Letztes Update am Do, 25.04.2019 05:33

APAOnlineticker / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Spanien-Wahl: Migration kein großes Thema auf Ausländerinsel Mallorca



Palma de Mallorca/Madrid/Barcelona (APA) - Die Urlauberinsel Mallorca hat den größten Ausländeranteil aller Regionen Spaniens, darunter auch viele Migranten aus Marokko und anderen Staaten des Maghreb und Afrikas. Doch spielt das Thema Migration auf den Balearen vor der Parlamentswahl am Sonntag keine große Rolle. Dabei buhlt auch hier die rechtspopulistische Partei Vox um Wähler, allerdings setzt sie dabei auf den Katalonien-Konflikt.

„Ausländer und Migration waren bislang kein öffentliches Thema im Wahlkampf“, erklärte der Chefredakteur des deutschsprachigen Wochenblatts „Mallorca Zeitung“, Ciro Krauthausen, jüngst in Palma de Mallorca im Gespräch mit der APA. „Ich will nicht ausschließen, dass es eine gewisse Ausländerfeindlichkeit am Stammtisch gibt, oder was hier eben ein Stammtisch wäre. Kann sein, dass darüber viel geredet und gelästert wird. Aber im öffentlichen Diskurs war das kein Thema. Auch Vox hat nicht sehr in diese Kerbe geschlagen.“

Spanien und auch Mallorca seien aber Sonderfälle „im Vergleich zu rechtsextremen Bewegungen anderswo“, analysierte der in Ecuador geborene Deutsche, der seit mehr als zehn Jahren die Geschicke der „Mallorca Zeitung“ leitet. Das große Wahlkampfthema der rechten Parteien - auch der konservativen Volkspartei PP - seien die separatistischen Tendenzen in Katalonien, die sie als Gefahr für die Einheit Spaniens geißeln.

Mallorca sei da eine besonders sensible Region. Zwar gehöre die Insel politisch und verwaltungstechnisch nicht zu Katalonien, aber sehr wohl zum „katalanischen Kulturraum“, wie es Krauthausen ausdrückt. So ist die im Alltag gebräuchliche Regionalsprache „Mallorquin“ ein Dialekt des Katalanischen, der Einflüsse des Französischen, Italienischen und Arabischen aufweist. Daher sei die Frage „Wie steht man zum Katalonien-Konflikt?“ der heißere Kampagnenstoff.

„In Katalonien gibt es Separatisten und Gegner zu gleichen Teilen“, so der Chefredakteur der seit dem Jahr 2000 erscheinenden „Mallorca Zeitung“. Auf der Hauptinsel der Balearen würde die Sympathien für die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter aber „keine 50 Prozent“ erreichen. Wobei die Mallorquiner in dieser Frage ohnehin recht „eigen“ seien, wie es Krauthausen formulierte. „Es gibt eine eigenständige Identität, die jetzt nicht katalanisch sondern mallorquinisch wahrgenommen wird. Daher wird oft scherzhaft gesagt, dass sich Mallorca auch gleich selbst unabhängig machen könnte.“

Die Balearen zählen zu den Kommunen mit dem stärksten Bevölkerungszuwachs in Spanien. Der Ausländeranteil beträgt fast 17 Prozent - das ist der höchste Wert in ganz Spanien, wo der Durchschnitt unter zehn Prozent liegt. Die Gesamtzahl der Einwohner belief sich 2018 laut „Mallorca Zeitung“ auf rund 1,1 Millionen. Rund 184.000 davon waren Ausländer.

Knapp unter 20.000 Deutsche sind offiziell auf Mallorca offiziell wohnhaft. Sie stellten lange größten Bevölkerungsanteil unter den Ausländern. Den machen derzeit aber laut Melderegister die Marokkaner aus. Weiters gibt es neben Briten und Skandinaviern auch große Communities von Afrikanern, Pakistani und Chinesen. Aber auch um die 1000 Österreicher leben ständig auf Mallorca.

Die „Mallorca-Zeitung“ erscheint jeden Donnerstag im Verlag Editorial Prensa Ibérica, der 17 Regionalblätter herausgibt, darunter die spanischsprachige Lokalzeitung „Diario de Mallorca“. Die Auflage schwankt laut Chefredakteur Krauthausen saisonal bedingt, beträgt aber jedenfalls „mehrere zehntausend“. Laufend aktualisiert wird der Internet-Auftritt www.mallorcazeitung.es .

(Das Gespräch führte Edgar Schütz/APA)




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