Letztes Update am Do, 18.04.2019 12:39

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Renoviertes Bodensee-Museumsschiff „MS Oesterreich“ nimmt Betrieb auf



Hard/Bregenz (APA) - Vorarlberg hat ein neues, altes Museumsschiff. Die „Oesterreich“, erbaut im Jahr 1928, wurde von einem Verein und dank vieler Spenden originalgetreu restauriert und wird nun wieder über den Bodensee fahren. Am Gründonnerstag wurde das Motorschiff von Bischof Benno Elbs gesegnet, bevor es zu seiner Eröffnungsausfahrt ausrückte. Insgesamt wurden rund 9,5 Mio. Euro investiert.

Das Schiff hat eine bewegte Geschichte. Das damals als „Luxusliner“ betitelte Salonschiff „MS Oesterreich“, 1928 im Art Deco-Stil erbaut, leitete als Doppelschrauben-Motorschiff am Bodensee die Ära der modernen, dieselbetriebenen Schiffe ein. Im Zweiten Weltkrieg wurde die „Oesterreich“ wie andere Bodenseeschiffe auch stillgelegt, mit einem Tarnanstrich versehen und für Torpedoübungen genutzt. Nach dem Krieg beschlagnahmten die Franzosen das Schiff und nutzten es ebenfalls für militärische Zwecke. 1948 wurde das ausgeplünderte und schwerst beschädigte Schiff zurückgegeben und dann wieder flottgemacht. Am 25. Juli 1953 fuhr die „Oesterreich“ als Teil der Bodenseeflotte unter großer Anteilnahme der Bevölkerung zu ihrer zweiten Jungfernfahrt aus.

Im Oktober 2009 wurde das in die Jahre gekommene Schiff stillgelegt und rostete einige Jahre in einer Werft in Fußach (Bezirk Bregenz) vor sich hin. Ein 2014 gegründeter „Freundeskreis MS Oesterreich“ um den Unternehmer Jürgen Zimmermann nahm sich schließlich des Schiffs an, mit dem Ziel, es wieder in den Zustand von 1928 zu versetzen. Der Verein, aus dem sich später eine GmbH gründete, kaufte das Schiff um einen Euro. In rund 1.100 Stunden wurden bis zum Frühjahr 2016 rund 75 Tonnen Material ausgebaut. Der Rumpf wurde saniert, der gesamte Aufbau musste ersetzt werden. Heute sind Motor, Antriebstechnik und Gastronomie auf neuestem Stand.

Die Arbeitsstunden habe er nicht gezählt. Die Vorbereitungen hätten etwa drei Jahre gedauert, dazu kamen drei Jahre Bauzeit, so Zimmermann am Donnerstag vor Pressevertretern. Er sprach angesichts der Rettung des schwimmenden Kulturguts von einem „großen Freudentag“. In die Renovierung wurden rund 8,5 Mio. Euro investiert, in eine neue Küche an Land 800.000 Euro. 4,5 Mio. Euro kamen dabei als Gesellschafterkapital von Vorarlberger Unternehmern, die privat investierten. Weitere Gelder stammten aus Spenden. Rund 350.000 Euro kamen etwa aus Patenschaften für Objekte am Schiff. Etwa eine Mio. Euro floss aus einem EU-Interreg-Projekt, das Land Vorarlberg steuerte 750.000 Euro bei. „Die Kosten entsprechen einem Neubau, aber die Herausforderungen waren ungleich größer“, so Zimmermann.

Das Schiff liegt nun am Hafen in Hard, gleich neben dem Museumsschiff „Hohentwiel“ von 1913, beide werden unter der Dachmarke „Historische Schifffahrt Bodensee“ betrieben. Die Schiffe repräsentierten zwei verschiedene Epochen, der 1913 im Jugendstil erbauten Hohentwiel als letztem Dampfschiff am Bodensee folge kunststil- und technikgeschichtlich die „Oesterreich“ im Art Deco-Stil als erstes Motorschiff, so Kapitän Adolf Konstatzky. Man sehe die Schiffe nicht in Konkurrenz zur übrigen Bodenseeschifffahrt, vielmehr verstehe man ihren Erhalt als Kulturauftrag. Laut Geschäftsführer Bernd Hartmann ist ein ganzjähriger Betrieb der „Oesterreich“ geplant, sie wird für Themenfahrten ablegen und im Charterbetrieb ausfahren.

(S E R V I C E - Informationen im Internet unter https://www.hohentwiel.com)




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