Letztes Update am Sa, 20.04.2019 06:04

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Plowdiw 2019 - Baustelle UNESCO-Weltkulturerbe



Plowdiw (APA) - Bulgariens zweitgrößte Stadt Plowdiw, gemeinsam mit Matera Europäische Kulturhauptstadt 2019, bemüht sich darum, was die süditalienische Partnerstadt mit ihren Höhlensiedlungen bereits geschafft hat: Den Status des UNESCO-Weltkulturerbes zu erlangen.

„Wir denken, dass die Bischofskirche und die spätantiken Mosaike von Philippopolis einen Platz auf der Liste des UNESCO-Welterbes haben sollten“, erklärte die Restauratorin Elena Kantareva-Decheva österreichischen Journalisten bei einem Besuch in Plowdiw. Die Stadt bereite gerade die Bewerbung vor und arbeite an einem großem Projekt: Die aus dem vierten und fünften Jahrhundert n. Chr. stammende Bischofskirche oder sogenannte Große Basilika der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Mit einer Länge von 83 Metern und einer Breite von 36 Metern ist die 1982 bei Straßenbauarbeiten entdeckte frühchristliche Basilika eine der größten am Balkan. Insgesamt traten bei den 2017 abgeschlossenen archäologischen Arbeiten mehr als 2.000 Quadratmeter an mehrfarbigen Bodenmosaiken in zwei Schichten zutage, darunter rund hundert Vogeldarstellungen.

„Das Museum soll am 26. September eröffnet werden“, sagte Kantareva-Decheva. Die Zeit wird knapp, gibt sie zu verstehen. 15 Millionen Lewa (fast 7,7 Mio. Euro) sind für das Projekt veranschlagt, das die Stadtgemeinde gemeinsam mit der „America for Bulgaria Foundation“ durchführt. Bisher wurde am ursprünglichen Standort der Großen Basilika das Stahlgerüst für den geplanten zweistöckigen Bau errichtet.

Für die Stadt sind die archäologischen Funde ein großer Schatz und eine Belastung zugleich: „Es ist sehr schwierig, die Funde in eine moderne Stadt zu integrieren“, erklärte Kantareva-Decheva. Bei der sogenannten Kleinen Basilika ist dies bereits gelungen. Deren farbenprächtige Mosaike wurden 1998 bei Bauarbeiten zur Errichtung eines Wohnkomplexes entdeckt.

Nach mehr als zehn Jahren Konservierungsarbeiten wurden die Überreste der im fünften und sechsten Jahrhundert n. Chr. erbauten dreischiffige Basilika in situ am Fuße der Altstadt rekonstruiert. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein gemeinsames Projekt der Stadtgemeinde Plowdiw und der „America for Bulgaria Foundation“, das 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Zwei Millionen Lewa (rund 1,8 Mio. Euro) wurden investiert, um die detaillierten Bodenmosaike zu neuem Leben zu erwecken. Diese bestehen aus geometrischen und floralen Elementen und zeigen christliche Symbole, wie Tauben und Hirsche, auch ein Baptisterium in Kreuzform ist erhalten.

Auch die als Eirene-Gebäude bekannte spätantike römische Villa mit seinen Mosaiken aus dem 4. bis 6. Jahrhundert n. Chr. - darunter das namensgebende Frauenbildnis - wurde an ihrem ursprünglichen Standort in die moderne Stadtstruktur eingebunden und ist in einer Fußgängerunterführung im Zentrum zu bewundern.

Plowdiw zählt zu den ältesten durchgehend besiedelten Gebieten der Welt. Fünf Zivilisationen haben hier ihre Spuren hinterlassen, die ältesten stammen aus dem sechsten Jahrtausend vor Christus. Dem makedonischen König Philip II., dem Vater von Alexander dem Großen, verdankt die Stadt jenen Namen, unter dem sie später bekannt wurde: Philippopolis. Im Jahre 342 v. Chr. eroberte dieser die ehemals thrakische Ansiedelung.

Im zweiten Jahrhundert n. Chr. ließ der griechische Schriftsteller Lukian seine Helden Philippopolis bereits als „großartigste und nobelste Stadt der ganzen Welt“ bezeichnen. Unter anderem eines der besterhaltenen römischen Amphitheater, ein Aquädukt und das Osttor der antiken Stadt zeugen noch heute davon.

Auf der Liste des UNESCO-Welterbes finden sich bereits sieben bulgarische Kulturdenkmäler. Anerkannt wurden zum Beispiel die Altstadt von Nessebar am Schwarzen Meer, deren archäologische Stätten vor allem aus der Zeit des Hellenismus stammen, das im 10. Jahrhundert gegründete orthodoxe Rila-Kloster und das frühmittelalterliche Felsrelief des Reiters von Madara.

~ WEB http://www.unesco.org/new/en/ ~ APA011 2019-04-20/06:00




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