen absoluten Seltenheitswert. Einzig Werner Schlager hat sich nach 1955 ÖTTV-Podestplätze gesichert. 1999 in Eindhoven holte der Niederösterreicher Einzel-Bronze, 2003 in Paris Gold. Es ist nach wie vor der seither letzte nicht an China gegangene Einzel-WM-Titel. Insgesamt bzw. seit 1926 hält Österreich bei 69 WM-Medaillen, davon acht in Gold.




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