Letztes Update am Do, 18.04.2019 06:09

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanien-Wahl - Oppositionsführer Pablo Casado als rechter Hardliner



Madrid (APA) - Sich erneuern oder sterben. Unter diesem Motto krempelte der erst 38-jährige Pablo Casado Spaniens konservative Volkspartei (PP) um, als er vor neun Monaten die Parteispitze übernahm. Er erneute die PP (Partido Popular) und gab ihr einen klaren Rechtsruck.

Ministerpräsident Mariano Rajoy trat nach seiner Niederlage im Sommer 2018 beim Misstrauensvotum im Parlament auch kurz danach als PP-Vorsitzender zurück. Überraschend gewann der junge Newcomer aus der Provinz den Sonderparteitag gegen politische Schwergewichte wie Vize-Regierungschefin Soraya Sanez de Santamaria und PP-Generalsekretärin Dolores de Cospedal.

Die Partei suchte ein neues Gesicht, das zudem nicht mit den zahlreichen Korruptionsskandalen des Rajoy-Teams in Verbindung gebracht werden konnte. Dieses Gesicht war Pablo Casado, der junge Rechtsanwalt und zweifache Familienvater aus der kastilischen Provinz Avila.

Casado, erzkatholisch, spricht sich für traditionelle Familienwerte aus und gegen Abtreibung und Fristenregelungen. Er kritisiert die sozialpolitischen Wirtschaftsmaßnahmen der Sozialisten und will vor allem Unternehmen unterstützen.

Auch wenn er sich gleich zu Beginn in einem Skandal um einen angeblich erschwindelten Universitätstitel rechtfertigen musste, brachte Casado frischen Wind in die Partei. 80 Prozent der PP-Kandidaten bei den kommenden Parlamentswahlen vom 28. April sind neue Gesichter, die fest hinter ihm stehen.

Doch die Umfragen bescheinigen ihm kein gutes Ergebnis. Zwar rückte Casado, dessen politischer Ziehvater Ex-Ministerpräsident Jose Maria Aznar ist, die Partei deutlich nach rechts und stimmte damit viele PP-Mitglieder zufrieden, denen Rajoy zu liberal war.

Dennoch kann Casado nicht verhindern, dass viele PP-Wähler bei den Neuwahlen zu den liberalkonservativen Ciudadanos und vor allem zur neuen rechtspopulistischen Vox-Partei wechseln. Bei den Neuwahlen dürfte seine Partei ordentlich Federn lassen und von derzeit 137 auf 66 bis 76 hinter die Sozialisten zurückfallen.

Dennoch könnte Casado Spaniens neuer Ministerpräsident werden, sollten die Sozialisten keine regierungsfähige Mehrheit erlangen. So reichte er bereits den konservativ-liberalen Ciudadanos und sogar der rechtspopulistischen Vox-Partei die Hand, um Sanchez abzusetzen, den er beschuldigt, mit seiner dialogbereiten Politik Kataloniens Separatisten zu stärken und die Einheit Spaniens zu gefährden. Sollte Casado schließlich als Sieger aus den Parlamentswahlen hervorgehen, werde er Katalonien sofort wieder unter Zwangsverwaltung stellen, um die Separatisten endgültig in die Knie zu zwingen, so Casado.




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